triebfeder,
f. ,
treibende stahlfeder eines werks, uhrfeder; seit dem 18.
jh. in der schriftsprache gebraucht, und zwar hauptsächlich übertragen. vereinzelt steht auch treibfeder,
besonders in frühen belegen: dryfveder treibfeder Kramer
niederhocht. (1719) 2, 215
a; diese treibfeder zur tugend, ich meine die begierde glücklich zu werden
der biedermann (1729) 2, 89; (
pedanten) denen die treibfedern groszer thaten ganz unbekannt sind v. Breitenfels
Swift (1756) 1, 96;
in anderer bedeutung: ballon wird ... ein groszer ball (
genannt), in welchem eiserne elastische oder treibfedern befindlich, dasz sie sich zusammendrücken lassen, aber auch wiederum auseinanderspringen
allg. haush.-lex. (1749) 1, 166
a. 11) triebfeder
die elastische feder, welche eine maschine treibt oder in bewegung setzt Voigt
geschäftsführung (1807) 2, 512; federhaus nennt man das bei uhren und anderen triebwerken zur aufnahme der spiralförmigen triebfeder dienende gehäuse Lueger 4, 138; (
Leonardo da Vinci) machte einen löwen, welcher sich durch triebfedern bewegte Stolberg
ges. w. 7, 304.
im bilde schon frühzeitig verbreitet: Schakespear unterscheidet sich in seinen ausdrücken häufig dadurch von allen übrigen schriftstellern, dasz er nicht so leicht metaphern wählt, die im gemeinleben recipiert sind, als zum exempel triebfeder (
um 1767) Lichtenberg
aphorismen 1, 25
Leitzm.; wenn diese veränderung durch innere triebfedern, (mich plump auszudrücken), durch den eigenen mechanismus seiner seele erfolgt ist Lessing 8, 15
L.-M.; die herren beim generaldepartement möchten gern alles ... auf einfache grundsätze zurückgeführt sehen ... vermuthlich, um (
nebenbei selbst) ... die einzige triebfeder der ganzen staatsmaschine zu sein Möser
sämtl. w. 2, 20; wahn und leidenschaften sind die triebfedern dieser menschlichen maschinen Wieland
Agathon (1766) 1, 79; nun springt die triebfeder, das rad läuft, ein gedanke, ein schlusz giebt den andern, der folgesatz kommt näher, da ist das produkt der betrachtung Herder 3, 12
S.; die mächtige triebfeder, welche das räderwerk der maschine (
der menschl. gesellschaft) in bewegung setzt und erhält, ist der egoismus Hansen
bevölkerungsstufen (1889) 320. 22)
in freierer übertragung. zunächst als '
treibende kraft'
; in einem groszen organismus: ich darf doch bei unserm christlichen jahrhunderte nicht erst um verzeihung bitten, dasz ich von ihr (
der christl. religion) als einer triebfeder der welt rede Herder 5, 516
S.; Holland ... hat nur eine triebfeder: handelsgeist 4, 409;
gern für die treibende kraft in der handlung eines dichtwerks: wie der verfasser des planes die ganze bewegung des drama durch selbst erfundene triebfedern zuwege zu bringen gewuszt
sammlung v. schausp. (1764) 6,
vorerinnerung z. Xerxes 2;
eine person als triebfeder: obgleich eine nur geringe zahl der studirenden als urheber und eigentliche triebfedern dieses unwesens angesehen werden können Göthe IV 7, 223
W.; ein wichtiges motiv ist das wirken der triebfeder
aus dem inneren, verborgenen: weil töne und buchstaben durch ihren anerkannten eindruck nichts als die dunkeln triebfedern sind, durch deren reitz in beiden respective competenten sinnen eine empfindung erweckt wird Hamann 6, 73
Roth-Wiener; blickt man von diesen äuszeren verhältnissen auf die inneren triebfedern aller geschichten jener zeit, so geht aller ehrgeiz eines heroischen zeitalters auf den ruhm der stärke und den glanz des besitzes Gervinus
gesch. d. dt. dicht. (1853) 1, 50; die meisten verhandlungen sind wie von anfang an immer noch gemein und schlecht, über einige geheime triebfedern selbst der besseren menschen mag ich hier nichts sagen J. Grimm
in J.
u. W. Grimm
briefwechsel 437.
die bildkraft des wortes verblaszt bei der übertragung in das geistige; seine bedeutung wird '
anstoszgebende kraft, beweggrund': unsere kleinen offiziere sind mit ihrer kriegsbegierde und deren gründen und triebfedern nicht viel anders als die an der Seine Varnhagen v. Ense
tageb. 1, 256; es fehlten demnach die zwo triebfedern, durch welche allein die meister in den schönen künsten zu den herrlichsten werken bewogen werden: eigennutz und ehrbegierde Winckelmann
sämtl. w. 7, 58;
so besonders im zusammenhang von antrieb und handlung: alles, was wir treiben und tun, ... hat doch am ende keine andere triebfeder, als die furcht vor langerweile Zimmermann
einsamkeit (1784) 1, 33;
mit der vorstellung des treibens bzw. triebes zu etwas: die stärkste triebfeder zur thätigkeit eines mannes aber ist die liebe gegen seine eigenen kinder Gottsched
anmut. gelehrsamk. 7, 541; die triebfedern dazu sind ehrgeitz und neubegierde Lessing 8, 24
L.-M.; häufig ist die bindung mit einem genitiv: so sieht es leider mit gar vielen opfern aus, ... die wir anstaunen und bewundern, weil wir die unreinen triebfedern der schönen tat nicht sehen Klinger
werke 9, 39; mitleid allein sei die triebfeder meiner wohltaten Meissner
Alcibiades (1781) 1, 218;
besonders oft triebfeder der handlungen: nichts ist unergründlicher, als das system von triebfedern unserer handlungen Lichtenberg
verm. schr. 1, 211; (
in der ehre) sah er die triebfeder aller groszen handlungen Lavater
physiogn. fragm. 2, 24; geld ist die triebfeder aller seiner handlungen Fr. L. Schröder
dram. w. 1, 5; im allgemeinen ... liegt in unserer vorstellung der zukunft die triebfeder unserer handlungen, die triebkraft der ganzen menschlichen entwickelung Rosegger
schr. II 2, 247.