stählern,
adj. von stahl; jüngere, auf das nhd. beschränkte bildung für das ältere stählen,
s. das., kommt zuerst ganz vereinzelt bei Luther
vor: es sind eyserne, ja stelerne hertzen, herter denn ein ambosz. 28, 240, 18
Weim. ausg. das unmittelbar daneben stehende eisern
giebt anlasz und muster der umbildung. sonst erst wieder in der 2.
hälfte des 17.
jahrh. belegt (Rist 1653, Butschky, Fleming, Olearius).
in den wörterbüchern erscheint stählern
zuerst bei Hulsius (1616) 305
b als nebenform zu stählin,
s.stählen;
ferner: stälern,
adj. et stälicht,
adj. et adverb. ex chalybe, quasi chalybeus, instar, et ad modum chalybis. Stieler 2117; stählern, stählin, stälin,
adj. (
fatto, fabricato etc.)
di acciaio. Kramer
dict. 2, 903
c;
ferreus, chalybeus Steinbach 2, 656.
mundartlich nur ganz vereinzelt aufgeführt, aber sicher weit verbreitet: els. stä(h)lere(n) (
in Colmar štalərə) Martin - Lienhart 2, 588
b,
nd. waldeck. staelərən Bauer-Collitz 98
b. 11)
im eigentlichen sinne. von waffen: ich hatte eine stählerne streit-kolbe (
keule) anhangen, die ... war ... so gewichtig, dasz ich einen jeden, dem ich eins damit versatzte, gar leicht tod schlug.
Simpl. 2, 102, 28
Kurz (5, 21); und wie ist seine (
des Römers) stählerne lanze zum tode gespitzt! Klopstock 9, 221 (
Herm. u. die fürsten 2); so reiche denn die blinkende rüstung auch mir! auch mir das schwert und den stählernen speer! Bürger 278
a.
so mit bildlichem ausdruck: an Salomos lager wache halten die schwertgegürteten engelgestalten ... sie schützen den könig vor träumendem leide, und zieht er finster die brauen zusammen, da fahren sogleich die stählernen flammen, zwölftausend schwerter, hervor aus der scheide. Heine 1, 421
Elster (
lamentat. 10).
im bilde: hat dich nun auch geschlagen der schickung stälern stab, musz in gedult-ertragen die beste lind'rung seyn. Postel
Wittek. 116 (5, 442).
vom helme: es mag sich schrauben dein herr im harnisch ein, er mag in stälern hauben und schilden seyn versteckt. 37 (2, 402); kein mensch vermag zu sagen, ob er nicht des helmes braucht. ein stählern dach fürs haupt ist jetzo mehr werth als ein steinern haus. Schiller 13 179 (
jungfrau v. Orl. prol. 3); nicht übel gefiel mir das neue kostüm der reiter, das musz ich loben, besonders die pickelhaube, den helm mit der stählernen spitze nach
oben. Heine 2, 436
Elster (
Deutschl. 3).
von der rüstung auf den durch sie geschützten menschlichen leib übertragen: hättest du sie an die stählerne brust gedrückt, du hättest ein geschlecht von königen erzeugt. Kleist 2, 213
Schmidt (
Käthchen 2, 1;
vorher: ihr bilder meiner geharnischten väter). —
sonst von allerlei gerätschaften: stählerne werkzeuge, geräthe, waffen. Campe; stählerne instrumentlein,
stromenti, stromentucci, st[
r]
omentini di acciaio. Kramer
dict. 2, 903
c; stählerner degengriff, stählerne schnallen, stählerne tabacksbüchsen
etc. ebenda; stählerne spiegel.
ebenda. Jablonski 745
b; diese (
leuchter) nahm sie heraus, und die stälernen schneuzen mit federn. Voss 1, 126 (
Luise 3, 67). die damen (
sind in den alten schlössern gemalt) mit steifem toupet, stählernem korsett, das ihr herz zusammenschnürte. ... wenn wir die neuen werke betrachten, die sich neben den alten erheben, so ist's, als würde uns eine schwere perücke vom haupte genommen und das herz befreit von stählerner fessel. Heine 3, 217
f. Elster (
Italien 1, 2). stählerne knöpfe. Adelung. Jacobsson 7, 421
b (
vgl. stahlknöpfe): rasch nun warf sie das leichte gewand von der schulter, fein und olivengrün, umglänzt von stälernen knöpfen. Voss 1, 138 (
Luise 3, 173). stählerne schnallen. Kramer (
s. oben). Campe; eine stählerne urkette.
