stimmlos,
adj. ,
selten stimmenlos, stimmelos. 11)
unfähig zu reden, stumm (stimme A): auch sind nit alle auszsetzige szo gar stymlosz, das sie nit von eben fern mochten gehort werden Luther 8, 355
W.; stimmlos wie er war ... war er dann unterwegs überall als ein gefangener Engländer angesehen ... worden P. Alverdes
die pfeiferstube (1929) 20; mich vor jeder gelegenheit zum sprechen hüten muszte, wenn ich heute nicht ganz stimm- und tonlos aufstehen wollte Hebbel
br. 6, 20
Werner; wie ein lamb vor sinem schärer stimmlosz, also hatt er nit aufgethon seinen mund
Züricher bibel (1531) j j 5
b (
sine voce, act. ap. 8, 32); stimmlose tiere werden ohne mitgefühl getötet Fr. L. Jahn
w. 2, 697
Euler; jetzt ging der menschen erstes paar hervor und mischte den lauten ausdruck seines dankgefühls ins chor der stimmenlosen schöpfung Sam. Gottl. Bürde
Miltons verl. par. (1793) 2, 89.
momentan '
sprachlos, schweigend': auf einem grünen bühl sasz Paris dazumahl, und singend ein gedicht von der liebsüszen qual, hat er kaum diser schar götlichen glantz erblicket, dasz er gantz stimmlosz ward Weckherlin
ged. 2, 353
lit. ver.; ob er nun fast schmerzen voll, war er doch nicht stimmelos Harsdörffer
Diana (1661) 1, 61; ja kaum kam meiner rew stimreicher schneller flug für dich, und kaum hat ich stimlosz zu dir geschrihen Weckherlin
ged. 2, 40
lit. ver.; übertragen, im sinne von '
verstummt': ich (
dichter) selber bin nun abgelebt, krank, müde, stimmlos, aber doch noch heiter genug Chamisso
w. 6, 216. — '
ohne geeignete stimme': Faust und Gretchen gingen an, aber Mephisto war ein stimmloser armer teufel D. Spitzer
ges. schr. (1912) 1, 217. '
ohne eigentliche sprachlaute': sie konnten es (
sich unterhalten) ganz ohne mühe in einer stimmlosen, schnalzenden sprache P. Alverdes
d. pfeiferstube (1929) 15. 22)
in der phonetik im unterschied zu stimmhaft,
von stimme A 5: die von einem stimmton begleiteten consonanten nennen wir stimmhafte, die von einem stimmton nicht begleiteten stimmlose Trautmann
die sprachlaute (1884) 74.
anders, nicht geläufig, von allen konsonanten im unterschied zu den vokalen: die mitlauter hingegen hieszen den Griechen die stimmlosen (
ἄφωνα) Aug. W. Schlegel im
Athenäum 1, 19. 33)
im unterschied zu stimmberechtigt (stimme E): er forschte auch gründlich nach der verfassung der compagnie, nach den stimmfähigen und stimmlosen mitgliedern Immermann 2, 45
Boxb.; viele unsrer mitbürger, bis sie sich etwa bessern möchten, für stimmenlos und nicht wenige zu nachtwächtern erklären Klopstock
gelehrtenrep. (1774) 37. —
allgemeiner '
nicht berechtigt, mitzureden': durch die vertheilung nach jenem plane wurden aber nun gegen vier millionen der besten Deutschen stimm- und lautlos; ... gegen diese ... stimmberaubung haben sich die fürsten ... zusammengethan Jac. Grimm
kl. schr. 8, 406; die weltliche behörde aber zur bloszen assistenz, ja zum stimm- und willenlosen strohmann herabzudrücken Kürnberger
siegelringe (1874) 494; vordem nannte man das litterarischen lug und trug, wodurch einer in der gelehrtenrepublik stimmlos ward J. H. Voss
antisymb. 1, 105.