tripstrill,
m., f., n. ,
mit zahlreichen nebenformen wie dribsdrill, drebstrill, trepsdrell;
gelegentlich auch solchen, die lautlich weiter abstehen: triptrille Rother
s. u. 1, trixtrill Corydon
s. u. 1, trippotill
fastn.-sp. s. u. 2, der juncker von strip stril kam zu Hamburg de Memel
lustige gesellsch. (1656) 287, dröpsdrölles Christa
Trierer wb. 73
a.
diese tatsache der unfestigkeit in der lautgestalt unterstreicht den lautmalenden charakter des worts, ohne dasz dadurch die herkömmliche erklärung des worts von dem schwäbischen ortsnamen Tripstrill
resp. Treffentrill
oder der weimarischen stadt Triptis,
die im volksmunde Tripstrill
genannt wird, unmöglich würde; s. Bolte
in Herrigs archiv 102, 253.
anders Weise
zs. f. dt. wortf. 3, 124/8;
vgl. Borchardt - Wustmann
d. sprichwörtl. raa. im volksm.6 479; dribsdrill,
th. 2, 1420. 11)
m., bezeichnung für einen menschen, der durch seine ungeschicklichkeit und torheit anstosz erregt, tölpel, dummkopf. während des nhd. zeitraums über das gesamte deutsche sprachgebiet verbreitet mit mannigfachen bedeutungsabschattungen, ohne dasz für sie eine bestimmte ausdehnung geographisch fest umrissen werden könnte: dripsdrill,
spottname für einen menschen, der sich albern und blöd benimmt Schmeller-Frommann 1, 673/4; tripstrill,
tölpel, dummkopf, langsamer, dummer mensch; übereifriger, aber ungeschickter mensch Martin-Lienhart
elsäss. 2, 764
a; dröpsdrölles,
einfältiger, dämlicher mensch Christa
Trierer wb. 73
a; trepsdrell,
tölpel Wegeler
Coblenz2 78; trippstrill,
gleichgiltiger, langsamer mensch; gern weinende person Kehrein
volksspr. in Nassau 410;
langsamer einfältiger mensch; schlafmütze; spottname, den man einem unvorsichtigen gibt Bock
id. pruss. (1760) 8; Hennig
preusz. wb. 53;
person, die sich nicht zu finden weisz, einfältig, ungeschickt ist Gutzeit
spr. Livlands 201
a;
als fem.: einfältige person, Schön
Saarbrück.2 50
b; die trippstrille,
zuweilen eine scherzhaft scheltende benennung eines mädchens, einer frauperson Bernd
Posen (1820) 322;
neckwort: 'du siehst so betrübt aus wie 'ne trippstrill' Lemke
volkstüml. i. Ostpr. 1, 185;
feminine neben masculiner verwendung bezeugt auch Gutzeit
a. a. o. literarisch als schimpfwort vornehmlich in mundartnaher oder reiner mundartdichtung: ... der yngebildt tripsdrill! maint wyl er rychdum het Arnold
pfingstmontag (
Straszb. 1816) 47.
das wort wird geradezu als fester personenname verwendet: es sind zwar noch bei mir Paris und Schampetasche, mein beyde söhn wie auch Trixtrill der kleine basche (
page). doch können diese drey mir nicht behülflich seyn Corydon
narrenbossen (1677) e 12
a; denkst du, dasz es mein casus ist, in gelehrten gesellschaften dazusizen wie Dripsdrill? Hermes
Sophiens reise 4
2 (1776) 92;
zwei belege im schles. schrifttum aus d. ersten hälfte d. 18.
jh. bei Rother
schles. sprichw. u. raa. 219
b. 22)
n., erdichteter ortsname; ähnlich wie Schilda
zur kennzeichnung eines ortes, dessen törichte einwohner sich übergescheit glauben und deshalb lauter narreteien und torheiten begehen. wenn auch die literarischen belege für diese verwendung bis ins 15.
