symbolisch,
adj. ,
gr. συμβολικός,
lat. symbolicus.
vereinzelt im frühen 17.
jh. (
s. u. 1),
häufiger seit dem frühen 18.
jh.; gelegentlich in der schreibung simbolisch Schubart
in: D. Fr. Strausz
ges. schr. 8, 169; Göthe IV 3, 199
W. (1777). 11)
in frühester bezeugung, aber singulär soviel wie '
erkennbar',
als erkenntnistheoretischer begriff, vielleicht spontan aus gr. σύμβολον,
lat. symbolum '
merkzeichen, kennzeichen'
abgeleitet: und fehlet nicht viel, dasz ichs nicht derer meinung beifall thu, so des Aristotelis symbolische (kennliche) und dissymbolische (unkennliche) qualiteten verachten und sagen sie seyen mehr nach der kunst gemahlet dann ausz erfahrung herfür bracht
Jos. de Acosta America (1605) 47. 22)
zu symbol B '
glaubensbekenntnis', '
bekenntnisschrift',
fest in der verbindung symbolische bücher
für die bekenntnisschriften der evangelischen, namentlich der lutherischen kirche: (
der Weigelianer Ad. Held) verwirfft ... die symbolischen bücher E. D. Colberg
d. platon.-hermet. christenthum (1690) 1, 238; indem ja unsere symbolische bücher gern bekennen, dasz sie nicht über, sondern
unter der schrifft seyen Ph. Jac. Spener
theolog. bedencken (1712) 1, 186; nach dem kleinen und groszen catechismo Lutheri und andern symbolischen büchern unserer kirche H. v. Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 10; in protestantischen ländern könnte er (
Christus) weder pfarrer noch schulmeister werden, denn schwerlich würde er die symbolischen bücher unterschreiben wollen Klinger
w. (1809) 11, 34; die antwort aus den symbolischen büchern wuszte ich wohl: es war mir auch eine bibelwahrheit, dasz das blut Jesu Christi uns von allen sünden reinige Göthe I 22, 315
W. gelegentlich auch auszerhalb dieser verbindung, soviel wie '
zum lehrbestand gehörig, konfessionell bindend': so sollte man denken, die lehre vom tausendjährigen reich müszte auch von allen christlichen religionspartheien als symbolisch angenommen worden seyn; welches aber der fall nicht ist, im gegentheil, man hat sie unter dem namen chiliasmus verketzert Jung - Stilling
s. schr. 3, 494
Grollmann. 33)
sonst durchweg zu symbol D '
sinnbild, sinnvolles bild oder zeichen'
gehörig, dem es in der zeitlichen bezeugung hier sogar voraufgeht. 3@aa)
in rationalem gebrauch von solcher darstellung, die einen unanschaulichen begriff durch ein bestimmtes bildnerisches oder sinnliches zeichen kenntlich machen soll. im anschlusz an älteren kirchlichen sprachgebrauch (theologia symbolica,
s. Hauck
realencykl.2 15, 87): inzwischen haben die neuren mystici hierbey erinnert, dasz die eigentliche so genannte symbolische theologie, welche nur durch äuszere zeichen und bilder lehret, mit der in genauem verstand genommenen mystischen gar nicht zu vermengen sei G. Arnold
historie u. beschreib. d. myst. theol. (1703) 93.
weiter: samt den symbolischen nebenzierrathen einer glücklichen regierung Heräus
ged. u. lat. inschr. (1721) 213; von den symbolischen zeichen eines begriffs, bis zu der festgesetzten bildung dieses personifirten, als ein selbständiges wesen verehrten begriffes, ist noch ein weiter schritt Lessing 11, 53
M.; und an dem haus des erleuchteten hing, als klopfer des thors, ein symbolischer ring der ewigkeit Thümmel
reise (1791) 1, 113; die statue sei nichts anderes als eine symbolische darstellung der nothwehr, umgeben mit einer wunderlichen mischung von emblemen der grausamkeit und der barmherzigkeit
M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 1, 110.
