spitzkopf,
m. 11)
spitzer kopf. 1@aa)
nach spitz,
adj. 1,
b testa puntuta. Kramer
deutsch - ital. dict. 2 (1702), 874
a,
kopf, der spitzig zuläuft. Adelung,
in eine spitze ausläuft. Campe. 1@bb)
nach spitz,
adj. 2,
a oder b, im bilde sinnlicher bedeutung genähert: wenn der kalender mit seinem spitzkopfe, oder mit dem stücke kieselstein, das er statt des herzens im busen trug, wider ihn (
Danischmend) stiess, hatte dies wenig schwierigkeiten. Wieland 8, 246 (
Danischm. 29.
kap.). 22)
der einen spitzen kopf hat. 2@aa)
nach spitz,
adj. 1,
b. 2@a@aα) spitzkopff, der eyn lang spitzig haubt hat,
cilo. Dasypodius,
qui ha la teste longue et ague. Hulsius (1616) 303
b, spitzkopf,
cilo Stieler 1012. Frisch 2, 304
b,
person mit einem spitzig zulaufenden kopfe. Adelung ('
im gemeinen leben'),
mensch, dessen kopf an einer oder der andern stelle eine ecke oder scharfe hervorragung zeigt. Campe. 2@a@bβ)
als bezeichnung von thieren. 2@a@b@aaαα)
die hamstermaus, obmaus, mus furunculus. Nemnich 2, 653. 2@a@b@bbββ)
eine art des schleimfisches, die meerlerche, der seegründel, blennius pholis. 1, 624. 2@a@b@ggγγ)
eine art der heuschrecken (
gryllus)
mit konischem kopfe, acridae. 2, 81. 2@a@b@ddδδ)
ein vogel der gattung motacilla, motacilla Kamtschatkensis. Campe. 2@a@b@eeεε)
eine gröszere fischgattung, zu der die störe, haie, rochen gerechnet werden, halsmäuler oder spitzköpfe. Oken 6, 73. 2@a@b@zzζζ)
eine gattung der greifaffen, spitzköpfe oder brüllaffen,
onycetes. 7, 1730. 2@a@b@hhηη)
die haubenlerche, alauda cristata, in Ost- und Westpreuszen. Frischbier 2, 354
a. 2@a@gγ)
in bestimmten freieren gebrauchsarten. 2@a@g@aaαα)
spottname für den gendarm, in Ost- und Westpreuszen. Frischbier 2, 354
a,
wol wegen seines helms. vgl. spitzhaube. 2@a@g@bbββ)
in dem für nd. gegenden bezeugten brûsbartspiel,
einem kartenspiel, die kreuzdame, die auf deutschen karten einen spitzen hut hat. Frischbier 2, 354
a oder der treffbube. korrespondenzbl. des vereins für nd. sprachf. 10, 70. 2@bb)
nach spitz 2,
a, häufiger nach b huomo sottile, acuto. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 874
a,
homo acutus, subtilis Frisch 2, 304
b,
arglistige, spitzfindige person Adelung,
spitzfindiger mensch Campe,
kluger, überkluger, verschlagener, schlaukopf, in der heutigen schriftsprache veraltet, nd. (
in Pommern) spitzkopp,
der feine und listige anlagen machen kann. Dähnert 449
b; (
in Holstein) spitzkopp,
mensch der leicht begreift, lernt. korrespondenzbl. des vereins für nd. sprachf. 15, 35: (
mit bildlicher anlehnung an spitz 1,
a:) also haben sich die spitzköpffe aneinander gewetzt, das die sophisten haben müssen ein wunderzeichen ertichten, wie (
beim abendmahl) das brot vergehe, und lasse sein wesen zu nicht werden. Luther 3, 485
b; so hör ich wol, welcher etwas guots lert und Paulum herfür zeucht, der ist (
nach der ansicht von gegnern Luthers) ein fantast, so wöll got dasz vil fantasten werden, dasz si die witzigen spitzköpf zerbleuten! Schade
sat. u. pasqu. 2, 124, 13; würden alsbald die spitzköpf und ubermütigen hochtrabenden geister .. mir hinderrücks fürwerfen. Thurneisser
von harnen (1571)
vorrede 9; damit man sehe, dasz die Teutschen keine barbari und tramontani sempii (wie uns etliche, ihnen und den jhrigen selbst liebkosende auszländer nennen) noch also stumme leute seyen, die jhre kunst und geschicklichkeit nur allein in der faust, oder in den fingern haben, sondern dasz sie
auch, wann es von nöthen thut, einen solchen spitzkopff mit rath und that, mit wort und wercken beschlagen können. Zincgref
apophthegm. 1 (1639),
vorrede ** 4
b; saget er nicht selbst, er habe bey dem gubernator zu Hanau, den aller - verschlagensten soldaten in der welt, lernen auf der lauten schlagen? was vermeynet ihr herren wol, was er sonst bey denselben spitzköpffen vor listige practiquen ins werck zu setzen begriffen habe?
