strammen,
stremmen,
vb. ,
auch strämmen,
abgeleitet vom adj. stramm;
mnl. strammen,
stremmen,
nl. stremmen,
ähnlich im norw. stremja '
sich sträuben'
vom entlehnten stram Falk-Torp 2, 1176.
im deutschen seit dem 14.
jh. bezeugt, falls die form stremgen (Diefenbach 581
c,
s. u. 2 a)
hierher gehört. häufiger seit dem 17.
jh. belegt; die mundartenwörterbücher des nd. sprachgebietes verzeichnen das wort allgemein, md. ist es für Thüringen, Hessen, Luxemburg, Lothringen, die Pfalz und das Saarland bezeugt. auf obd. boden hat die Schweiz strammen, erstrammen
und das causativ stremmen
bewahrt. umlautlose und umgelautete formen finden sich nebeneinander im gleichen ma.-gebiet, z. b. strammen, strämmen
brem.-ns. wb. 4, 1056; strammen, stremmen Mensing
schlesw.-holst. wb. 4, 877; 879; Stürenburg
ostfries. wb. 268 (
in getrennter bedeutung). 11)
transitiv. 1@aa) strammen;
distensione augere, distentare Stieler
stammb. (1691) 2185; strammen (
active)
steif machen, spannen, anziehen, intendere Richey
id. Hamburg. 294;
stark spannen, straff machen brem.-ns. wb. 4, 1056;
straff spannen Stürenburg
ostfries. wb. 268;
straff anziehen, auftreiben Sallmann
ma. in Estland (1880) 41; stremmen
stark anziehen Crecelius
oberhess. wb. 2, 816; schdramme
spannen, z. b. frisches holz durch biegen Heinzerling-Reuter
Siegerl. wb. 285; e säl (
seil) stremmen Follmann
lothr. ma. 505; wenn ein pferdt an jhme alle seine gelencke spannet, strammet, starret und steiff machet Danüp
wolabgericht. pferd (1624) 10; durch krankheit, deren schwinden mir ... die nerven strammte, lähmte und widrig reibend reizte Varnhagen v. Ense
Rahel (1834) 2, 401; wem je das aug in wuth geflammt, wem je den arm der muth gestrammt graf Strachwitz
ged. (1850) 17; sie strammte beide arme ..., als müszte sie die ruder fester fassen Auerbach
schr. 1, 50; mutiger greifen wir zu, das schiff zu steuern, im getakel die taue zu strammen Rosegger
I.N.R.I. (1905) 95. 1@bb) stremmen '
die milch gerinnen machen mittels des labs (
stremsel) —
eigentlich zusammen ziehen, nämlich ... die käsigen teile der milch' Stürenburg
ostfries. wb. 268; de melk stremmen Dornkaat-Koolman 3, 334
b;
dazu niederl. u. fries. stremmen,
vgl.stremmen coagulari Kilian (1605) 537
a;
s. auch unten stremmels
und stremsel
lab; sonst nur noch in der Schweiz bezeugt, zuerst bei J. v. Muralt (1712)
in der bedeutung '
blut zum gerinnen bringen'.
hierher wohl auch: das in einer etwasz stärckeren bewegung flieszende geblüte stremmen und auffhalten Gehema
medic. mordmittel (1688) 45,
oder zu stremmen
sistere, restringuere, cohibere, vgl.: 'nrad stremmen
hindern, stocken machen, aufhalten Dornkaat-Koolman
a. a. o.; sistere, restinguere, cohibere Kilian (1605) 537
a; lux. '
stauchen (
das wasser),
brider' Gangler 439. 22)
reflexiv. sich spannen, anspannen: tetanus seuche, daz dy senaderen so sere sich stremgin, daz man den hals nicht mak gekeren (
Macer, de herbis, ende d. 14.
jh., md.) Diefenbach
gl. 581
c; zwischen muskeln, die von blut und lebensgeistern strotzend sich strammen Th. Abbt
verm. w. (1768) 1, 66; seht, wie sich das thierchen (
ein reh) stremmt und mit kurzen stöszen zieht! Brockes
ird. vergnügen 6 (1740) 234; im bogen flog der schweif, wild schnob die nase, wenn sich das bein zum niedersetzen strammte graf Strachwitz
ged. (1850) 159; seine muskeln strammten sich J. Schlaf
frühlingsbl. (1901) 87; es strammten sich seine starken waden
qu. a. d. j. 1910; die wunde strammet sich Ludwig
t.-engl. lex. (1716) 1886.
bildlich: 'oho!' strammte sich das ehrgefühl in mir an Berlepsch
bei Sanders
erg.-wb. 531
b.
