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tripstrill

nhd. bis sprichw. · 6 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
7 in 6 Wb.
Sprachstufen
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

tripstrill m., f., n.

Bd. 22, Sp. 652
tripstrill, m., f., n. , mit zahlreichen nebenformen wie dribsdrill, drebstrill, trepsdrell; gelegentlich auch solchen, die lautlich weiter abstehen: triptrille Rother s. u. 1, trixtrill Corydon s. u. 1, trippotill fastn.-sp. s. u. 2, der juncker von strip stril kam zu Hamburg de Memel lustige gesellsch. (1656) 287, dröpsdrölles Christa Trierer wb. 73a. diese tatsache der unfestigkeit in der lautgestalt unterstreicht den lautmalenden charakter des worts, ohne dasz dadurch die herkömmliche erklärung des worts von dem schwäbischen ortsnamen Tripstrill resp. Treffentrill oder der weimarischen stadt Triptis, die im volksmunde Tripstrill genannt wird, unmöglich würde; s. Bolte in Herrigs archiv 102, 253. anders Weise zs. f. dt. wortf. 3, 124/8; vgl. Borchardt - Wustmann d. sprichwörtl. raa. im volksm.6 479; dribsdrill, th. 2, 1420. 11) m., bezeichnung für einen menschen, der durch seine ungeschicklichkeit und torheit anstosz erregt, tölpel, dummkopf. während des nhd. zeitraums über das gesamte deutsche sprachgebiet verbreitet mit mannigfachen bedeutungsabschattungen, ohne dasz für sie eine bestimmte ausdehnung geographisch fest umrissen werden könnte: dripsdrill, spottname für einen menschen, der sich albern und blöd benimmt Schmeller-Frommann 1, 673/4; tripstrill, tölpel, dummkopf, langsamer, dummer mensch; übereifriger, aber ungeschickter mensch Martin-Lienhart elsäss. 2, 764a; dröpsdrölles, einfältiger, dämlicher mensch Christa Trierer wb. 73a; trepsdrell, tölpel Wegeler Coblenz2 78; trippstrill, gleichgiltiger, langsamer mensch; gern weinende person Kehrein volksspr. in Nassau 410; langsamer einfältiger mensch; schlafmütze; spottname, den man einem unvorsichtigen gibt Bock id. pruss. (1760) 8; Hennig preusz. wb. 53; person, die sich nicht zu finden weisz, einfältig, ungeschickt ist Gutzeit spr. Livlands 201a; als fem.: einfältige person, Schön Saarbrück.2 50b; die trippstrille, zuweilen eine scherzhaft scheltende benennung eines mädchens, einer frauperson Bernd Posen (1820) 322; neckwort: 'du siehst so betrübt aus wie 'ne trippstrill' Lemke volkstüml. i. Ostpr. 1, 185; feminine neben masculiner verwendung bezeugt auch Gutzeit a. a. o. literarisch als schimpfwort vornehmlich in mundartnaher oder reiner mundartdichtung: ... der yngebildt tripsdrill! maint wyl er rychdum het Arnold pfingstmontag (Straszb. 1816) 47. das wort wird geradezu als fester personenname verwendet: es sind zwar noch bei mir Paris und Schampetasche, mein beyde söhn wie auch Trixtrill der kleine basche (page). doch können diese drey mir nicht behülflich seyn Corydon narrenbossen (1677) e 12a; denkst du, dasz es mein casus ist, in gelehrten gesellschaften dazusizen wie Dripsdrill? Hermes Sophiens reise 42 (1776) 92; zwei belege im schles. schrifttum aus d. ersten hälfte d. 18. jh. bei Rother schles. sprichw. u. raa. 219b. 22) n., erdichteter ortsname; ähnlich wie Schilda zur kennzeichnung eines ortes, dessen törichte einwohner sich übergescheit glauben und deshalb lauter narreteien und torheiten begehen. wenn auch die literarischen belege für diese verwendung bis ins 15. jh. zurückreichen, so hat sie sich doch wohl erst aus 1 entwickelt. im gegensatz zu 1 ist die verbreitung dieser bedeutung auf das obd. und md. sprachgebiet beschränkt: Hügel Wiener dial. 167; Schmeller-Fr. 1, 673/4; Schöpf tirol. 757; schweiz. id. 4, 190; Reiser sagen, gebräuche, sprichw. d. Allgäus 2, 741; Fischer schwäb. 2, 389; Martin-Lienhart elsäss. 2, 764a; Schön Saarbrücken2 50b; Hönig Kölner ma. 182b; Waldbrühl rhingscher klaaf 213; Kehrein volksspr. i. Nassau 410; Crecelius oberhess. 300; Pasch Altenbg. 