ebenda; als er nun aber ... die uhr am bettpfosten aufhängen wollte, hatte die stählerne kette sich in einen goldnen ring verhäkelt, den er am kleinen finger trug. Storm 5, 98. zur zeit, wie Arist in Paris gewesen war, hatte man eben die spinnräder erfunden, welche die damen mit sich in gesellschaft trugen, auf dem schoosz setzten, und mit einem stählernen hacken an eben derselbigen stelle befestigten, wo jetzt die uhr zu hängen pflegt. Möser
patr. phant. 1, 53; auch stählerne haken wurden an stangen herabgelassen und den belagerern in den leib geschlagen. Freytag
bilder 2, 1, 292. stählerne nähenadeln,
agucchie, aghi d'acciaio. Kramer
dict. 2, 903
c; stälern drat,
filo d'acciaio. ebenda; stählerner draht, '
draht der nach art des eisendrahts ... aus stahl gezogen, aber nur selten zu etwas anders als saiten der instrumenten gebraucht wird, zu gröberer arbeit wird er etwa zu fischangeln und, wenn er dick ist, zu pfriemen verbraucht'. Jacobsson 4, 247
b; stälerne saiten,
fides ferreae. Stieler 2117. Frisch 2, 315
c,
corde d'acciaio Kramer
a. a. o. mit bildlichem ausdruck: meister Hämmerling ... wurde herbeigerufen, durch die stählernen argumente seiner beredsamkeit ihn zu vermögen, ... sich um den hals zu bekennen. ... da der peiniger im begriff war, ihm die daumenstöcke anzulegen ... Musäus
volksm. 1, 24
Hempel. 22)
oft übertragen: stälern ...
metaph. durus, rigidus, saevus, crudelis. Stieler 2117. 2@aa)
im ausgeführteren bilde: betagte leute können mit gutem rath, und jünglinge durch die krafft ihrer arme einen stählernen grundstein setzen. Olearius
baumg. 23
b (1, 33); die stählerne brücke der hoffnung zerfällt. Günther 933.
hart, fest wie stahl, eigentlich: aber da grollte es mächtig vom wasser her, als wenn viele schwere schiffe durch die vereiste stählerne see bahn brächen. Frenssen
Hilligenlei 93. 2@bb)
vom menschlichen leibe, härte, festigkeit, kraft bezeichnend; besonders von muskeln: mir kam es vor, als sei plötzlich jeder muskel dieser durchsichtig zarten gestalt stählern geworden. Marlitt
heideprinz. 171; er strahlte förmlich von frischer, gesunder kraft und elastizität, seine sehnen schienen stählern. E. v. Egidy
Ilse Bleiders 258. 2@cc)
mit bezug auf den eigenthümlichen glanz des stahls: der abglanz fremder groszer zeiten und gewaltiger menschenschicksale stand in seinen schönen stählernen augen. Frenssen
Hilligenlei 44,
vgl.: und die augen haben auch noch den stählernen glanz.
sandgräfin 125.
ähnlich auch: kennt ihr sein vaterland, so kennt ihr ihn. scharf ist die luft, durchsichtig klar und stählern. Fulda
neue ged. (1900) 155 (
Henrik Ibsen). 2@dd)
meist ins ethische gewendet. so besonders stälern herz,
cor inexorabile, inhumanum. Stieler 2117; ein stählernes hertz,
cuore d'acciaio, cioè duro, crudo, inflessibile, inesorabile etc. Kramer
dict. 2, 903
c,
vgl. oben den beleg aus Luther;
ferner: du hast dieses mein neugemachtes lied dermassen wol gesungen, dasz es nicht fehlen kan, es musz das stählerne hertz meiner unvergleichlichen Rosemund dadurch zu wachs ... gedrukket werden. Rist
friedejauchtz. Teutschland (1653) 163; dasz ihr herz war stählern, — rechnete ich ihr nicht zu den fehlern. Rückert (1882) 11, 270 (7.
mak.); des flehns der liebe hätt' ich nimmer acht, wenn stählern dein herz meines hart gemacht! Freiligrath
5 6, 203.
ähnlich: zu den waffen! zu den waffen! die arme müssen sich erstraffen und stählern alle brüste sein. Arndt
ged. 159; stählern ist die brust, und jedes schmerzes pfeil entprallt unmächtig. Chamisso 4, 194 (
Faust); ein mann, den Lavater und Knebel einen helden nannten und der selbst der stählernen seele Napoleons des ersten den ruf abnötigte: 'voilà un homme!' Bielschowsky
Goethe 1, 2;
auch vom menschen selbst: sie (
Egle) lockt den stählernen sittenrichter in ihre arme. 83.
so mit kühner steigerung: nein. wir sind felsz, und stählerne[r] als stahl. Fleming
ged. 573. 2@ee)
mit abstracten verbunden: Piet Boje ... wurde knochig wie ein junger jagdhund ... und blieb bei fester, stählerner kraft. Frenssen
Hilligenlei 149.
in folgender stelle dem sinne von '
stählend'
nahekommend: ein frohmuthiges geschlecht stieg vor dem nächtlichen denker (
Fichte) herauf, durchädert von den zartesten familienregungen und gefestigt von der stählernen kraft des gemeinsinns. Auerbach
neues leben 2, 8.
kühn zur charakteristik von handlungen (
elastisch wie eine stahlfeder 1): als ... ein kleiner hagerer cavalier an ihm vorüberschosz und mit einem stählernen sprung auf der brücke stand. C.
F. Meyer
Jenatsch 101. —
von einem zeitalter, für das gewöhnliche eisern (
theil 3, 375): zu den alten güldnen zeiten, ist das böse veracht, und das gutte hérfürgezogen worden; aber zu dísen stälernen, ist der fróhme veracht. Butschky
hochd. kanz. s. 313. 2@ff)
ganz vereinzelt in adverbialem gebrauche: fährlichkeiten, abenteuer, leidenschaften und gebärden waren unerschöpflich neu in den stählern fest verschränkten weichen armen Rosalorens. Keller 10, 165 (
apoth. v. Cham. 1, 1).