symptom,
n. ,
der medizinischen fachsprache entnommenes wort, aus gr. σύμπτωμα entlehnt; noch in der ersten hälfte des 18.
jh. in der griech. form als symptoma
üblich, vgl. Liscow
samml. (1739) 413,
Chomels öcon. lex. (1750) 8, 1818;
dann in der form symptom
gebraucht, die von engl. symptom (16.
jh., sieh Murray 9, 2, 372),
frz. symptôme (16.
jh., s. Gamillscheg 825)
beeinfluszt sein kann. der gr. plural symptomata
tritt im dt. nur vereinzelt auf, vgl. Fischart
binenkorb (1581) 244, Spener
theol. bedencken 3 (1715) 969, Herder 1, 110
S.; nicht selten ist in der zweiten hälfte des 18.
jh. ein plural symptomen
bezeugt, vgl. z. b. Göthe 39, 43
W. (
aber symptome
s. unten), Lavater
physiogn. fragm. (1775) 1, 176, Gerstenberg
literaturbr. 281
lit.-denkm., Hufeland
kunst (1797) 208, v. Ayrenhoff
w. (1814) 4, 331
und H. Paul
dt. gramm. 2, 141;
zahlreicher findet sich daneben der allgemein durchgedrungene plur. symptome
belegt, vgl. Wieland
Agathon (1766) 1, 301, Schiller 4, 258
G.; Göthe 15, 175
W., IV 41, 240, Hufeland
kunst (1797) 260
u. s. w. 11)
als medizinischer fachausdruck, entsprechend gr. σύμπτωμα '
krankheitserscheinung',
wie dt. zufall 3 c (
s. teil 16, 343),
das im 19.
jh. von symptom
fast verdrängt wird, einmal '
krankhafte störung',
dann namentlich '
merkmal, anzeichen, sichtbare erscheinungsform einer krankheit'
gegenüber ihrem wesen und ihrer ursache, vgl. 'symptoma
ein zufall in einer kranckheit, so von dessen fürnehmsten ursache herrühret' Nehring
lex. (1717) 922; 'symptoma,
ein zufall, wenn noch etwas zu einer kranckheit fällt' Hellwig
lex. medico-chym. (1718) 270; 'symptoma
oder ein zufall, heiszt bey den medicis alles dasjenige, was einem schon wirklich krancken wider die natur zustöszt, daher es auch ein zufall heiszt'
Chomels öcon. lex. (1750) 8, 1818. 1@aa)
krankhafte störung des körperzustandes, auch anfall einer krankheit und komplikation, die zu einer krankheit hinzutritt. '
krankhafte störung': etliche, die eben solche zufäll oder symptomata haben, als ob sie von wütenden hunden gebissen weren Fischart
binenkorb (1581) 244
a; er ... versah treulich seine amtsgeschäfte, bis ihn endlich anhaltende ernsthafte symptome davon abhielten Göthe 22, 345
W.; '
anfall': schon seit 14 tagen quäle ich mich mit den symptomen meines alten übels
ebda IV 19, 260; '
komplikation',
vgl.'symptomata
allerhand ereigende zufälle, so in kranckheiten mit zuschlagen und dieselbe gefährlich machen' Nehring
lex. (1717) 922: gestern abend erst sagten sie (
die ärzte) mir, es seien symptome eingetreten, die das ende beschleunigen müszten Holtei
erz. schr. 8, 79;
übertragen '
krankhafte erscheinung': dasz alle symptome dieser wunderlichen, so natürlichen als unnatürlichen krankheit auch einmal mein innerstes durchrast haben, daran läszt Werther wohl niemand zweifeln Göthe IV 23, 185
W. 1@bb)
hauptsächlich als '
anzeichen, merkmal, sichtbare erscheinungsform einer krankheit'
gebraucht, aus denen man auf das wesen oder den grad einer erkrankung schlieszen kann: der ursprung der kranckheit, wodurch sie unterhalten und vermehret werde, was dero gefährlichste symptomata seyen Spener
theol. bedencken 3 (1715) 969; wenn ich nun diese vernünftigen reden des herrn prof. Philippi recht erwege, so musz ich sie nohtwendig für ein sehr gefährliches symptoma ansehen. denn da es dem herrn prof. Philippi bey gesunden tagen niemalen begegnet, dasz er zehen kluge worte hinter einander geredet ... Liscow
samml. (1739) 413; geübt in der symptomen kunde dringt er (
der arzt) bis zu des übels grunde J. A. Schlegel
verm. ged. (1787) 2, 369; daher zufälle der verdauung immer die ersten symptome der krankheiten sind Hufeland
kunst (1797) 260; es ist eine böse, ansteckende krankheit, die sich sogar durch die luft mittheilt ... was sind denn die symptome dieses übels? fragte Alciphron Göthe 18, 376
W.; alle symtomen zeigen spuren einer gräulichen syphilis v. Ayrenhoff
w. (1814) 4, 331; die bedenklichen symptome im zustande der wöchnerin Holtei
erz. schr. 22, 234; als die gefährlichen symptome der krankheit nachgelassen hatten H. Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 137; es war ein herzleiden ..., allerlei symptome waren vorausgegangen Storm
s. w. (1899) 7, 125; was jetzt geschieht, ist weiter nichts als ein herumdoktern an den symptomen, dem sitz des leidens will niemand zu leibe gehen W. v. Polenz
Grabenhäger 2, 113;
hierher: diese wiederanknüpfungen nach allen seiten ... sind bis jetzt das einzige symptom der heilung, die ich so nötig hatte Rilke
br. 1914 -1921 (1937) 291.