jh. zurückreichen, so hat sie sich doch wohl erst aus 1
entwickelt. im gegensatz zu 1
ist die verbreitung dieser bedeutung auf das obd. und md. sprachgebiet beschränkt: Hügel
Wiener dial. 167; Schmeller-Fr. 1, 673/4; Schöpf
tirol. 757;
schweiz. id. 4, 190; Reiser
sagen, gebräuche, sprichw. d. Allgäus 2, 741; Fischer
schwäb. 2, 389; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 764
a; Schön
Saarbrücken2 50
b; Hönig
Kölner ma. 182
b; Waldbrühl
rhingscher klaaf 213; Kehrein
volksspr. i. Nassau 410; Crecelius
oberhess. 300; Pasch
Altenbg. 101; Müller-Fraureuth 1, 251
a; Albrecht
Leipziger ma. 224
b.
in Norddeutschland wird entsprechend Buxtehude
gebraucht. gern antwortet man im volksmund auf die naseweise frage: wohin gehst du? woher kommst du?
u. ä. mit der schnippischen abfertigung; nach, von Tripstrill;
s. d. wbb. nach schwäbischem volksglauben liegt in Tripstrill
die altweiber- oder pelzmühle, in der alte weiber wieder jung gemahlen werden, vgl. Mannhardt
zs. f. dt. mythologie 2, 196; 3, 116: zu guter letzt ich melden will: da bei dem berg liegt auch Tripstrill wo, wie ihr ohne zweifel wiszt, die berühmte pelzmühl' ist Mörike
ges. schr. (1905) 1, 198;
so auch titel einer komischen oper Wenzel Müller die windmühl von tripstrill (1807).
literarisch verwendet für einen ort voller narren, der im niemandslande liegt: herr wirt, nun gebt uns euren segen! hört ir ieman, der nach uns wolt fragen, den weist zuo uns gen Trippotill!
fastnachtsp. 1, 303
Keller; ihr, ey könnt ihr mir nicht sagen, wo geht man recht nach Tripstrill nausz?
gikes, gakes, ofenloch (
um 1620) a 3
a; er spricht, er habe keine wort im vorrath, und hat doch beym könige zu Tripstrill sollen complimentirsecretarius werden Chr. Weise
drei hauptverderber (1673) 62; der lutherische herrgott hat trotz dem calvinischen seine synagog, welche vor dem jahr 1517 über tausend jahr zu Tripsdrill, drei meilen hinterm kachelofen in der Wetterau, unter der bank gelegen Weislinger
frisz vogel oder stirb (1726) 2, 119; du wärst ein kerl, sprach ich, für den ewigen juden, dem es wenig verschlägt, ob er in Tripstrill oder Herrnhut zur kirchweih ankommt Mörike
ges. schr. (1905) 2, 14; und wenn ihr auch von Trippstrill (statt von Lauterbach) wäret, ihr wäret doch ein lieber mensch Auerbach
dorfgesch. 2, 118;
als buchtitel L. Finckh die reise nach Tripstrill (1911).
in älterer zeit bei anonymen werken zur charakteristik des inhalts zuweilen als druckort angegeben: sammlung poetischer gesundheiten und gedanken beym trunk. Tripstrille 1750,
s. Weller d. falschen u. fingierten druckorte 1, 87; pilgerbuesspredig des schwäbischen pater Abraham. gehalte anno duback. gedruckt z. Trippstrill in der pelzmühle
ebda 1, 234;
vgl. auch Herrigs archiv 102, 251. 33)
m., diarrhoe, durchfall: viel trauben eszen gereutt man etlich mahl, wen man einen braffen tribsdrill bekompt Elisabeth - Charlotte
br. 1, 247
Holland; es kamme mir auff einmal ... ein starker tribszdrill ahn — bin in 2 stunden 8 mahl gangen
ebda 1, 375;
ferner 1, 4; 1, 182.
liegt hier ein ganz persönlicher sprachgebrauch vor?