stocknarr,
m. ,
sannio, homo stultissimus; ursprünglich nicht eine blosze steigerung von narr,
etwa wie oben erznarr (
th. 3
sp. 1079),
sondern ein narr von kurzer (
oft verwachsener)
gestalt wie ein stock,
klotz, entsprechend 1stock,
m. 7
und wie stocker,
m., 1 (
bildungen wie diese haben neben den aus 1stock,
m., 4 f
flieszenden stockdunkel, stockfinster
usw. die grosze menge der mit stock
gebildeten verstärkenden zusammensetzungen erst angeregt).
auch Frisch 2, 338
a empfand hier nicht blosz das gewöhnliche verstärkende element, wenn er zur erklärung an den stock (
die pritsche)
in der hand des narren erinnert, vgl. Schupp schriften 43
und zur abschätzung dieser meinung das lotterholz (
th. 6
sp. 1213)
in der hand des lotters,
des lotterbubens (ein pritschenmeister und ein knittelversmacher wäre ja ein stocknarr im eigentlichsten sinne, wenn er knittel und stock selber führen wollte Jean Paul 37, 110);
auch sonst zusammen mit seinem schellenbesetzten narrenkleid: der hoffnung, dieser stocknarr soll mit seiner brietschen und schellen so viel gewers und gethöns, und aller augen von der hauptsachen abwenden, das sie also mit stilschweigen verschorren werde Nigrinus
gewisser notturfftiger beschlag (1591) H 3
a. 11) mit den stocknarren und hoffeschwenckern Mathesius
Syrach 119
a, stock- oder hansnarren, possenreiszern 144
a; er hat auch mit etlichen Römern freundschaft gemacht, sie oft geladen, mit ihnen geschertzt und geschimpft, darzu er sein eigen stocknarr gebraucht Nigrinus
papist. inquis. 581; ein gast hat macht, ein gestlein und umbram mit zu bringen bey guten freunden, aber ein gantze rott stradioten und unnützes gesind, stocknarren, und vil leut mit sich bringen, ist ein eben grob gentilitz Mathesius
werke 2, 151; (
das gold,) das man stocknarren und pfeiffern an die ohren gehencket
Sarepta 50
b; es könte mancher ein ehrlich ambt bedienen, und läst sich einer fetten suppe halben zum stocknarren machen Chr. Wfise
die drey klügsten leute 54;
als verdeutschung für das franz. bouffon
erscheint es im ursprünglichen sinne noch bei Gottsched: gleich darauf schimpft er auf die pritschmeister, die noch bey hofe geblieben, und nennt sie abgeschmackte lustigmacher, unglückliche stocknarren (
insipides plaisans, bouffons infortunez), verjährte verfechter grober wortspiele
versuch einer critischen dichtkunst 689;
vgl.: man fange sogar an die stocknarren zu lieben, um sich nur ein ausländisches ansehen zu geben
neuestes aus der anmuthigen gelehrsamkeit 3, 664 —
besondere äuszerungen der narretei: uber das findet man viel gottloser unehrbare leut, die keines berufs achten noch abwarten, ... sondern nemmen allerlei unrechte, leichtfertige sachen für, dadurch sie sich ohn grosze mühe und arbeit mögen erhalten, als da sind die toppler, spieler, lotterbuben, stocknarren, so narrentheiding und schertz treiben A. Lang
sorgeteuffel (
theatrum diabolorum 2, 355
b); desgleichen lieset man in den legenden, das etliche stocknarren wolten den heiden hofiren in einem spiel, und der christen spotten mit der tauffe Luther 6, 100
b; unter die narrentheiding aber seind zu rechnen ... die sprüche der lotterbuben und stocknarren Kirchhof
wendunmuth 3, 4;
vgl.: des stocknarren grobheit Rätel-Curäus
chronica des herzogthums Schlesien (1607) 29;
vergleichsweise: an stat der rechten sunde uben sie die schlüssel an eitel ertichten falschen sunden und gaugkeln also mit dem befelh und wort gottes wie die stocknarren odder lotterbuben Luther 30, 2, 493
Weim.; wohl im spiel mit 1stock,
m., 4
c, der almosen- und ablaszkiste: ein solcher lesterer offentlich redt und schreybt, der die heyligen gottis wort nit hoher acht und handlet, dan als het sie ein stock- odder geltnarr in der fastnacht fur ein mehrlin ertichtet 6, 286
Weim. vgl. noch: er ist auch keyn naturlicher narr, es ist auch keyn stocknarr Agricola
sprichwörter (1534)
H 6
a. 22)
erweitert als schelte: der stocknarr, tüppel,
stipes, truncus homo atque stipes pro stupido Maaler 389
d;
den übergang bilden: ein junger frischer mensch, welcher sich einem stocknarren gleich bezeigete Bucholtz
Herkuliskus und Herkuladisla 109; wollt ihr einen stocknarren agiren, so habt ihr in unserer compagnie nichts zu tun Weise
erznarren 173
neudr.; daneben: das wir die maultreyber, stalknecht, ja hurn und buben zu Rom mit unserm armut reych machen mussen, die uns doch nit anders dann stocknarn halten Luther 6, 322
Weim.; der Turck sihet uns fur lauter stocknarrn an 33, 123
Weim.; dem nach gan ichs zwar dem könige zu Engelland, da zu dem teuffel auch fast wol, das sie solche arme elende betler uber mir werden und sich so flicken müssen, auf das sie an mir die löbliche ehre erjagen, das ist, das ich sie fur meine stocknarren und göckler habe 23, 28
Weim.; ich halt, er sy ein stocknarr
reformationsflugschriften 3, 16
Clemen; wenn er sich einbilden will, dasz man ihn bewundert und nicht für das, was er eigentlich ist, für einen stocknarren hält Rabener
werke 4, 307; viele seiner bauern sahen es (
seine lehrmethode) als nützlich an, andere betrachteten es als kindereien und ihn als einen stocknarren Jung-Stilling
schriften 1, 150.