auf gleicher ebene mit allegorisch (
doch s. unter c): Achill, Nestor, Ulysz sind abbildungen von charakteren, sind symbolische vorstellungen der tapferkeit, der klugheit, mit einem worte, tugenden oder laster, die man zu allegorischen personen gemacht hat. sind nicht alle menschen, die eine rolle in der historie spielen, symbolische abbildungen von tugenden oder lastern? Ramler
einl. in die schönen wissensch. (1758) 2, 91; ich fange an, sie (200
französische satyrische kupferstiche) nun einzeln zu beschreiben, und es geht recht gut, denn da sie meist dem gedanken etwas sagen, witzig, symbolisch, allegorisch sind, so stellen sie sich der imagination oft eben so gut und noch besser dar als dem auge Göthe IV 12, 264
W. in negativer ästhetischer bewertung: die griechische skulptur wendet sich an die anschauung, darum ist sie ästhetisch; die hindostanische wendet sich an den begriff, daher ist sie blosz symbolisch Schopenhauer 1, 318
Gr.; und welcher ganz antike sinn für rein körperliche vollkommenheit! ohne jedes bedürfnisz der zuhilfenahme symbolischer bedeutungen und geistiger nebenvorstellungen Justi
Winckelmann (1866) 1, 398.
absolut: um die lenden hatte er eine weisze schürze geschlagen, die mit geheimen chriffern und symbolischen figuren bezeichnet war Schiller 4, 215
G.; ein kleiner schornsteinfeger ... fängt nach allerlei grimassen an, den kopf recht wacker auszufegen, indem er einen ganzen plunder symbolischer objekte herauszieht Mörike (1905) 3, 39.
auf konventionelle mittel der verständigung und verdeutlichung angewandt: weil wenigstens die Etrusker einst eine symbolische zeichenschrift gebraucht zu haben scheinen B. G. Niebuhr
röm. gesch. (1811) 1, 22; ich brauche zu meiner construction hell, dunkel und das vermittelnde trübe, wie ich ein symbolisches chärtchen beygelegt habe Göthe IV 28, 247
W.; überblicken wir die geschichte der algebraischen ausdrucksweise in groszen zügen, so können wir im wesentlichen drei stufen der entwicklung unterscheiden ...: die rhetorische (
mit dem wort arbeitende), die synkopierte (
mit abkürzungen arbeitende), die symbolische (
mit zeichen arbeitende) Tropfke
gesch. d. elementarmathem.3 2 (1933) 4. symbolische erkenntnis
ist solche, die sich eines mittels bedient, so der wörter und begriffe als zeichen der dinge, im gegensatz zu einer unmittelbaren erkenntnis: im engsten verstande unterscheidet man die symbolische erkenntnis, oder die erkenntnis durch worte, von der anschauenden Adelung
vers. 4 (1780) 889; von den auszendingen haben wir in der naturwissenschaft eine mittelbare, symbolischbegriffliche, von uns selbst eine unmittelbare, anschauliche erkenntnis Eisler
wb. d. philos. begriffe (1910) 1, 308.
von hier aus: es sey ein blick gewesen, durch welchen auf einmal Säuglings symbolische kenntnisz von Marianens vollkommenheiten anschauend geworden sey Fr. Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 206. 3@bb)
in umfassenderem und tieferem sinne '
gleichnishaft, sinnbildlich'. 3@b@aα)
allgemein von vorstellungen und vorgängen, in denen ein tieferer sinn, eine höhere geistige bedeutung anschaulich wird oder sich verhüllt: diese voraussagenden träume finden bei mir gegen morgen statt ... sie kamen immer unter bildern und symbolisch vor Just. Kerner
bilderb. (1849) 241; und irgendwie hängt solchen gemeinhin widernatürlichen vorstellungen etwas verlockendes an, und sie scheinen irgend etwas tief verborgenes, eine auf andre weise unfaszliche wahrheit symbolisch auszudrücken Gerh. Hauptmann
d. insel d. gr. mutter (1924) 193.
namentlich in den formen literarischer oder künstlerischer darstellung: wann es daher ein mittel giebt, diese beziehung sinnlich zu machen, das symbolische der moral (
d. i. der sentenz im drama) wiederum auf das anschauende zurückzubringen, und wann dieses mittel gewisse gestus seyn können, so musz sie der schauspieler ja nicht zu machen versäumen Lessing 9, 199
M.; nicht weniger ist dieses buch ('
buch der liebe'
im '
divan') geeignet zu symbolischer abschweifung, deren man sich in den feldern des Orients kaum enthalten kann. der geistreiche mensch, nicht zufrieden mit dem was man ihm darstellt, betrachtet alles was sich den sinnen darbietet, als eine vermummung, wohinter ein höheres geistiges leben sich schalkhaft-eigensinnig versteckt Göthe I 7, 137
W.; dasz ihr (
der novellen Boccaccios) symbolischer sinn unverholen in die augen fällt Tieck
schr. (1828) 4, 109; (
es) kann kein zweifel sein, dasz das wunder ein symbolisches ist und ... die ... wirksamkeit der apostel unter dem bilde eines reichen fischfangs zur anschauung bringt D. Fr. Strausz
ges. schr. (1876) 4, 117; diese begegnung gottes und des menschen (
in Michelangelos '
erschaffung Adams') ist im reinsten sinne symbolisch. gott befiehlt und Adam gehorcht Herm. Grimm
Michelangelo (1890) 1, 294.
