steuerbord,
n.; meist an steuerbord '
rechter hand des schiffes (
vom heck nach vorne gesehen)', steuerbord,
adv.; heute auch in der luftfahrt; entsprechung zu backbord (
teil 1, 1080).
von steuer
ruder; die bezeichnung beruht darauf, dasz sich in alter zeit das steuer
auf der rechten seite des schiffes befand, vgl. beitr. 23, 224; Schrader
reallex. d. idg. altert.2 2, 482
b; Mitzka
dtsche bauern- u. fischerboote 56. —
bezeugt bei den seeanwohnenden Germanen. am ältesten von steor-
abgeleitet (
s. sp. 2603:
ags. steorbord,
ne. starbord;
dem entspricht lautlich: stierport
volksb. v. st. Brandan (
unten sp. 2614); stierboord Kilian (1605) 529; stier-
ò steurbord Kramer 2 (1702) 525
a.
sonst hat sich das wort im deutschen jedoch dem lautstand von steuer
angeschlossen: mnd. sturbord,
nd. stürbord,
nl. stuurboord.
dän. schwed. styrbord
aus dem nd.; altnord. stjórnborð
von stjórn- (
sp. 2603).
die roman. entlehnung franz. tribord,
it. tribordo,
span. estribord,
port. estibordo
ist auf *stiuri-
zurückgeführt worden, vgl. beitr. 23, 224;
doch ist solche form auf grund der bezeugung nicht als alt vorauszusetzen. —
im deutschen ist das wort seit dem 15.
jh. im mnd. bezeugt. stierburt
puppis st. Galler hs. des Heinr. summ. a. d. 12.
jh., ahd. gl. 3, 217, 5,
ist für stierburc
verschrieben (
s. steuerbrücke);
schon allein wegen der bedeutung '
puppis'
kann hierin kein zeugnis für steuerbord
gesehen werden (
s. sp. 2603).
das vorkommen im volksb. v. st. Brandan (
u. 2)
beruht wohl auf dessen mittelfränk. provenienz. erst im 17.
jh. kommt die hd. form steuerbord,
auch steuerbort
auf. —
von hd. lexicographen wird das wort häufig als masc. gen. bezeichnet, s. Ludwig teutschengl. 1861; Campe 4, 648
b; Mothes
ill. baulex. (1882) 4, 272;
doch schon bei Kramer 2 (1702) 969
b als neutr., dem genus von nd. bord
entsprechend. 11) steuerbord
steht zunächst als richtungsbezeichnung für auszerhalb des schiffes gelegenes, so schon im ags. Orosius: þá fór hé norðrihte be þaém lande, lét him ealne weg þaet wéste land on ðaet stéorbord,
s. Kluge seemannsspr. 753;
ebenso im seebuch ausschlieszlich in der wendung an steuerbord lassen, an steuerbord liegen lassen (
und so noch heute): item de dar wil segelen to Kalkesorde, de sal laten dat twe deel van den water an backbort, unde dat dorde deel an sturbort
seebuch 15
Koppmann; alse gy bynnen de haven komen, dar licht en sant, dat het Dingnissen sant, dat late gii liggen an sturbort
ebda 48;
in der gleichen wendung auch mit dem artikel (
vgl. im Orosius),
wodurch die anwendung als concreter (
s. u. 2)
erscheint: liessen am steuerbort die insul Schellingh und am packbort t' Vlie liegen, kamen also des nachts mit ziemlichen fortgang in die Nordsee Hesse
ostind. reisebeschr. (1687) 347; den 30. augusti bekamen wir frühe ein rivier Zagra, so hinter dem gestrigen eylande herfür kömpt, an den steurbort A. Olearius
verm. reisebeschr. (1696) 188.
in moderner sprache so nur vereinzelt: plötzlich tauchte am steuerbord voraus ein weiszes licht auf P. König
fahrt der Deutschland (1916) 82.
hierher: dasselbe (
grüne licht) musz so eingerichtet und angebracht sein, dasz es ein ununterbrochenes licht ... wirft, und zwar von recht voraus bis zu zwei strich hinter die richtung quer ab ... an steuerbord
seestraszenordnung vom 5.
febr. 1906
art. 3.
ungewöhnlich zu steuerbord: mit den kleineren dschunken hatten sich noch vier andere von ganz gleicher bauart vereinigt, die wir vorher zu steuerbord gehabt hatten
preusz. exped. nach Ostasien (1864) 1, 236.
