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strotzend

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

strotzend adj.

Bd. 20, Sp. 86
strotzend, adj. , diese participiale bildung entwickelt eigene bedeutungen, wenn sich auch verbaler und nominaler charakter nicht immer scheiden lassen. der häufigkeit nach behält sie das übergewicht über strotzig (s. u.). die entwicklung geht vornehmlich in drei richtungen: 11) prall von innerer fülle: uber distentius strotzend Faber thes. (1587) 845a, vgl.strotzen A 1: die kleinen augen wurden von den strotzenden wangen so beschützt, das man sie kaum gewahr werden konte Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 3, 268; die frässigen münch mit iren stratzenden büchen Eberlin v. Günzburg 22 neudr.; der mautner ... griff prüfend an den strotzenden säcken herum Rosegger schr. (1895) 2, 69; des fürsten beutel were wie der miltz: wenn der gar zu grosz und zu strotzend würde, verdürben die andern glieder A. v. Kreckwitz lustwäldlin (1632) 542. im sinne eines übersteigerten 'voll': der eine trug dichtgeflochtene körbe mit geld, der andere strotzende körbe mit gerste Ramler einl. (1758) 1, 285. in dieser bedeutung dient strotzend sehr häufig als verstärkendes adverbium, zunächst neben dem synonymon voll (vgl. strotzvoll sp. 89): Gastro, wo er geht und steht, trägt den watsack für sich her, ob er gleich nun strutzend voll, nimmer oder selten leer Logau sinnged. 172, 48 lit. ver.; deren adern strotzend voll sich der überfüll' entladen durch der bäche fluthgeroll Rückert 10, 470. auch in der zusammensetzung strotzendhart neben starzendhart duro ... disteso ... turgido, turgente Kramer 1 (1700) 629; vgl.starrhart th. 10, 2, 926. mit derselben wirkung ein part. perf. gestrotzt: gesteckt, gestopft, gestrotzt u. s. w. voll, dicht voll Kramer dict. 2 (1702) 1208b; Müller-Fr. 2, 579; Jakob Wien. 186; das theater war wiederum ... gestrotzt voll O. Jahn Mozart 3, 72. weit häufiger neben verben: (menschen,) die mit leeren grillen leere köpfe strotzend füllen Lessing 1, 106 L.-M.; in der verdauung schwellen sie (die darmzotten) strotzend an v. Sömmerring menschl. körper (1839 f.) 5, 77; wie rein die stirn sich hebt, die wangen strotzend buchten Grillparzer 1, 169 Sauer. in verbindung mit machen ersetzt strotzend ein transitives strotzen: uber alles aber ist es ein vornehmes mittel, den päbstischen beutel strotzendt zu machen P. Albinus päbst. anatomia (1636) 42; und wenn es (das geschwür) aufspringt endlich — wer hat es strotzend gemacht? Börne 9, 10. auch gesteigert, in übertragenem sinne: deutsche philosophen und theologen haben sie (die deutsche sprache) durch eine menge abstracter namen und kunstwörter ... noch schlaffer, und zugleich doch strotzender gemacht schlesw. litbr. forts 312, 4 lit.-denkm. 30. 22) der ursprünglich nur mitschwingende begriff schwellender lebensfülle wird selbständig, strotzend nähert sich verstärktem 'kräftig', 'üppig', 'feist': wir sahen ... das glückseligste strotzendste rindvieh aus Schleiermachers leben 2, 334; strotzende hecken und üppige felder J. Venedey Irland (1844) 2, 291; man bewundert (in den früchten) die strotzende natur Fr. Th. Vischer ästh. (1846 f.) 2, 90. auch durch adverbium verstärkt: viel gerippt und gezackt auf mastig strotzender fläche (des blattes) scheinet die fülle des triebs frei und unendlich zu sein Göthe 3, 86 W. mit besonderem unterton: wie seiner ganzen strotzenden, sinnlichen natur, so wäre auch seiner beredsamkeit die kanzel viel zu enge gewesen Schubart br. in Strausz w. 8, 1, 204; jetzo (im schwellenden frühling) war seinen kräftigen, strotzenden gefühlen jedes getöse willkommen Jean Paul 7—10, 451 Hempel. in diesem bedeutungsbereich tritt strotzend auch zu substantiven, die ihm als verbum ursprünglich eine nähere bestimmung geben (kraft, gesundheit s. o. sp. 82): ich sage nicht bloss vollkommner, sondern blühender, strotzender gesundheit J. J. Chr. Bode Montaigne 3, 95; die ... arme waren voll strotzender kraft Auerbach schr. 12, 170; und es drängt sich im weiten wühlend der strom des schaffens und strotzender urkraft Arent-Conradi-Henckell mod. dichterchar. 266. selten mit anderen substantiven verbunden: jenseits setzt sich die strotzende üppigkeit der natur noch fort Hesse-Wartegg zw. Anden und Amazonas2 1, 250; über dem ganzen mädchen lag es wie strotzende lebensfreude F. Hugin Hahn Berta (1907) 12. 33) sehr häufig in der bedeutung 'stolz, aufgeblasen, eitel', zu der in der entwicklung des verbs verschiedene ansatzpunkte lagen, nach der umgebung verschieden nüanciert: sein gang war, auch als mensch, der strotzende gang des tyrannen J. F. Schink theater zu Abdera (1787) 1, 130; ich rechne dahin, das hr. G. sich oft überpoltert oder strotzend wird schr. d. Götheges. 6, 285. weiter 'nichtssagend, innerlich hohl, dumm': so macht es grosmuth allzeit, so hört ein wahrer gelehrter den schimpf des strotzenden pöbels niemals P. A. Schrader scherze (1762) 1, 5; der steife und strotzende witz ... äuszert sich besonders bey denen, welche fühlen, das sie gelehrt und belesen sind, auf eine andere art Rabener w. 3, 7. 'selbstgerecht': die in ihrer strotzenden tugend über seine (Napoleons) ungerechtigkeit ... schauder über schauder rufen Bettine dies buch geh. d. k. (1843) 1, 303. neben gewissen sächlichen leitbegriffen im sinne 'anspruchsvoll' mit der nebenbedeutung des unechten, unwahren: ein weiser lebt, obwohl nicht krumme griffe durch strotzend gold ihm seine seckel blähn Hagedorn vers. einiger ged. 42 lit. denkm.; als Luther auftrat, da war die kirchenmusik der Deutschen bereits in leere, strotzende pracht ausgeartet Schubart ästh. d. tonk. 68; wo meine pappel grünet, da gaffet und bedienet kein strotzender Johann Voss 5, 147; in ähnlichem sinne häufig in der sprache litterarischer kritik: der naive ton der geschichtserzählung ... würde ihm anständiger gewesen seyn als der strotzende gang der poetischen prosa allg. d. bibl. 2, 1, 228; diese sind nun prinzen und helden; aber nicht hochtrabende dichter, die schwülstige gedanken, und gekünstelte einfälle mit strotzenden worten vorbringen neuer büchersaal (1745 f.) 3, 60; (er) ist ein todfeind von den itzigen schweren strotzenden gedichten ohne reime Rabener w. 3, 26; hier die einfache predigt der natur ... (dort der oberhofprediger), der mit strotzender gelehrsamkeit beweiset, woran niemand zweifelt Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 2, 528. 44) vereinzelt vom fahrenden volk wie strotzer 2 s. d.: die unnützen betler und strotzende vaganten Pape bettel- u. garteteuffel in theatr. diab. (1586) A a 5a.
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    strotzendadj.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    strotzend , adj. , diese participiale bildung entwickelt eigene bedeutungen, wenn sich auch verbaler und nominaler chara…

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Cotta, M. (2026). „strotzend". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/strotzend/dwb
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Cotta, Marcel. „strotzend". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/strotzend/dwb. Abgerufen 18. May 2026.
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Cotta, Marcel. „strotzend". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/strotzend/dwb.
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