in eigenartig freiem gebrauch beim jungen Göthe,
etwa '
voll sinnbildlichen gehaltes': mit mir verfährt gott wie mit seinen alten heiligen, und ich weis nicht woher mirs kommt. wenn ich zum befestigungszeichen bitte, dasz möge das fell trocken seyn und die tenne nasz, so ists so, und umgekehrt auch, und mehr als alles die übermütterliche leitung zu meinen wünschen. das ziel meines verlangens ist erreicht, es hängt an vielen fäden, und viele fäden hingen davon, sie (
anrede) wissen wie simbolisch mein daseyn ist (1777) IV 3, 199
W. auch sonst unter zurücktreten des anschaulichen: christen und heiden werden (
im Parzival), wie im Nathan, von einem familienband umschlossen, welches bei Wolfram gewisz wie bei Lessing ein symbolischer ausdruck des friedens und des gegenseitigen respektes unter den religionen sein sollte Scherer
lit.-gesch. 99.
der bedeutung '
kennzeichnend, bezeichnend, symptomatisch'
nahe: (
in Shakespeares königsdramen) alles grosze momente der geschichte der staaten, nicht allein für England bedeutend, sondern symbolisch für alle völker Ranke
s. w. (1867) 15, 97;
vgl. 14, 33.
auf eine einzelheit körperlicher erscheinung als ausdruck einer haltung oder eines inneren zustandes bezogen, soviel wie '
sinnfällig': wie sehr verdienen sie (
die lippen) den kusz. jede sanfte, weiche erhöhung ist ein symbolischer wunsch der berührung Novalis 2, 275
Minor; sie sitzt mit über einander geschlagenen ausgestreckten füszen, als dem symbolischen zeichen ihres ausruhens A. W. Schlegel
s. w. (1846) 9, 40. 3@b@bβ)
oft auf handlungen bezogen, in denen der konkrete vorgang als zeichen oder sinnbild ein ungreifbares, nicht unmittelbar darstellbares repräsentiert: das menschliche leben scheint in einer reihe symbolischer handlungen zu bestehen, durch welche unsere seele ihre unsichtbare natur zu offenbaren fähig ist Hamann 2, 156
Roth. vornehmlich im religiös-kultischen bereich, im brauchtum des rechtslebens und der volkssitte: zwei symbolische handlungen sind beim christenthum seit seiner entstehung im gebrauch; wir nennen sie taufe und abendmahl Herder 20, 192
S.; wie also die coena in jedem meszopfer wiederkehrt, und die unendliche fülle dieser ersten symbolischen handlung in allen sich durch die gesammte zeit nur aufgethan; also dasz jedes meszopfer, obgleich wieder selbständig, dem andern gleiche, weil alle dem ersten gleich sind, alle mithin auch, die an diesem tische sitzen, das brod mit dem herrn brechen Görres
d. wallfahrt nach Trier (1845) 88; in Neuseeland bestand sie (
die aufhebung des tabu) ... in einer symbolischen übertragung des tabu vermittelst speisen auf den gott Ratzel
völkerkde (1885) 2, 214; dagegen finden wir hier überall symbolische handlungen, wo rechtsverhältnisse entstehen oder untergehen sollen Savigny
v. beruf uns. zeit f. gesetzgeb. u. rechtswiss. (1814) 10; diese (
feierliche erklärung im volksgericht) war mit einer symbolischen übergabe verbunden K. Fr. Eichhorn
dtsche staats- u. rechtsgesch. (1821) 1, 172; gewöhnlich beziehen sich die symbolischen handlungen (
im altdeutschen rechtsleben) auf grund und boden oder auf persönliche verhältnisse, und beruhen in der idee, dasz sache oder person dabei selbst sinnlich und leiblich vergegenwärtigt werden müssen Jac. Grimm
dtsche rechtsaltert.4 1, 153; da gab es einen 'zwölfmonatstanz', bei welchem die paare durch verschiedene bewegungen das ab- und zunehmen des mondes und das kommen und schwinden der jahreszeiten symbolisch ausdrückten Frz.