in der modernen sprache auch absolut adverbiell: in zwei reihen, backbord und steuerbord voraus vor dem riesig aufragenden, qualmenden dampfer ... arbeiteten die fischer O. Enking
familie Behm (1920) 33; steuerbord (
des flugzeuges) glitt ein feuerschiff vorbei Karl Unselt
gewitterflug zu Claudia in Berl. ill. ztg. (1936) 1234. — nach, von steuerbord: sobald zwei dampffahrzeuge sich in gerade entgegengesetzter ... richtung so nähern, ... musz jedes seinen kurs nach steuerbord ändern, damit sie einander an backbordseite passieren A. Budde
seestraszenordnung3 (1913) 22; da auch der wind sich verändert von stuerboert auff backboort, macht er (
Frantz Drack) sägel und kam genädiglich von der klippen im meer C. Löw
meer- oder seehanenbuch (1598) 50; das dampfschiff Maria ... begrüszte das feindliche schiff in fürchterlich schnellen wendungen bald vom steuerbord, bald vom backbord mit so energischen lagen Gaudy 22, 118. 22)
auch innerhalb des schiffes wird steuerbord
meistens als richtungsbezeichnung angewandt. besonders im befehl zum ruderlegen: der schiffer sprach zu dem stürman: 'treib umb das ruder zum sturbort an'
Störtebekerlied (1582)
in zs. des ver. f. Hamb. gesch. 2, 289,
in anderer fassung: dreib auff das ruder zur stürbort an
Venusgärtlein 103
ndr.; der schiffer gab gleich ordre, das ruder an stürbort zu legen, uns aber hiesz er geschwind zu prassen an stürbort, das ist, die segel herum zu wenden E. C. Barchewitz
ostind. reisebeschr. (1730) 83; vom 1. april 1905 ab sind ausschlieszlich die kommandoworte 'steuerbord' und 'backbord' anzuwenden, soweit erforderlich mit den das masz des ruderlegens angebenden zusätzen A. Budde
seestraszenordnung3 (1913) 32; da hätte man nun ein geschrey von backbort, stürbort, von louv-an, und andern lärmen hören sollen, bis dasz uns endlich der ocean durch alle schiffe glücklich trieb, und wir auf stiller wasser kamen Brockes
ird. vergn. (1748) 8, 191; ich nehme den sprechschlauch nach der zentrale: ... 'steuerbordmaschine langsam voraus!' — 'ruder zwanzig steuerbord!' 'ruder liegt zwanzig steuerbord!' ... langsam dreht sich der grosze grüne walfischrücken (
des unterseebootes) ... und schiebt sich mit schlepperhilfe noch einmal über steuerbord nach achtern P. König
fahrt der Deutschland (1916) 22;
anders: mein flugzeug bekam einen mächtigen stosz und legte sich schwer nach steuerbord über G. Plüschow
flieger von Tsingtau (1916) 64. — steuerbord
kann zuweilen die rechte schiffsseite stärker als concreten gegenstand bezeichnen, doch zielt die anwendung auch dann immer nur auf die ortsangabe: dasz sich das schiff halb auff die eine seite neigete, dannenhero die stück durch nachlessigkeit der constabl, die solche nicht recht fast gemacht, losz wurden, von packport hinunder an stewerport und die schiszgatter aufflieffen J. G. Aldenburgk
westindian. reise 29
Naber; hernach zerbrach auch unser eine ruder am steuerboort, dann wir auff dieser juncke an jeglicher seite eines führeten J. Andersen
orient. reisebeschr. (1696) 92
Olearius; alle schiffe erhalten zwei buganker, den einen an steuerbord, den anderen an backbord liegend v. Alten
hdb. f. heer u. flotte 1, 369; he het hum van stürboord na backboord jagt
als narren behandelt W. Lüpkes
seemannsspr. (1900) 32.
mehr im sinne '
von der rechten seite her', 1
näher: nachdem es (
das schiff) solcher gestalt der wind zu seinem willen bekommen, gab er demselben, am steurbort, alsobald einen seitenschlag und warffs auff die seite E. Francisci
alleredelste unglück (1684) 47.
auch in stärkster gegenständlichkeit, als '
seitenbeplankung des schiffs auf der rechten seite, besonders soweit sie über deck hinausragt',
bleibt doch der eigentliche sinn des wortes die seitenbezeichnung: do sprach sant Brandon: nun eilent dester pasz mit dem schif, auf das sy uns nicht schiesend, wann es ist ein ängstlich volck und nimbt mich wunder, das sy got erkennet. was sol ich nun von got mit in reden? do trat sant Brandon an das stierport und redt mit in
volksb. v. st. Brandan (
um 1480) 185, 22
Schröder; hierauf legten wir unsere schiffe gleichfals hart aneinander, in der gestalt eines halben monden, und wandten dem feind unser steurboort zu W. Schultz
ostind. reyse (1676) 264; der erste (
eisberg), der etwa 36 fusz über die wasserfläche hervorragte, stiesz an das steuerbord des sehiffes und drehte es mit der breiten seite gegen den wind Friedr. Kries
Scoresbys tagebuch (1825) 307. —
dem echten bereich des wortes ferner: den pfarrer unterhielt es, die namen der vielen schiffe zu lesen, die jedes am oberen rande seines steuerbordes trug E. A. Roszmäszler
d. mensch im spiegel d. natur (1850
ff.) 4, 19; da schlug mit krachen schiff in schiff den bohrenden erzschnabel; anfing ein hellenisch schiff den sturm, risz einem Tyrier allen schmuck vom steuerbord Droysen
Äschylus 241; Brangäne schreitet dem steuerbord zu R. Wagner
ges. schr. 6, 7; da wurde die Fey ein grimmer nord, schlug brüllend an bug und steuerbord graf Strachwitz
ged. (1850) 56.