101; Müller-Fraureuth 1, 251a; Albrecht Leipziger ma. 224b. in Norddeutschland wird entsprechend Buxtehude gebraucht. gern antwortet man im volksmund auf die naseweise frage: wohin gehst du? woher kommst du? u. ä. mit der schnippischen abfertigung; nach, von Tripstrill; s. d. wbb. nach schwäbischem volksglauben liegt in Tripstrill die altweiber- oder pelzmühle, in der alte weiber wieder jung gemahlen werden, vgl. Mannhardt zs. f. dt. mythologie 2, 196; 3, 116: zu guter letzt ich melden will: da bei dem berg liegt auch Tripstrill wo, wie ihr ohne zweifel wiszt, die berühmte pelzmühl' ist Mörike ges. schr. (1905) 1, 198; so auch titel einer komischen oper Wenzel Müller die windmühl von tripstrill (1807). literarisch verwendet für einen ort voller narren, der im niemandslande liegt: herr wirt, nun gebt uns euren segen! hört ir ieman, der nach uns wolt fragen, den weist zuo uns gen Trippotill! fastnachtsp. 1, 303 Keller; ihr, ey könnt ihr mir nicht sagen, wo geht man recht nach Tripstrill nausz? gikes, gakes, ofenloch (um 1620) a 3a; er spricht, er habe keine wort im vorrath, und hat doch beym könige zu Tripstrill sollen complimentirsecretarius werden Chr. Weise drei hauptverderber (1673) 62; der lutherische herrgott hat trotz dem calvinischen seine synagog, welche vor dem jahr 1517 über tausend jahr zu Tripsdrill, drei meilen hinterm kachelofen in der Wetterau, unter der bank gelegen Weislinger frisz vogel oder stirb (1726) 2, 119; du wärst ein kerl, sprach ich, für den ewigen juden, dem es wenig verschlägt, ob er in Tripstrill oder Herrnhut zur kirchweih ankommt Mörike ges. schr. (1905) 2, 14; und wenn ihr auch von Trippstrill (statt von Lauterbach) wäret, ihr wäret doch ein lieber mensch Auerbach dorfgesch. 2, 118; als buchtitel L. Finckh die reise nach Tripstrill (1911). in älterer zeit bei anonymen werken zur charakteristik des inhalts zuweilen als druckort angegeben: sammlung poetischer gesundheiten und gedanken beym trunk. Tripstrille 1750, s. Weller d. falschen u. fingierten druckorte 1, 87; pilgerbuesspredig des schwäbischen pater Abraham. gehalte anno duback. gedruckt z. Trippstrill in der pelzmühle ebda 1, 234; vgl. auch Herrigs archiv 102, 251. 33) m., diarrhoe, durchfall: viel trauben eszen gereutt man etlich mahl, wen man einen braffen tribsdrill bekompt Elisabeth - Charlotte br. 1, 247 Holland; es kamme mir auff einmal ... ein starker tribszdrill ahn — bin in 2 stunden 8 mahl gangen ebda 1, 375; ferner 1, 4; 1, 182. liegt hier ein ganz persönlicher sprachgebrauch vor?
6203 Zeichen · 121 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    tripstrilladj.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    tripstrill , adj. , aus dem vorigen selten gebildet; ' still, einsilbig, betrübt ' Schemionek Elbingsche ma. 41 ; drem d…

  2. modern
    Dialekt
    Tripstrill

    Bayerisches Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    Tripstrill Band 4, Spalte 4,522f.

  3. Sprichwörter
    Tripstrill

    Wander (Sprichwörter)

    Tripstrill 1. Er ist von Tripstrill, wo die Gänse Haarbeutel tragen. ( Thüringen. ) 1 ) Ein Ort in Würtemberg (Neckarkre…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit tripstrill

3 Bildungen · 3 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von tripstrill 2 Komponenten

trip+s+trill

tripstrill setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

tripstrill‑ als Erstglied (3 von 3)

tripstrillen

DWB

trip·strillen

tripstrillen , vb. , ' sich töricht, närrisch benehmen ': er ward böse: dripsdrillen und kein ende! ob nicht alle mädgen thun, als schämten …

tripstrillig

DWB

tripstrillig , adj. , ' traurig '. vereinzelt südwestdt.; dribsdrillig Schön Saarbrücken 2 50 b . —

tripstrillisch

DWB

tripstrill·isch

tripstrillisch , adj. , aus Tripstrill stammend: ... dasz sich Wildfang, ein dribstrüllicher freiherr, in Isabellenburg schohn etliche jahr …