trimelle,
f.,
auch tremelle, trim(m)el, trimeie, trim, rumpf oder trichter an der altdeutschen mühle, unmittelbar über den mühlsteinen; sie dient zur aufschüttung und gleichmäszigen zufuhr des mahlgutes in das mahlwerk; vgl. catillus das oberst auff der malmüly, heiszt trymmällen Frisius (1556) 198
a;
infundibulum ein trimellen dareyn man das korn aufschütt, dasz es auff die rellen (
mühlsteine) trage
ebda 695
a.
zur sache s. Karmarsch-Heeren
techn. wb. (1883) 6, 9; Lueger 7, 106. —
lehnwort, seit dem ausgehenden mittelalter bezeugt; als trym(m)eie
im 14.
und 15.
jh., s. weist. zu Glan-Odernheim (1360)
arch. f. hess. gesch. u. alt.-kunde, n. f. 3, 143; (
für 1387)
ebda 3, 147; Schmidt
elsäss. 359 (
für 1452). trimmeg (15.
u. 16.
jh.) Diefenbach 178
b; trimeyge Jak. Twinger
bei Scherz
gloss. 1662.
als trimelle
vom 15.
jh. ab: urk.-buch d. st. Rottweil (
Württ.) 1, 460 (1443);
daneben trimälle Frisius 695
a u. a.; trimalle(n)
bei Dentzler 1, 297
b; Heinsius 4, 1069; Kaltschmidt 985
a.
mundartlich tromelle
in der Schweiz, s. Staub-Tobler 8, 770
u. a. die durch stammbetonung verkürzte form trim(m)el
tritt von derselben zeit an auf: weisth. 1, 725 (
Rheinhessen 15.
jh.); tremmel (1729) Fischer
schwäb. 2, 383.
ferner tröme:
weisth. 2, 64 (
Saarland 1488). —
nur ma. belegt ist trim(m): Follmann 104
a;
Lux. 443
a;
rhein. wb. 1, 1496;
mit gelängtem i: Kisch
Nösen. 61
u. 157;
mit rundung: drümm Schön
Saarbr. 52.
das genus ist fem.; nur ma. gelegentlich masc.: Meisinger
Rappenau. 206; Schön
Saarbr. 52. —
die flexion, soweit sie feststellbar, ist teils schwach: in der trymeien
weist. v. Glan-Odernheim 3, 147; von der trimmeln
weisth. 1, 725,
teils stark: uf die trymeye Schmidt
elsäss. 359; von der tröme
weisth. 2, 64. —
bei trimelle
ist das n
der cas. obl. häufig in den nom. sing. gedrungen: trimellen Frisius 198
a u. 695
a; Schönsleder O o 1
b; Dentzler 1, 297
b u. 2, 292
a; Frisch 2, 388
a.
die verbreitung des wortes beschränkt sich im deutschen hauptsächlich auf den westen einschlieszlich Hessens; dazu kommt das nl.: mnl. tremel Plantin (1575) H h
a; tremelle Kilian (1605) 566
a (
vgl. auch tremye
draeghstoel ebda); tremel Kramer
nd.-hd. (1719) 1, 401
a,
vgl. Verwijs-Verdam 8, 681.
neunl. tremel, treem;
fläm. trimmel. —
diese verbreitung sowie die ältesten formen im deutschen trimeie
u. ähnl. machen entlehnung aus dem franz. wahrscheinlich (
so Frank-van Wijk 708
für das nl.),
besonders aus dessen älteren formen: trémie,
altfranz. auszerdem tremuie, tremuye, tremue Godefroy 10, 805; du Cange 8, 166; tremouille, tremuée,
prov. tremueia Littré
dict. 2, 2332; (
das bei Diefenbach 178
b u. a. angezogene tremaille
ist in dieser bedeutung nicht zu belegen).
im franz. (
wie im gesamten romanischen)
gilt das wort als bodenständig, aus lat. trimodia,
gefäsz für drei scheffel, mühltrichter, entwickelt, vgl. Meyer-Lübke 740; Gamillscheg 861.
für die deutschen l-
formen sind aber vor allem die mlat. formen zu beachten, tremellum, tremula, tremoea
u. a. du Cange 8, 165
ff. vgl. auch tramellum, tremultura, tremulta Baxter-Johnson
medieval latin word-list (1934) 436.
für eine entscheidung wäre jedoch erst die herkunft der mlat. wörter festzustellen. es ist wohl, was Meyer-Lübke
andeutet, mit secundärem anschlusz an tremere, tremulare
und mola
zu rechnen. —
vielleicht steht das aufkommen von trimelle
auch in zusammenhang mit der allgemeineren ausbreitung der wassermühlen (
und einer verbesserung?)
im 13.
jh. vom Rhein nach dem inneren Mitteldeutschland (
Hessen, wo die ältesten belege),
s. Arnold
ansiedl. u. wand. dtsch. stämme (1875) 592.
im allgemeinen gebrauch bis in das 18.
jh. belegt: auch me (
ferner), hat ein uzmeler off der molen, so sal der banmeler beiden (
warten), bit daz uzgemelt, daz in der trymeien ist, so mag dan der banmeler offschuden
weist. zu Glan-Odernheim (1360,
Nahegau) 143; und die (
mühle) nit zergan noch buwfellig werden lassen sollent, es sige an dem ingehúse, ... an múlinen, an múlstain, an bödmen, an trimellen ...
urk.-buch d. st. Rottweil 1, 460 (1443); (
die müller sollen) kein getregede uf die trymeye schütten noch malen ... (1452)
bei Schmidt
elsäss. 359; (
in einer mühle) sollen die steine von der trimmeln gehen also weit, als ein mittelmann ein gleich hett an dem mittelfinger
weisth. 1, 725 (
Rheinhessen 15.
jh.); forth ist auch geweist zu Wiltingen eine mühle, darin solle sein ein müller also starck, dasz er möge tragen ein halb malter korn von der erden bis auff die tröme, und von der tröme wider uff die erden
weisth. 2, 64 (1488
saarländ.); weiter beschreibt er (
Herresbach für das Jülische) auch ein präuhausz zum bierpräuen sampt seim külfasz und trimellen Sebiz (1579) 35;
infundibulum Schönsleder (1647) O o 1
b; Stieler 1014
u. 2308; wann eine zargen, tremmel, ... schadhaft oder löcherlicht werden Reyscher
samml. württ. ges. 14, 58 (1729).
im 19.
jh. nur mehr für den gebrauch der mundarten verzeichnet, s. oben, vor allem in der Schweiz, vgl. dafür auch noch Campe 4, 884
a; Hübners
zeitungslex. (1824) 4, 627.
hier auch tromellenschemel '
unterlage der tromellen' Staub-Tobler 8, 770;
der schuh am rumpfzeug (
der trimelle),
vgl. Karmarsch-Heeren
techn. wb. 6, 9.
nicht hierher gehört: tremelle, f., gallerte, zitterpilz, aus dem neulat. tremella,
vgl. Hemme lat. sprachmaterial 955; Schaffer
fr.-dtsch. (1834) 1292
b; Oken
allg. naturgesch. 3, 178; Gilow
planten 3234; Wijk
plantnames 1, 1345.