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traulichkeit

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

traulichkeit f.

Bd. 21, Sp. 1434
traulichkeit, f. das zum adj. traulich gebildete abstracte substantivum geht in seiner bedeutungsentfaltung, ohne irgendeinen spürbaren zeitlichen abstand, genau mit dem grundwort zusammen, doch beachte einen merkwürdig isolierten, aber anscheinend eindeutigen beleg bei Simon Dach unter 3 a. 11) traulichkeit dient zum ausdruck eines zutraulichen verhaltens. 1@aa) wie beim adj. (s. traulich 1 a) in besondrer prägnanz eine gutmütige offenheit bezeichnend, die zugleich als landeseigentümlichkeit gerühmt wird: und noch neulich ... drückte sich ein mann von bedeutung, der mich sonst liebt, mit schweizerischer traulichkeit hierüber so aus Pestalozzi 13 (1932) 186 krit. ausg.; eltern und kinder (in einem französ. gasthof) schieden von mir mit händedrücken, welche den deutschen und schweizerischen an inniger traulichkeit gar nichts nachgaben Matthisson schr. 6, 322; unser edles land, ... gekränzt mit den einzig grünen wiesen, auf denen so liebe traulichkeit und einfacher sinn wohnt Tieck schr. (1828) 4, 16 (vgl. 3); deutschheit und traulichkeit leiden unter dem neuen ton, so viel vorteile er auf der andern seite hat G. Fr. Rebmann briefe über Jena (1793) 91 (vgl. b). 1@bb) sonst einfach ungezwungenes verhalten im umgang mit menschen: seine miene, seine sprache ... alles war voll eines edlen ernstes, und flöszte, ohne der traulichkeit zu schaden, ehrfurcht ein C. F. Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 61; wie du ... mit der würd eines feldherrn die traulichkeit eines freundes verbandest A. G. Meissner Alcibiades (1781) 4, 42; so wie sie bekannter ward mit jemand, der sie nicht gleich zurückschreckte noch ihr misztrauen einflöszte, gab sie sich ihrer heitern, süszen traulichkeit hin wie ein fröhliches kind E. Höfer auf deutscher erde (1860) 1, 227 (süsze tr. s. im übrigen unter 3 b). 1@cc) traulichkeit in diesem sinne kommt besonders beim grusz und jeder art begegnung zum ausdruck (vgl. traulich 1 b): und von den alten, treuen geistern unten mit elterlicher traulichkeit begrüszt, erforschten sie manch edlen schatzes kammer Fouqué held d. nordens (1810) 1, widmung a 1b; dann ging er unter die truppen und grüszte sie mit gefälliger traulichkeit Heinse 3, 362 Schüddekopf; der landgraf erfaszte mit biedrer traulichkeit die hand seines vasallen Musäus volksm. (1826) 5, 13; da nahte sich mit kühner traulichkeit mir eine krähe Pfeffel poet. vers. (1812) 8, 86 (vgl. traulich 1 e); selten pejorativ: die günstlinge und kreaturen des mächtigen juden traten ihm mit jener lästigen traulichkeit ... entgegen, wie etwa diebe und falsche spieler einem neuen genossen ihrer schlechtigkeit beweisen W. Hauff sämtl. w. (1890) 5, 246. 22) traulichkeit bezeichnet den anheimelnden charakter von gegenständen und örtlichkeiten: die traulichkeit in den bildern van Eycks ist bezaubernd Gutzkow ges. w. (1872) 11, 384; diese stadt (Genua) ist alt ohne altertümlichkeit, eng ohne traulichkeit und häszlich über alle maszen Heine 3, 283 Elster (vgl. traulich 2 c); Pauline hatte sich freilich mehr traulichkeit gewünscht in ihrer stube, die auszer bett, schrank, tisch und stühlen nichts enthielt W. v. Polenz Büttnerbauer 3, 286; die (von petroleumlampen) gelblich beleuchtete traulichkeit der mannschaftsstuben J. Roth Radetzkymarsch (1932) 107 (vgl. traulich 2 d); nach 3 hinüberreichend: ihm selbst verging die zeit unter rüstiger arbeit und in häuslicher traulichkeit und beschaulichkeit Rosegger schriften (1895) I 1, 154; lieblichkeit, und wenn man so sagen darf, freundschaftliche traulichkeit, ist der grundton dieses herrlichen instruments (des waldhorns) Schubart ästh. d. tonkunst 314. 33) traulichkeit bezeichnet einen geselligen zustand wechselseitigen vertrauens. 3@aa) besonders bei ausmalung guter freundschaft: wie wir nun so lange zeit immer sind gefunden worden in der treuen freundschaft orden und in rechter trauligkeit S. Dach 839 lit. ver.; schwer gings von Ulm, denn in dieser stadt herrscht eine traulichkeit, die so ganz an den brudersinn der Christusjünger grenzt Schubart briefe bei D. F. Strausz werke 9, 245; zwischen den abenden, in stillbrüderlicher traulichkeit verlebt, leuchteten die stunden in frau Minnetrostens wohnung hell und farbig herauf Fouqué zauberring (1812) 2, 115; in herzlicher traulichkeit erzählten wir zwei waisen einander unsere schicksale J. Gotthelf ges. schr. (1855) 1, 180 (vgl. 1 a); so endigt sich der zwist der freunde in wärmerer traulichkeit Heinse 3, 425 Schüddekopf. 3@bb) das besondere beiwort für traulichkeit als zustand ist süsz: eine süsze traulichkeit war unter alle gekommen Hölderlin 2, 25 Litzmann; aus den himmeln steigt die liebe nieder, männermut und hoher sinn gedeiht, und du bringst die göttertage wieder, kind der einfalt, süsze traulichkeit! 1, 126 Litzm.; da kam die mutter wieder und hiesz auch den vater kommen, und da war die süsze traulichkeit wieder davon J. Gotthelf geld und geist (1890) 124; du sprichst von zeiten süszer traulichkeit Fouqué held d. nordens (1810) 2, 20 (vgl. c). 3@cc) noch häufiger erscheint in gefühlvollem rückblick die alte traulichkeit (vgl. traulich 2 b): alte bekannte, von denen ich mich vergessen glaubte, näherten sich wieder, als wäre die alte traulichkeit nie gestört worden U. Hegner ges. schr. (1828) 5, 10; die alte traulichkeit stellte sich ganz wieder her F. H. Jacobi werke (1812) 5, 452; man ist scheinbar in alter traulichkeit beisammen D. Fr. Strausz ges. w. (1876) 11, 116; zu seiner gröszten befremdung habe ihn dieser mit alter freundlichkeit und traulichkeit empfangen (zu 1 a) K. L. Woltmann memoiren (1815) 1, 135; mit ähnlichen adjectiven: die vorige traulichkeit, der alte friede kommen zurück W. v. Humboldt ges. schr. (1903) 1, 298; im dicksten regen wandelte ihr alter blauer mantel, wenn es schon dämmerte, scheuen schrittes wie ein gespenst um die stätte früherer traulichkeit O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 207. 44) der plural traulichkeiten bedeutet, etwas spielerisch, soviel wie liebesbeweise, zärtlichkeiten (vgl. traulich 3 c schlusz und vertraulichkeiten teil 12, 1, 1964): schön ist sie; um unsre traulichkeiten schwebt ein zedern- und zypressendach Tiedge werke (1823) 4, 121; durch die kleinen traulichkeiten maszte er sich schon halb und halb ein recht an Heinse 5, 199 Schüddekopf; vor der welt nach alter weise nenne mich Biondette noch, Aelia Lälia Crispis heisze mich in traulichkeiten doch Cl. Brentano ges. schr. (1852) 3, 416.
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    TraulichkeitDie

