stüblein,
n.,
stübel,
n. ,
deminutivum zu stube,
mit reichen nebenformen stiwle, stewle, stüwwel Martin-Lienhart
elsäss. 2, 569; stiwle Follmann
lothr. 509
a; stöbel Autenrieth
pfälz. 137; Müller-Fraureuth 2, 581
b; stīwl Blumer
westböhm. 89; stüberl Jakob
Wien. 187. 11)
ursprünglich der wohnraum von geringerem ausmasz, auch die kleinere neben- und hinterstube: das hinter zimer darin das klain stubel stet (1441)
fontes rer. austr. ii 37, 439; ich pauet darinn den hindern gemach, stublin, kammer und kuchin
städtechron. 5, 133; und das man inen ouch darin buwen sol stübel und kammern und anders, des sie denn darinne notdurftig sint Eheberg
Straszb. verf.-gesch. 1, 214 (
a. d. j. 1463); und wir sullen uns die weilen in dem vorderen stublein und in der chamer bey der tuer mit unserm gesinde aufhalten
font. rer. austr. ii 37, 475 (
a. d. j. 1450);
vgl. weiter Zingerle
invent. gloss.; als wenn ma da jungen nu gänzlich ausstiesze, aus'm haus, aus'm stiebel und bettel raus G. Hauptmann
Rose Bernd 106.
bei den lexikographen seit dem 15.
jh.: stubella stubel, stubelin Dief.
gl. 557
b; dornicz oder stubelein
aestuarium voc. vrat. th. 2, 1734;
un cabinet ein kabinetchen, ein stüblein Duez
nomencl. (1652) 79.
die deminutive bedeutung, die in verschiedenem grade mitempfunden wird, ist besonders herausgehoben: von stund an usser der gemainen bawmeister stuben in das clain stüblin da gegenüber gefordert
städtechron. 5, 274
anm. 2; durch ein geräumiges vorhaus in ein kleines stüblein Stifter
s. w. 5, 1, 75.
im schwäbischen ist stüblein
auch ein in die stube vorspringender verschlag Fischer
schwäb. 5, 1899
mit beleg a. d. j. 1559,
s. oben stübich.
mehr als im grundwort liegt in stüblein
die bedeutung behaglicher ruhe und stille: hett ich nur ain stüblin warm und darinn ain schönes weib, das wolt ich legen an meinen arm, friuntlichen trucken an meinen leib Hätzlerin
liederb. 74; er was ... in ein warmes stübli gegangen H. Seuse
dtsche schr. 31
Bihlmeyer; wachst du noch oben, mein kind, bei der lamp im traulichen stüblein Voss
sämtl. ged. 2, 129.
als gemütlicher trinkraum Jakob
Wien. 187
a,
vgl. bier-, bräustübel,
zusammensetzungen, die auch ins norddeutsche gedrungen sind. im gegensatz zur stube,
die auch fremden offensteht, ist stüblein
das intimere, verschwiegenere gemach, in dem man sich zu vertrauter zwiesprache zusammenfindet: Philomena die kammer wider in still verriglen tet, sich in ein heimlichs stüblein ... setzten, anfiengen einen brief zu schreiben
buch d. liebe (1587) 240
b; in ainem stüblin bei ainander sitzen Schaidenreisser
Odyssea (1537) 59
b; euer gnaden vicarius ist ein groszer hurenjeger ... o künd sein stüblin reden als wol als er, man wurd wunder hören Schade
sat. u. pasqu. 3, 167; mit jemand im stüble (
d. i. unter vier augen) reden Delling
baier. id. 179; geredt under der rosen oder im stüble Frisius 1111
b.
in der verschwiegenheit des stübles
verbringt der groszvater die letzten tage, daher '
wohnstube der im ausgeding lebenden groszeltern',
im gesamten obd. verbreitet, auch im obsächs. Müller-Fraureuth 2, 581
b; ins stubel gehen
sich von den geschäften zurückziehen Fischer
schwäb. 5, 1889. — jemand ins gemalte stüblin (
auch ins stüblin) führen
d. i. jemand hinters licht führen, hergenommen von der bühne, ist seit dem 16.
jh. verzeichnet S. Franck
sprichw. (1541) 2, 11
b;
ebenso Schöpper
syn. 16
b Schulte-K. er ist nicht richtig im oberen stüblein (
neben oberstübchen, oberstüblein
s. d.)
ist weit verbreitet, vgl. Fischer
schwäb. 5, 1889; Meisinger
Rapp. 188
b; Sartorius
Würzburg 183. 22)
nur in älterer sprache begegnet stüblein
als raum, der öffentlichen zwecken dient, so als gefängnis, arrestlocal: es gat den gaistlichen vast ubel, man pegert si auch ze pringen in das stubel Liliencron
volksl. 2, 201,
s.grafen-, schotten-, schergen-, priesterstübel Schmeller-Frommann 2, 721; da hat man in den eissen den alten A. H. in ain stiblin gelegt und die andern 2 H. vor dem stublin in ain gwelb an kethinen gefangen
städtechron. 23, 236;
ebenso 23, 237; oder, do er sich dessen zu thun verwidern wurde, alsdann auf dem rathaus in ainem stublin verwart werden soll
städtechron. 33, 165
anm. 4; 32, 355.
für Überlingen in älterer zeit bezeugt als ratsstube, amtsstube der stadtbehörde: darumben sollen ir alle vierzehen tag den stüblinsherrn ordentlich raitung thun und ... neben und mitsampt dem stüblinschriber und bawknecht das gelt us dem stock (
sc. nemen), ... in das stüblin uberantwurten, damit dasselbig von gemeltem stüblinschriber in die büecher ... eingeschriben werden mag
stadtrecht v. Überlingen 260
Geyer u. ö.; als amtshaus: zwen dacksherrn von der rö
m. kay. mt. und zwen von einem erbarn rat, die sind in doctor Beytingers stüblin gesessen, die haben ... dacksiert ..., was der gast dem wirt ... soll geben
städtechron. 32, 400;
als pfründhaus Bayerns maa. 1, 39
Br.-H.; Fischer
schwäb. 5, 1890. —
dazu stübleinfenster: als ... am stüblifenster ihm der meister klopfte Gotthelf
ges. schr. 2, 114;