man unterscheidet subjektive symptome,
die vom kranken, objektive symptome,
die vom arzte wahrgenommen werden. 22)
verallgemeinert für '
kennzeichen, merkmal, erscheinungsform'
überhaupt. 2@aa)
zunächst und insbesondere von erscheinungen, die ein abweichen vom normalzustande nach der ungünstigen seite hin bedeuten, also in engem anschlusz an 1 b: wir nannten es freundschaft, und genossen ihrer reinsten süszigkeiten, ohne durch einige besorgnisse, bedenklichkeiten oder andere symptome der leidenschaft beunruhigt zu werden Wieland
Agathon (1766) 1, 301; er läszt sich ... aus über die symptomata der kaltsinnigkeit im gottesdienste Herder 1, 110
S.; da sagte sie uns die symptomen (
des paroxysmus der liebe). ich will sie euch nicht wieder sagen Göthe 39, 43
W.; die überall sich äuszernden symptome der verdorbenheit oder der unwissenheit Kerner
bilderbuch (1849) 61; auch von anderen orten werden diese sachen (
trinken und kartenspiel) als die sichersten symptome der demagogie angeführt W. Hauff
s. w. (1890) 2, 57; diese ganze polemik ist ein symptom der zersetzung Lange
gesch. d. materialismus (1866) x; sein späterer bericht in den erinnerungen zeigt, mit welcher stärke der empfindung er diese tage miterlebte und die symptome des zerfalls auffaszte Meinecke
v. Boyen 1, 151. 2@bb)
dann auch ganz neutral für das kennzeichnende merkmal eines zustandes, vorgangs, einer erscheinung, eigenschaft u. s. w.: nicht nur überhaupt ist ihm (
dem physiognomisten) diese selbsterkenntnis, dieses studium des menschlichen, und besonders seines eignen herzens, der genealogie und verschwisterung der neigungen und leidenschaften, der symptomen und verwandlungen derselben unentbehrlich Lavater
physiogn. fragm. (1775) 1, 176; es liegen drei bataillons des regiments Manfredini hier, unter denen sich, wie man an mancherlei symptomen bemerken kann, sehr viel recruten befinden Göthe 34, 253
W.; thränen ..., welche die sichersten symptomen der innerlichen zufriedenheit sind Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 1, 26; alles ist sich gegenseitig symptom Novalis
schr. 3, 91
Minor; sollten diese thermalen bildungen hier ... die noch heute nachwirkenden symptome früherer emporhebungen der gewaltigsten kette der erde sein? Ritter
erdkde (1822) 3, 903; als symptom dieser zeiten wird das actenstück stets bedeutsam bleiben Häusser
dt. gesch. (1854) 4, 70; wenn nach zehn ausgebliebenen (
gewittern) eines eintraf, so überzeugte sich niemand fester von der untrüglichkeit seiner symptome als er selber Stifter
s. w. 1, 232
Sauer; (
sie) vertraute mir schon mehrmals unter allen symptomen des abscheus, dasz sie ihn für einen 'esprit fort' hält
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 476.