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Die Traulichkeit , Mz. — en . 1) Die Eigenschaft einer Person oder Sache da sie traulich ist; ohne Mehrzahl. Mit Traulic…

  2. Spezial
    Traulichkeit

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Trau|lich|keit f. (-) atmosfera familiara f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit traulichkeit

4 Bildungen · 0 Erstglied · 2 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von traulichkeit 2 Analysen

traulich + -keit

traulichkeit leitet sich vom Lemma traulich ab mit Suffix -keit.

Alternativen: trau+-lich+-keit

traulichkeit als Zweitglied (2 von 2)

Vertraulichkeit

RDWB1

Vertraulichkeit f (kein Bezug zu "доверие") секрет Die Mädchen tauschten Vertraulichkeiten aus. - Девочки делились секретами.; Девочки шушук…

vertraulichkeit

DWB

vertraulich·keit

vertraulichkeit , f. , subst. zu vertraulich, seit dem 16. jh. gebräuchlich: vertrauligkeit, amicitia Reyher thesaurus u 5 v b ; vertreulich…

Ableitungen von traulichkeit (2 von 2)

getraulichkeit

DWB

getraulichkeit , f. , nebenform zu der substantivableitung von getreulich ( s. d. ): Nicolaus Lembecken nobilis Danus solte gezwungen gleich…

vertraulichkeit

DWB

vertraulichkeit , f. , subst. zu vertraulich, seit dem 16. jh. gebräuchlich: vertrauligkeit, amicitia Reyher thesaurus u 5 v b ; vertreulich…