stundenlang,
adv. ,
dann auch adj., seit der mitte des 18.
jh. üblich, vorher nur vereinzelt belegt; noch getrennt: stunden lang J. Riemer
stockfisch (1681) 76;
zusammengerückt: stundenlang,
adv., Kramer
d.-it. 2 (1702) 1026
c; (
adj.) Ludwig
d.-engl. (1716) 1915.
getrenntes stunden lang
auch später noch hin und wieder, z. b. (
adj.) Chr.
F. Weisze
lied. f. kinder (1767) 57; (
adv.) Göthe 24, 61
W.; A. v. Droste-Hülshoff 2, 269
Schücking; s. unten Häusser, Laube.
vereinzelt die vollere form stundenlange;
im vers: Grillparzer (1892) 7, 114
Sauer; in prosa: jhrb. d. Grillparzergesellsch. 1, 162; G. Keller
ges. w. 2, 174; 251. 11)
rein zeitlich. 1@aa)
bei einer mehrstündigen oder vielstündigen dauer oder tätigkeit, ohne scharfe zeitliche begrenzung, nur mit betonung der zeitdauer: sie ward so voller gedancken, dasz (
sie) ... was sie in händen hatte, stunden lang suchte Joh. Riemer
polit. stockfisch (1681) 76; wie sie von einer antecamera zur andern mich herumgeschleppt, mich unter den schranzen stehen lassen, stundenlang Schiller 12, 71
Göd. (
Piccol. I 2); das gewitter brach aus, und tobte stundenlang H. Laube
ges. schr. (1875) 15, 519; (
er sah Napoleon) damals im schlosse zu Düben stunden lang unbeschäftigt vor dem tische sitzen, wie er einen bogen papier mit groszen fracturzeichen vollschrieb L. Häusser
dtsche gesch. (1854) 4, 460; den tag über betrachtete ich stundenlang das innere häusliche leben in diesen höfen G. Keller
ges. w. 1, 32; das infanteriefeuer dauerte stundenlang fort Moltke
ges. schr. (1892) 3, 348; ich habe seinen docirenden vorträgen oft stundenlang gern zugehört Bismarck
ged. u. erinn. 2, 200; die schwarzen hatten ihr eigenes arbeitsmasz, zu dem sich eine weise singen liesz, stundenlang dieselbe weise H. Grimm
volk o. raum 1, 423;
adjectivisch z. b. stundenlanges warten E.
M. Arndt 1, 125
Rösch; ein vielleicht stundenlanges brüten H. v. Kleist 4, 75
E. Schmidt; stundenlange reden Bismarck
pol. reden 3, 26
Kohl. im affect auch übertreibend bei einer in wirklichkeit viel geringeren zeitdauer: allemal wenn es ans essen geht, da läuft sie im ganzen hause herum, dasz man sie stundenlang suchen musz Gottsched
schaubühne 5, 165; seid ihr nicht wie die weiber, die beständig zurück nur kommen auf ihr erstes wort, wenn man vernunft gesprochen stundenlang Schiller 12, 250
Göd.; ich könnte stundenlang von dem herrlichen weibe (
einer sängerin) schwatzen Mozart
bei O. Jahn
Mozart (1856) 2, 84; das soll sie mir büszen, dasz sie mich da stundenlang in der kälten stehen laszt Nestroy
ges. w. (1890) 2, 177;
adjectivisch: ein wort von ihnen hat mehr nachdruck als ein stundenlanges geplärre von ihm Lessing 2, 100
L.-M.;
komisch übertreibend: sicher hat er (
als mörder seiner familie) an so vielen stundenlang herumgestochen Platen 2, 326 (
verhängn. gabel)
Redlich; det kann ick stundenlang essen Meyer-Mauermann
d. richt. Berliner9 (1925) 174
b;
auch ironisch: dir kann ick stundenlang zuhören
ebda. 1@bb)
einen abgegrenzten zeitraum ausdrückend, '
für mehrere oder viele stunden', '
während mehrerer stunden': (
ich) falle stundenlang in eine rechte melancholey
theater d. Deutschen (1768) 8, 296; wir können unser sein und stundenlang uns in die goldne zeit der dichter träumen Göthe 10, 106
W. (
Tasso); sollte er auch stundenlang in seiner fahrt gehemmt sein Archenholz
Engl. u. Ital. (1785) 1, 140; wir waren ... stundenlang in glühendster zärtlichkeit beisammen Holtei
vierzig jahre (1843) 2, 388; (
männer, die) ihren kleinen die wärterin stundenlang ... ersetzten Ratzel
völkerk. (1885) 2, 61.