auch: der ist gleich, als hette er seine fünf sinn verloren, und von der welt für den grösten stocknarren gehalten wirdt Paracelsus 2, 308
A. weiterhin: dasz alle die menschen, so sich mit dieser närrischen lieb bedäcklen ... zu stocknarren werden Guarinonius
grewel der verwüstung 274; wann man aus lären kanden einschencken känte, so wäre ich wol ein stocknarr, so ich im wirtshaus einkehrte
Simpl. 2, 446
Keller; zuletzt: sobald der kasernenmedikus den hofmedikus einen stocknarren genannt hatte Jean Paul 8, 58 —
in völliger durchführung: und kommen derer hoffartsnarren ein hauffen in unser reich, dasz wann es zugelassen wäre, wir alle miteinander ... nur moda und neue inventiones für diese stocknarren kaum genug würden machen oder ausdenken können Joh. Riemer
der trunckene träumer (1684) 65; nit hat er (
könig David) idioten, esel und stocknarren zu den digniteten und regimentssachen erhebt und gezogen Albertinus
Lucifers königreich 43
Kürschner; also diser stocknarre denckt (
des bauern schöne frau mit gaben zu zwingen) Schumann
nachtbüchlein 289; ist das war, dasz man die pfründen sölichen stocknarren leicht, die sie nit verdienent Schade
satiren und pasquille 2, 145; damit nemlich denen academischen stocknarren ihr accidenz nicht entgienge Arnold
kirchengeschichte 2, 110; wOelchs ausz jr ler und leben kan ein jeder stocknarr wol verstan Burkhard Waldis
das päpstisch reich Q 3
b;
auch: ich rede nicht gegen ihn, weil er seine netze nach meiner schönen braut ausgeworfen hat. solch einen stocknarren von rival fürchtet unsereiner nicht Zschokke
schriften 27, 244 —
in der anrede: Hydaspes sprach: ey du stocknarr, warumb hastu es mir nicht gleich angezeigt
buch der liebe 226; bleib für der pforten, du stocknar, bisz ich wider kumb, die weil har Hans Sachs 13, 119
Keller-Götze; du stocknarr, weist sonst nichts zu sagen? thust den leuten dein traum fürtragen, als seint sie war und müssen geschehen Ayrer
dramen 885
Keller. 2@aa)
mehr als physiognomischer terminus, vgl. Lavater
physiognom. fragmente 3, 22: Calliostro ist immer ein merkwürdiger mensch, und doch stocknarr mit kraft, und lump so nah verwandt Göthe
an Lavater 120; ich begehre nicht meinen witz an einen stocknarren zu wetzen Musäus
physiognom. reisen 2, 169; indessen war er doch fest entschlossen, aus einem hofnarren ein stocknarr zu werden Hippel
lebensläufe 2, 283; ein planmachender stocknarr Schubart
briefe 2, 151;
zur vorgeschichte vgl. noch: eine gesellschaft von stocknarren und schaalen köpfen Dusch
schriften 37; wie reimet sichs für got (verzeih mir, dasz ich frage): ein Paulus auf dem stuel, ein stocknarr im gelage! Rachel
satyr. gedichte 72
neudr. 2@bb)
mit einem den begriff hervorhebenden oder gar steigernden adject.: die ganze stadt ist mit übertriebnen gelehrten und rechten stocknarren angefüllet Holberg
dänische schaubühne 5, 446; der fuchs sprach, bey dem sterben mein, du must ein groszer stocknarr sein, der musz ein narr sein, der dir gleubt Alberus
fabeln 180
neudr.; ihr seid die zwei gröszten stocknarren in der welt Jean Paul 8, 57; es wer denn in der gantzen pfarr ein mann der allergröst stocknarr, ... der ein weib unverschuldet schlüg Hans Sachs 17, 140
Keller-Götze; wie man dann vil solcher dopleter stocknarren findt Wickram 2, 127;
auch: ihr philister, die ihr ... in dem ewigen triumphzuge des teufels, als verstockt geborne stocknarren einherzieht Brentano 5, 384. 33)
nach Klein
von fischen, welche mit offenen ohren athmen, dazu zwei kammartige auswüchse auf dem kopfe haben, wie z. b. blennius ocellatus L., sonst schmetterlingfisch (
th. 9
sp. 1049),
blennius gattorugine L., sonst dickhals (
th. 2
sp. 1081)
und blennius galerita L., sonst seelerche (
th. 10, 1
sp. 43) Campe.
die übertragung knüpft deutlich an die schellenkappe des narren, der des fisches kopf ähnelt.