M. Böhme
gesch. d. tanzes (1886) 322; alles strömt ... der weinenden braut nach, die jetzt zum letzten male umgekleidet und mit anlegung der fraulichen stirnbinde symbolisch von ihrem mädchenthum geschieden wird A. v. Droste - Hülshoff (1878) 2, 375.
in anderem zusammenhang, noch deutlicher mit der nebenvorstellung '
indirekt': und es kam eine nacht, vom scheidenden arzte durch bedenkliche mienen verkündet, für die er nur noch gleichgültige labungen verordnete ... Hein begriff die deutung dieser symbolischen sprache Holtei
erz. schr. 19, 14; er hatte ihr den brief aus der hand gerissen und vollzog an diesem aufs neue seine symbolische züchtigung Storm (1899) 5, 270.
in gelegentlicher anwendung auf eine person, fast im sinne von '
stellvertretend': so scheint der prophet wiederum die ganze last und das schicksal seines volkes als knecht gottes, als eine hiezu auserwählte symbolische person selbst zu tragen. an ihm zeigt gott, was er mit der ganzen nation ... vorhabe Herder 12, 45
S. 3@b@gγ)
in ausgesprochener oder unausgesprochener einschränkung, soviel wie '
uneigentlich, übertragen, nicht im wirklichen, wörtlichen sinne': selbst das richteramt, welches immer den einen theil beleidigt, ist von dem thron unabhängig: denn auch im prozesse gegen die pairs wird der könig, durch den high steward, allein symbolisch vorgestellt H. P. Sturz
schr. (1779) 1, 39; auch die vorstellung der dreieinigkeit (
an einer dreifaltigkeitsplastik) ist nur symbolisch. es wird doch wohl niemand behaupten wollen, diesz sey die eigentliche abbildung der heil. dreyfaltigkeit Fr. Nicolai
reise durch Deutschl. u. d. Schweiz (1783) 2, 493; dann läszt man sich auch ganze szenen gefallen, in denen nur symbolische wahrheit ist ... deshalb darf auch die prosaische form ... die region der bildlichkeit nie verlassen O. Ludwig 5, 78
Schm.-St.; was sonst im stück vorgeht und schlechterdings nicht passen will, ist lediglich symbolisch, änigmatisch und pure ironie, auch allenfalls nur schnörkelwerk, nur blauer dunst, die wahre meinung zu verschleiern Mörike (1905) 3, 129; der korb ist nicht für sie ein symbolischer korb, sondern ein korb in seiner eigentlichen bedeutung, ein futteral, eine emballage Heinr. Seidel
vorstadtgesch. (1880) 98; wenn also Heraklit auch nur symbolisch das feuer als ein solches princip bezeichnete, so verfiel sein system damit dem inneren widerspruch Dilthey
einleitung in die geisteswissensch. (1883) 1, 193.
etwas anders, von einer handlung, die nur den sinn einer geste, einer demonstration hat: hart an der brücke ... waren grosze metallene teller aufgestellt, in die man für die verwundeten eine geldmünze hineintat. 'wir müssen da wohl auch etwas geben', sagte mein vater. 'eine kleinigkeit; blosz symbolisch' Fontane II 2, 411.
mit negativem wertakzent: immer die sache, die sie sagen wollen, klar, lebendig anschauend ... nicht durch schattenbegriffe, halbideen und symbolischen letternverstand (von dem sie [
die wilden] in keinem worte ihrer sprache ... wissen) durch alle dies nicht zerstreuet Herder 5, 181
S.; alle darstellung der form ohne farbe ist symbolisch, die farbe allein macht das kunstwerk wahr, nähert es der wirklichkeit Göthe I 45, 295
W.; wir finden uns (
in den '
wanderjahren'), ähnlich wie im zweiten theile des Faust, mehr und mehr in eine symbolische schemenwelt versetzt. das poetische bedürfnis findet sich nur durch die novellen einigermaszen befriedigt D. Fr. Strausz (1876) 6, 212. 3@cc)
zu symbol D 4,
vornehmlich in der begriffssprache der klassik, insbesondere Göthes.