Simpl. 1, 216, 11
Kurz; wenn es nicht wider unsre freyheiten wäre, so wollt' ich der erste seyn, der darauf antrüge, dass man alle diese spitzköpfe (
philosophen) zum lande hinaus jagte. Wieland 19, 245 (
Abder. 2, 7); eh' es einem ihrer politischen spitzköpfe einfiel, die frage aufzuwerfen: ob eine grenzenlose vermehrung der froschmenge dem staat nicht vielleicht mehr schaden thun könnte, als die vortheile, die man sich davon versprach, jemahls wieder gut zu machen vermöchten? 20, 192 (5, 1); den guten Sokrates, der hier (
bei Plato) als das ideal eines naseweisen attischen spitzkopfs erscheint. 35, 78 (
Arist. 3, 7); mit bloszen guten verständigen ehrlichen biedermännern vom gewöhnlichen Schweizer-schrot und korn ist euch (
Schweizern) so wenig gedient, als mit spitzköpfen, schwärmern, democratischen knollfinken oder vernagelten Berner und Friburger aristokraten. Wieland
bei Zolling
Kleist in der Schweiz 150 (
brief an seinen sohn Ludwig vom 10.
juni 1802); da haben ihm (
Lavater) nun die spitzköpf', die Berliner, drauf geantwortet, dasz es mit dieser untersuchung der thatsach' (
ob Gaszners wesen mirakel sei) so viel als nichts sey, und der forscher so klug wieder heimkehren werd' als er ausgereist sey. Musäus
physiogn. reisen 1 (1788), 39; dem sinkenden durch klügelnde spitzköpfe und überfeinerte weltlinge .. untergrabenen bilder- und götterdienst. Böttiger
bei Campe; wo das denken gänzlich aufhört, haben die spitzköpfe eben so sehr gewonnen, als wo das verkehrtdenken anfängt. Seume 10 (1827), viii; du bist ein spitzkopf, wie ich merke, und brütest über irgend einem feinen stückchen. Wieland 34 (1857), 288 (
Aristophanes Acharner 2).
im gegensatz zu plattkopf: das wissen die spitzköpfe unter den herren gar trefflich zu amalgamiren: die plattköpfe haben es gar nicht nöthig, die nehmen es starkgläubig geradezu. Seume
spazierg. 2, 63,
zu rundkopf: der, wie billig, an den groszen grundsatz erinnert, dasz jeder rundkopf seines spitzkopfes bedarf, aber dieser gewöhnlich mehrere rundköpfe gebraucht. Benzel-Sternau
bei Campe
unter rundkopf.
ironisch von einem, der sich einfältig benimmt: ein solcher spitzkopff war jener schulmeister zu Heidelberg, welcher etliche schweine mit brillen kaufte, die die frau, wie er sie hereinbrachte, nicht haben wollen, weil sie zu klein, und nur brillenmäszig gewesen, wie er dann selbst bekennen müssen, wann er die brille von der nasen thue, dasz es lauter spanfercklein wären.
Simpl. 3 (1685), 744.
als schelte: lauf hin, du spitzkopf! .. er hat einen sparren zuviel. Gotter 3, 166. 2@cc)
spottname für die reformierten. Kramer
deutsch - ital. dict. 2 (1702), 874
a. Frommanns
zeitschr. 3, 483 (
Elsasz),
auch calvinischer spitzkopf,
so in der gegend von Darmstadt, nach Kramers
ansicht, weil sie sich nicht von einer lehre überzeugen lassen, ohne sie genau zu prüfen, demnach im anschlusz an b, vielleicht unter einflusz von Luthers polemik über die auffassung des abendmahls, wo er gern die anschauungen der gegner als spitz, spitzig,
spitzfindig bezeichnet. vgl. auch den ersten der unter b angeführten belege. einen gegensatz dazu bildet jedenfalls der spottname für die Lutheraner dickkopf, lutherischer dickkopf.
das kann auf Luthers verhalten im abendmahlsstreit gehen, das den gegnern als dickköpfigkeit, starrsinn erscheint. es läszt sich dabei auch an die äuszere erscheinung Luthers, seinen starken kopf denken (
vgl. oben theil 2, 1082),
und so mag denn bei spitzkopf
in der hier in frage stehenden anwendung der gedanke an das äuszere Calvins, das hagere gesicht mit dem langen spitzbart mitspielen. bremischer localwitz bringt die beiden bezeichnungen in beziehung zu den einander benachbarten hauptkirchen für die vertreter der beiden bekenntnisse: doom, dickkopp, leven froen, spitzkopp. Heinr. Schmidt
kinder- u. ammenreime (
Bremen 1836) 55.
der dom, die hauptkirche der Lutheraner, hatte vor dem umbau einen dicken thurm mit rundlichem dach, der thurm der reformierten liebfrauenkirche hat ein spitzes, langes dach. 2@dd) spitzkopp
ist in Mecklenburg eine bezeichnung des teufels. korrespondenzbl. des vereins für nd. sprachf. 15, 27
b,
vielleicht wegen seiner spitzen hörner oder im anschlusz an b.