in den nd. maa. weit verbreitet; von der kleidung: um ihre unterleiber schlotterten oder strammten sich rauhe jacken
norddt. quelle um 1914; de jack stremmt sik öwer de bost Mensing
schlesw.-holst. 4, 879;
weitergreifend in der bedeutung: sick strammen
sich sträuben Richey
id. Hamburg. 294; sich stremmen
sich stramm halten, sich stemmen und anstrengen Bernd
Posen 297; sich stremmen
sich anstrengen; stremm dich!
aufmunternder zuruf Betcke
Königsb. ma. 60; Böhnke, stremm dî!
in Danzig: Karlke-Anton, stremm dî!
als anspornender zuruf Frischbier
pr. wb. 2, 380
a; sick stremmen
sich steif machen, sich wogegen stemmen, sich widersetzen Mi
mecklenb. ma. 87
b; du strammst di mit dien rügg un mit de föt gegen die wann (
wie beim klettern im kamin) Mensing
schlesw.-holst. 4, 877; he stremt sök wie e pukis
strengt sich an wie ein barsch an der angel Lüpkes
seemannssprüche 15.
nicht selten mit bedeutungsfärbungen, die ans uneigentliche streifen: sich stremmen
sich stramm halten, mit anstrengung nach etwas streben. stremm dich!
nimm dich zusammen! Frischbier
pr. wb. 2, 380
a;
hamb. sick strammen
die nase hoch tragen Richey
id. Hamburg. 294; sik strammen
oder strämmen
sich in die brust werfen, den kopf hochtragen aus stolz brem.-ns. wb. 4, 1056; sükk stremmen
sich räuspern (
aber nicht mit der nase, sondern mit der kehle oder lunge); he stremmt sükk ass'n köster
ein zeichen der eitelkeit und wichtigtuerei Stürenburg 268. 33)
intransitiv, vgl. mnl. strammen
stijf zijn Verwijs-Verdam 7, 2268. 3@aa) straff sein, strammen
rigere, adstringi, durum esse et durum fieri Wachter
gloss. germ. (1737) 1620; straff seyn,
sich spannen, gespannet seyn brem.-ns. wb. 4, 1056; de sehnestrammetmy
sie ist mir gespannt Richey
id. Hamburg. 294; wirklich strammte die kette
bei Sanders
erg.-wb. 531
b;
substantivisch: bald schleiften die sohlen mit vergeblichem strämmen an der erde hin Reichenau
aus unsern vier wänden (1861) 252. 3@bb)
insbesondere von zu eng anliegenden kleidern und schuhen: strammende stiefel
stivali rigidi, forti, stringenti Kramer
dict. 2 (1702) 996
c; hier und da strammten die nähte des rocks
bei Sanders
erg.-wb. 531
b;
vielfach in maa., z. b.: de buxe stremme
sitzen eng, spannen sich Follmann
lothr. maa. 506; de büksen stramd mî so, dat ... Doornkaat-Koolman
ostfries. spr. 3, 332;
ähnlich in Hessen, Saarbrücken und dem Siegerland; strammen
schmerzen vom starken binden: die binde strammet mir
brem.-ns. wb. 4, 1056;
vgl.: der dampf stremmt einem auf der brust Schmeller-Frommann
bair. wb. 2, 813. 3@cc)
von wunden, geschwülsten usw., vgl. adstringendo dolere strammen Schottel
haubtspr. (1663) 1424: die wunde, das geschwär strammet und thut sehr wehe Kramer
dict. 2 (1702) 996
b; strammen
sagt man von wunden, welche machen, dasz die haut strammet und gespannt ist Frisch
wb. (1741) 2, 343
b; die wunde strammet mi
brem.-ns. wb. 4, 1056; strammen
von der haut über einer geschwulst Stürenburg
ostfries. wb. 268
a;
ähnlich: doch, noch ein glas! mir fängt es schier im gaumen an zu strammen v. Göckingk
ged. (1780) 3, 146. 3@dd)
auch von anderen schmerzempfindungen: strammen
heftiges ziehen im fusze, arme, kopfe u. dgl. haben (
in Lippe)
dt. maa. 6, 486
Frommann; stramen
von dem schmerzhaften ziehen im körper, wo die muskeln sich anziehen, namentlich wenn die schmerzen sich von einem gegebenen punkte aus strahlenförmig ausbreiten; de schuldern strâmet, de ganze hals, dei strâme Schambach
Göttingen 213; strammen
spannen, vom schmerzhaften ziehen im körper Deiter
Hastenbeck 63; strämme
ersticken Autenrieth
pfälz. id. 138.
in der Schwalenberger mundart substantiviert das stramen
geradezu '
rheumatismus' Böger 164.