überall dort, wo tief innerliche kräfte sich in einer gestalt, einem vorgang äuszerlich ausprägen oder wo ein einzelnes eine umfassende höhere gesetzlichkeit repräsentiert: der mensch hat immer symbolische philosophie seines wesens in seinen werken und seinem tun und lassen ausgedrückt Novalis 4, 44
Minor; die grosze zusammensetzung, die wir welt nennen, bleibt mir jezo nur merkwürdig, weil sie vorhanden ist, mir die mannigfaltigen äuszerungen jenes wesens (
des schöpferischen gottesgeistes) symbolisch zu bezeichnen Schiller 4, 41
G.; ich habe daher die gegenstände, die einen solchen effect (
eine '
art von empfindung') hervorbringen, genau betrachtet und ... bemerkt, dasz sie eigentlich symbolisch sind, das heiszt ... es sind eminente fälle, die, in einer charakteristischen mannigfaltigkeit, als repräsentanten von vielen andern dastehen, eine gewisse totalität in sich schlieszen, eine gewisse reihe fordern, ähnliches und fremdes in meinem geiste aufregen und so von auszen wie von innen an eine gewisse einheit und allheit anspruch machen Göthe IV 12, 244
W.; vgl. 246; wenn du das werklein (
die '
pflanzenmetamorphose') in ruhiger zeit wieder liesest, so nimm es nur symbolisch und denke dir immer dabey irgend ein anders lebendige, was sich aus sich selbst fortschreitend entwickelt Göthe IV 27, 199
W.; ich habe ... auch der directen, der eigentlichen künstlerischen und poetischen darstellung das prädicat symbolisch zugesprochen, wenn sie in hervorleuchtender weise allgemein bedeutsam ist, allgemein menschlichen gehalt mit jener energie herausarbeitet, die ein lebenswahres gebilde bleibend, typisch für alle zeit hinstellt ... Goethe und Schiller sind mit ihrem sprachgebrauch auf meiner seite, haben nachfolger gefunden, der sprachgebrauch ist aufgekommen und wird sich nicht mehr umstoszen lassen. typen wie Faust, Macbeth, Lear, Richard III. wird man immer symbolisch nennen, wenn man bezeichnen will, wie tief allgemein wahr sie sind Fr. Th. Vischer in:
philos. aufsätze, Ed. Zeller gewidmet (1887) 191.
ähnlich im künstlerischen bereich, wo das symbolische
jene fälle umfaszt, die über den vollen künstlerischen eigenwert ihrer sinnlichen erscheinung hinaus einen tieferen sinn ausdrücken: (
gegenstände der bildenden kunst werden bestimmt) durch tiefes gefühl, das, wenn es rein und natürlich ist, mit den besten und höchsten gegenständen coincidiren und sie allenfalls (
d. h. in jedem falle) symbolisch machen wird. die auf diese weise dargestellten gegenstände scheinen blosz für sich zu stehen und sind doch wieder im tiefsten bedeutend, und das wegen des idealen, das immer eine allgemeinheit mit sich führt Göthe I 47, 94
W. in klarer abgrenzung gegen allegorisch: nun gibt es auch kunstwerke, die durch verstand, witz, galanterie brilliren, wohin wir auch alle allegorischen rechnen; von diesen läszt sich am wenigsten gutes erwarten, weil sie ... das interesse an der darstellung selbst zerstören und den geist gleichsam in sich selbst zurücktreiben und seinen augen das, was wirklich dargestellt ist, entziehen. das allegorische unterscheidet sich vom symbolischen, dasz dieses indirect jenes direct bezeichnet Göthe I 47, 95
W.; Perseus und Andromeda, ein gegenstand, der sich sowohl plastisch-symbolisch ins enge ziehen, als mahlerisch-historisch mit poetisch-allegorischer ausbreitung in groszer composition darstellen läszt Göthe I 48, 28
W.; hieraus ergibt sich sofort der unterschied zwischen symbolischer und allegorischer darstellung. diese bedeutet blos einen allgemeinen begriff, oder eine idee, die von ihr selbst verschieden ist, jene ist die versinnlichte, verkörperte idee selbst. dort findet eine stellvertretung statt. es ist ein bild gegeben, das, wenn wir es erblicken, uns hindeutet auf einen begriff, den wir nur zu suchen haben. hier ist dieser begriff selbst in diese körperwelt herabgestiegen, und im bilde sehen wir ihn selbst und unmittelbar Creuzer
symbol. u. mythol. d. alten völker (1810) 1, 83; symbolisch heiszt, was poetisches leben hat, und allegorisch, was unlebendiges product der phantasie im dienste der reflexion ist Fr. Th. Vischer
Göthes Faust (1875) 123.
von dem begriff des '
ins enge ziehens' (
s. o. Göthe I 48, 28
W.)
aus gelegentlich soviel wie '
stilisiert': an den füszen wünschte (
ich) das nackte durch gröszere faltenpartien bezeichnet, löwenhaut und kopf mehr symbolisch als real dargestellt Göthe IV 26, 118
W.