so auch in verbindung mit zu-, hinbringen: wenn er an der lecker besetzten tafel stundenlang zubringt Nicolai
reise (1783) 5, 20; wir brachten stundenlang hin mit der bewunderung der blumen Bettine
die Günderode (1840) 1, 352.
als adj.: das stundenlange leuchten des schweifes einer längst verschwundenen feuerkugel A. v. Humboldt
kosmos (1845) 3, 609; nach stundenlangem aufenthalte fürst Pückler
briefw. (1873) 2, 4.
in umgekehrter bewertung, als ein relativ kurzer zeitraum: (
das alles) giebt mir zerstreuung, dasz ich stundenlang weniger fühle, wie du mir fehlst Göthe IV 7, 97
W.; sei auch das forschen umsonst nach glücklichen menschen, man findet immer doch, die vergnügt, stundenlang wenigstens, sind U. Hegner
ges. schr. (1828) 195; schaudernd vor kälte muszten sie nicht stunden-, nein tagelang ausharren H. Allmers
marschenb. 48;
s. auch Platen
s. v. mondenlang.
adjectivisch: stundenlange intuition an der seite eines meisters nützt mehr, als jahrelange lectüre (
über die einrichtung der orgel) Schubart
ästhet. d. tonkunst (1806) 280. 1@cc)
daneben kann stundenlang
wie stündig
auch die bedeutung '
einstündig'
haben, anscheinend nur im adjectivischen gebrauch, vgl. stündig,
stundenlang Aler
dictionar. germ.-lat. (1727) 2, 1861;
durch adverbien eindeutig bestimmt: nach einem etwa stundenlangen besuche J. Chr. Bode
Thom. Jones (1786) 6, 211; ein mehr als stundenlanger, beschwerlicher anstieg H. v. Barth
nördl. Kalkalpen (1874) 79;
dem zusammenhang nach zweifelsfrei: sie werden aber als könige eine stunde macht empfangen ... so kennen wir auch genau diese ... stundenlange fürsten Herder 9, 202
Suph. 22)
mit räumlicher beziehung, '
mehrere wegstunden weit': (
in den waldungen) winden sich spaziergänge ... stundenlang ... umher C. L. Hirschfeld
gartenkunst (1779) 4, 205; (
in Rheinbayern) sieht der blick wie über getreidefelder stunden lang nur über weinfelder H. Laube
ges. schr. (1875) 5, 108; fichte und föhre führen stundenlang ... aus dem Moldauthale empor A. Stifter (1901) 1, 212
Sauer. hier überwiegt der adjectivische gebrauch: es ist der hopfenbau, der die gestreckten hügel hinter der stadt in stundenlangen reihen ziert Göthe 41, 2, 51
W.; wo die lawinen sich in den thälern niederstürzten, da wurden stundenlange strecken mit allen wohngebäuden erdrückt und zerschmettert J. P. Hebel 2, 197
Behaghel; bald sehen wir von einer stundenlangen, mit mauern und geländern eingehegten klippe die schiffe unter uns gleiten A. v. Droste-Hülshoff 2, 348
Schücking; (
die alp) mit stundenlangem firnglänzenden scheitel H. v. Barth
Kalkalpen 4;
bes. der stundenlange weg B. Auerbach (1892) 10, 233; Storm (1899) 1, 8.