stecklein(steckel),
n. ,
deminut. zu oben stecken subst. 11)
in der oberdeutschen form stecklî
unten in den zusammensetzungen stecklibube
und stecklespringer.
mit apokope steckel, steckal (
neben steckelein) Schmeller
2 2, 726; steckel Comenius (1644)
reg., neben stecklein Stieler 2160.
hiervon zu unterscheiden bleibt das von Luther (
neben stecklin, stecklein)
gebrauchte steckel,
welches nicht nur in seinem geschlecht dem alten stecken
wieder angeglichen, sondern vielmehr mit dem l-suffix in geräthbezeichnungen gebildet scheint: dyse tragen den balken, ja vil balken in iren augen und sehen yr nit, aber den cleynen steckel ader ruthen in ires nehesten auge mugen sie nit vorgessen 2, 118
Weim.; das wortleyn aber 'virga' das hie stet, heisset nach latein eyn ruthe adder steckel als die richter ynn der hand tragen 9, 184
Weim. vgl. auch Hertel
thüring. sprachschatz 234. 22)
in der älteren form: das stäcklin
bacillus, bacillum Maaler 383
a; (
Jakob) nam grüne stecklin numen (
nur) halber geschelt, das eyn teyl rynd vnd das ander teil nit, zwiglen von jungen wilden böumlin, vnd macht sie sprencklecht, wie dye stattbotten steb tragen, halber grün vnd wysz Keisersberg
bilgerschaft 41
d; des stecklins ynn meynem aug künen sie nit vorgessen, aber der grossen balcken ynn yhren augenn wil niemant ynnen werden Luther 7, 627
Weim.; ein rütlin oder stecklin Fronsperger
kriegsbuch 2, X 2
b; Isaac geet an einem stecklin ein H. Sachs 1, 89
Keller-Götze; (
Tarquinius) helt eyn stecklin inn der handt vnd schluog den ölmagen al die heupter ab Carbach
Livius 21
b (1, 54); der künig hiess alle burger uss der statt züchen, jung und alt an stäcklinen, one gewer und hab Tschudi
chronic. helvet. 1, 76; etliche stossen ein rohr, holtz, papyr, grass oder sonst ein stäcklin mit öl geschmiert, in den wein, ist dann wasser darbei, so bleiben kleine blässlin oder tröpfflin an den gertlin hangen Herr
feldbau (1551) 102
a; es ist eyne regul, das man ... gross gewachsenen bäumen, welche gesetzt werden sollen, soll ... nichts mehr dann alleyn etliche stecklin eynes fingers lang lassen Sebiz
feldbau 370; (
im wandel mit stecken:) dann wann der schlitten zu schnell herablaufft, hebt er jhn mit dem stecken, oder so er sich anderswo hinauss, dann er sol, gewandt hat, bringt er jhn mit demselbigen stecklin wiederumb in rechten weg Agricola
bergwerckbuch 131; do mit ich nit vergesz hieby den grossen bschissz der alchemy die macht das sylber, golt, uffgan das vor ist jnn das stäcklin gtan Brant
narrenschiff 102, 52.
das heutige stecklein
picciolo bastone Hulsius (1618) 238
b,
bacillus Corvinus
fons latin. (1646) 102;
stecchetto, steccarello, bastoncello, bastoncino Kramer
dict. 2 (1702), 923
b;
bacillus Frisch 2, 326
a; denn wyr sehen, wie die papisten geschickt sind, das sie den balcken ynn yhren augen stehen lassen und mit ganzem vleysz suchen unnd scharren, ob sie eyn kleynisz stecklein ynn unszern augen finden mugen Luther 8, 681
Weim.; die alt hex kumpt, klopfft mit ihrem stecklein H. Sachs 14, 202
Keller-Götze; mit einem stecklein oder rütlein Thurneysser
magna alchymia 31; zween wörffel von einem stäcklein geschnitten Nigrinus
von zäuberern 323; mische es (
das pulver) darnach in einer schüsseln vnder einander mit eim stecklein Wallhausen
kriegsmanual 56; ein stecklein von dorn Aitinger
jagd- und weidbüchlein (1681) 49; stecklein reiten
in arundine equitare Dentzler (1716) 273
b. 33)
in seiner besonderen bedeutung ist hervorzuheben: 3@aa) stecklein
als rechtliches symbol wie oben stecken
subst. 10
c (
sp. 1295): die besatzung liess man mit weyssen stäcklin abziehen Stumpf
Schwytzerchron. 28
a;
vgl. auch unten steckleinspringer. 3@bb)
sprichwörtlich, zur charakterisierung von körperlichem und moralischem schmutz: wenn er eigentlich gewuszt hätte, was sie (
seine frau) für ein wüstes reibeisen, ... eine faule sau sei, er hätte sie mit keinem stecklein anrühren mögen Gotthelf 2, 363; wie die heilige Elisabeth ... so hegte auch Jukundus eine wahre zärtlichkeit für seine räudigen und ging täglich mit leuten, die er früher, wie man zu sagen pflegt, nicht mit einem stecklein hätte anrühren mögen Keller 5, 314.
vgl.stecken subst. 5
d sp. 1293. 3@cc)
in technischer sprache: stecklein, nagel an der lauten
piole, pirole del luto Hulsius (1618) 238
b. 3@dd)
obscön (
entsprechend stecken
subst. 18
sp. 1298): o sprach si, ich ampfind solch frost zu untarst inn meim fell unt secklin tas mir tas hirn harum farroscht, vnt es nicht wärm mit kainem päcklin, ta untarstuzt mans mit aim stecklin, unt reucherts mit aim ruben rauch, er kroch in sein höl wie ain schnecklin tas er ta witar wärm tän bauch
Gargantua 46 (2)
neudr. vgl. dazu noch: die alten flecklein und die alten stecklein haben dannoch ihre häcklein Abrah. a S. Clara
etwas für alle 2, 38. 44)
in weiterer zusammensetzung: steckelmann, m., wie oben steckendiener
und steckenknecht: ich liess euch ... durch den steckelmann zum tempel hinausjagen Wagner
theaterstücke (1779) 91. —