supplikant,
m.,
bittsteller: '
der in vnterthenigkeit demüttigklich bittet, sich ergibt' S. Roth
dict. (1571) p 8
a; '
ein demütiger bitter' Stieler
stammb. (1691) 176; '
der die bitte thut' Ludwig
teutsch-engl. (1716) 1929; '
bittsteller' Kinderling
reinigk. (1795) 335; Campe
wb. z. erkl. (1801) 632
a.
seit dem 16.
jh. geläufige bezeichnung für denjenigen, der dem absoluten fürsten in eigener sache ein dringendes anliegen vorträgt. ursprünglich stets im zusammenhang mit gerichtlichen verfahren und rechtsstreitigkeiten: man zeigt eim noch einen ort in der statt, da der keiser biszweilen auff dem richterstul gesessen und den supplicanten recht zu sprechen gepflegt habe G. Braun
beschr. u. contrafactur (1581) 4, 20
b; wären aber die unterthanen ... alsobald mit gefängnüs ... beleget worden, so soll auff der supplicanten ansuchen ... drauff ein kurtzer termin zur verhör anberaumet ... werden (1661)
corp. jur. Sax. (1672) 1036.
später allgemeiner: der könig, welcher alsobald verstund, was die supplicanten begehrten, ward mitleidig berührt Er. Francisci
trawrsaal (1669) 2, 206; wo dieses (
eine bittschrift) dem fürsten zur guten stunde überreicht worden, so ist kein zweifel, er wird ... in des supplicanten begehren eingewilliget haben (1673) Chr. Weise
erznarren 136
ndr.; des fischmonarchen haus war damals voller supplicanten; die meisten wirkten sich besondre titel aus Lichtwer
äsop. fabeln (1748) 78.
für gewöhnlich geschieht der vortrag des persönlichen anliegens durch überreichung einer bittschrift: Peter und andre supplikanten kommen mit bittschriften
Shakespeare 2 (1825) 186; diese bittschrift blieb ohne antwort wie auch eine zwote und dritte, worinn der supplikant um eine reuterstelle im dienste des fürsten bat Schiller 4, 82
G.; sollte gegen den supplikanten nichts zu erinnern seyn Göthe IV 12, 234
W. die übliche servilität in der haltung des bittstellers wie in der ausdrucksweise der bittschrift wird oft durch die wortumgebung sichtbar: ich nun ins audienzgemach als supplicante schlich Thümmel
reise (1791
ff.) 6, 302; hier bringe ich zwey arme supplicanten Heinrich Beck
herz behält s. rechte (1788) 113;
mit ungewöhnlicher mischbeugung: solche des supplikantens demüthigstziemliche bitte (
um ein kaiserliches druckprivileg)
bei Blumauer
Äneis 2 (1793) a 2
b.
die verwendung als aktenwort erhellt aus gelegentlichem artikellosen gebrauch, der sich lange hält: der adjutant brachte die nachricht wieder herein: statt mündlicher antwort habe supplikant eine sehr tiefe narbe in der stirn vorgewiesen Holtei
erz. schr. 16, 282,
oder aus der häufung von fachfremdwörtern des gleichen bereichs: befolgte mit gewissenhafter strenge bei abfertigung seiner supplikanten die anciennität ihrer expektanz Gaudy
s. w. (1844) 17, 98.
im 19.
jh. wird das wort für gewöhnlich nur in geschichtlichem zusammenhang verwendet, um der darstellung durch die aufnahme dieses fremdworts aus der verwaltungssprache des absolutismus zeitfarbe zu verleihen. zu gleicher zeit beginnt sich die scharfe begrenzung in der anwendung des worts durch übertragung zu zersetzen: er antichambrire nicht ganze lange vormittage als demüthiger supplicant bei dem einfluszreichen theilhaber irgendeiner groszen geldentreprise Holtei
erz. schr. 8, 235;
scherzhaft erweitert: den rechten arm um ihren nacken schlingend, wie ich es als suplikant nicht ohne erfolg bei meiner alten pflegemutter zu thun pflegte
ders. vierzig jahre (1843) 1, 306.
infolge der entwicklung des verfassungslebens im 19.
jh. verschwinden begriff und wort als lebendige gröszen; vgl. supplikantin.
zusammensetzungen: