straubig,
adj. , sträubig '
gesträubt, sich sträubend',
von straub '
rauh'
und sträuben,
vb. —
seit dem 18.
jh., heute in der schriftsprache selten; im westl. nd., hess. u. alem., s. u. 11)
emporstarrend, rauh, struppig, sträuben A
entsprechend. 1@aa)
von haaren und federn '
wirr, kraus, hochstehend',
von struppig
durch das fehlen des abschätzigen nebensinns unterschieden: kein heisses eisen brenne mein straubig haupthaar kraus Dusch
verm. w. (1754) 159; ein junger mann ... dem bart und straubige haare etwas wildes geben Göthe IV 23, 383
W.; Karl XII. wird ... vorzüglich aber an seinen straupigen haaren ... erkannt Göthe I 51, 151
W.; manchmal denkt man, er (
Straube) habe sein gesicht sammt der straubigen perücke blos zum spasz vorgenommen (1817) Wilhelm Grimm
freundesbr. 55
Reifferscheid; de har is so strüfig Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 344;
mehr im sinne von '
borstig': die haare blieben sträubig, weil weiche und seidene haare zu bilden, es an feinem, emporgetriebenen saft fehlte Herder 13, 209
S.; von der mähne des pferdes: den straubigen hals seines unruhigen kleppers streichelnd Eichendorff
s. w. (1864) 3, 189;
vom wogenerregten meer, das mit einem pferde verglichen wird: noch immer trunken von des gewoges regsamem geschaukel, das vom phrygischen blachgefild uns her auf straubig-hohem rücken, durch Poseidons gunst und Euros kraft, in vaterländische buchten trug Göthe I 15, 1, 177
W.; straubig machen
so viel wie sträuben (
vgl. sp. 945): (
der birkhahn) ... machet seine federn straubig, wie ein calecutischer hahn Göchhausen
notabilia venatoris (1741) 77; das strupphuhn ... mit sträubigen federn Oken
naturg. 1, 7 (1837) 607;
von einer hühnerart mit abstehenden federn: die straubige henne mit verkehrten federn
a. d. j. 1750
bei Suolahti
die deutschen vogelnamen (1909) 242; dein loos fiel schwarz. schon schwärmen auf dich los raben der richtstatt. siehst sie witternd recken die sträubigen kehlen Karl Wolfskehl
bll. f. d. kunst (1908) 49. 1@bb) '
unansehnlich, struppig',
eigentlich '
mit ungepflegtem fell',
verallgemeinerung aus a,
älternhd.; von tieren: sträubig, was von hunger elendig auszsihet und die haar verstelt, wie ein verhungerter hund oder katz Hulsius
dict. (1616) 311
b; straubig
mager, dürre Frisch
nouv. dict. (1741) 344;
besonders vom pferde: strigosus
ein straubiges, mager, dürres oder auch ein stetig pferd Corvinus
fons lat. (1646) 309; waren die hunde mager, dürr vnd streubig ... waren sie denn (=
aber) fett vnnd wol bey leib
theatr. diabol. (1569) 302
b; wenn ein pferd mager, straubig, dünn vnd auszgemergelt ist J. Walther
pferde- u. viehzucht (1658) 25;
auch von einem menschen: warum er so straubig aussähe von Loen
d. redl. mann a. hofe (1740) 95; a
näher: dass die thiere in Ungarn viel hAertere haare zu haben schienen als gewOehnlich; die schafe waren strAeubig, die schweine zottig; und die ochsen hatten mehr borsten als haare
teutscher merkur (1785) 2, 20. —
mundartlich im sinne von '
struppig': straubig Crecelius
oberhess. 816; strūbig Martin-Lienhart
elsäss. 2, 624; Fischer
schwäb. 5, 1833; strauwic Lenz
Handschuhsh. 69;
schweiz. id. 11, 1944. 1@cc)
in vereinzelten, mehr oder weniger technischen anwendungen '
hart, starr': und lässet sich straubiges laub gefallen (
als lager) und stechendes riethgras Bock
Virgils lehrged. v. landbau (1790) 104; '
emporstarrend': die fichten dick und straubig
österreich. qu. a. d. j. 1908;
mit anlehnung an strauben,
pl., '
stahlspäne' (
sp. 941),
im sinne von '
zersplittert, zerfasert': wird ein pfahl straubig,
d. h. werden durch die darauf fallenden schläge an seinem kopfe die holzfasern zerstört und daselbst gleichsam umgebogen: so musz man mit der handaxt durch bestossen des kopfes die strauben entfernen
bei Veith
bergwb. 472; '
rauh': (
die mit silber zu glattierenden stellen machen sie mit dem rauhhammer) sträubig, punctirt Ritter
erdkunde (1822) 3, 122; a
am nächsten: wolle ... die aber sehr grob und straubig ist
allg. haush. lex. 3 (1751) 764. 1@dd)
weit abgezogen im sinne von '
eng',
nur vereinzelt bezeugt: straubig, eng machen
angustiare, far stretto Hulsius
dict. (1618) 242
a;
auch mundartlich: ischt älles schau' strūbig vohl leut '
gedrängt voll' Fischer
schwäb. 5, 1833. 22)
widerspenstig, ungefüge, zu sich sträuben '
sich wehren' (
sp. 950);
vom menschlichen charakter: sich ... streubig, widerspenstig und halsstarrig erzeigen Konrad Dieterich
bei Fischer
schwäb. 6, 3228; widerspenstig, streübig, streitig
rebellis L. Albertus
deutsche gramm. 61
M.-Fr.; sträubig, das sich sträubet
renitente Hulsius
dict. (1616) 311
b. —
so im 19.
jh., anscheinend ohne continuität zum älternhd.: und deine hand thu her, leg sie in meine seit' und sei nicht sträubig mehr! Rückert
ges. poet. w. (1867) 11, 191; ihr sehnsuchten ... brennt die sträubige, brennt, bis sie musz sagen: ich brenn' E.
M. Arndt
s. w. 6, 102
R.-M.; dasz wir allenfalls dräuen und die weigernden und sträubigen nöthigenfalls mit gewalt in die neue bahn hineintreiben könnten E.
M. Arndt
schr. (1845) 3, 322;
vgl. Sprenger z. sprache E. M. Arndts in: zs. f. d. wortf. 6, 226;
im nd. struwig '
von einem, der widerstand leistet oder leisten kann',
s. Gombert
bem. u. ergänzg. (1878) 3, 5;
in der bed. '
stolz, sich brüstend'
ist die verbindung mit 1 (
s. o.)
zu erkennen: he löpt so strüfig as'n hantje '
stolz wie ein hahn' Doornkaat-Koolman 3, 344. —
in anderen anwendungen, '
spröde': sein gefühl, das so sträubig war, sich in der gestalt von worten zu offenbaren
M. Meyr
erz. a. d. Ries (1868) 2, 11; allenthalben wollte sie wurzeln schlagen und neue absenker pflanzen. es gelang ihr hie und da, ohngeachtet des sträubigen erdbodens Herder 17, 335
S.; '
ungefüge': sträubige lateinische namen deutsch zu geben J. R. Köne
pflanzennam. (1840) 18.