steifsinn,
m., '
der unbiegsame eigensinn' Kinderling 428,
unbiegsamer sinn, starrsinn Campe; bei Kinderling 59
unter die tadelhaften wörter gerechnet. häufig in der litt. der 2.
hälfte des 18.
jahrh.: gleichweit von familiärer lustigkeit und ernsten steifsinn
allgem. deutsche bibl. 37, 171; unter den felsen von Vauclüse ... dichtete Petrarcha seine schönsten lieder, um die abwesenheit seiner Laura zu beweinen, oder über ihren steifsinn sich zu beklagen Zimmermann
üb. d. einsamk. 4, 184,
s. auch 3, 197; sie ist bekannt, im guten verstande, unter dem weiblichen namen beharrlichkeit, — und im bösen, unter dem männlichen, steifsinn Bode
Tristram Schandi 1, 101 (17.
kap.); ich verlange durchaus herr im hause zu bleiben, ,.. nicht aus steifsinn, ..., sondern aus grundsätzen Sturz 1, 252 (
d. reise nach d. Deister 1778); auf diesem wege wird ... rechtschaffenheit leicht starr- und steifsinn Klinger 7, 51; er (
Beck) ... hängt nicht mit steifsinn an jeder kleinigkeit Iffland
brief v. 25.
oct. 1788,
s. schr. der ges. f. theatergesch. 6, 16; ihr steifsinn und ihre schmiegsamkeit gegen leute, die sie einmal schätzt Novalis 2, 72
Minor; und opfer bringt er (
der arzt) nie dem tode aus steifsinn für die regel dar J. A. Schlegel
verm. ged. 2, 369; zum henker! welcher steifsinn und verblendung! Schiller 13, 379 (
Tur. 2, 3).
nd. auch zur bezeichnung eines eigensinnigen menschen, s. brem. wb. 4, 1032; ten Doornkaat-Koolman 3, 313
a. —
dazu steifsinnig, adj., '
einen steifen sinn habend, zeigend; wie auch, darin gegründet' Campe,
starr-, eigensinnig. vereinzelt schon bei Luther: das ich tzu Worms gutten freunden tzudienst, auff das ich nicht tzu steyff synnig gesehen wurd, meynen geyst dempfet und nicht hertter und strenger meyne bekentnusz ... thet 10, II, 56, 18
Weim. (=
schr. 2, 90
b bezw. br. 2, 165),
dann wieder im 18.
jahrh.; von menschen: jemand stirbt stoisch, an einem geschwür am rücken, man begreift nicht, warum der mann so steifsinnig ist, findet aber nach seinem tode, dasz ihm der galgen auf den rücken gebrannt war Lichtenberg
aphorismen 5,
s. 85; es ist da mehrenteils nichts weiter zu tun, als einen solchen steifsinnigen pinsel blindlings handeln zu lassen Knigge
umg. mit menschen 1, 150; zwischen diesem etwas wunderlichen, steifsinnigen vater und einer jugendlich gemüthskräftigen mutter Ad. Schöll
Göthe s. 29.
mit abstracten, worin sich steifsinn zeigt: hierauf bemerkte Alexander, als er diesz steifsinnige stillschweigen wahrnahm Bode
Montaigne 1, 8.
adverbial: da ist ein mensch in einem tage hundertmahl auf die nase gefallen, und besteht eben so steifsinnig und unverrückt auf seine sätze als vorher 6, 253.
nd. stief-, stîfsinnig
brem. wb. 4, 1032. Schambach 210
b. ten Doornkaat-Koolman 3, 313
a. (
holl. stijfzinnig;
dän. stivsindet,
schwed. styfsint.) —