Wossidia
Sparling Pl. -s
m. Sperling; meist Haussperling, passer domesticus, aber auch Feldsperling, passer montanus; Aussprache spāliŋk, in der Regel mit hellem, doch auch mit dunklem ā, daneben
spalliŋk Wo.
V. 2, S. 390. 1. Bezeichnungen a. Scherz- und Scheltnamen: Jochen, Philipp, Hans (Johann) Driest, Dackpeter, Korl Schilling, Stratenjung', gris' Daglöhner, de Gris', Johann
Kloppstart, Dickkopp, Jiper, Jirjalk Wo.
V. 2, S. 390;
Dacklöper HaHagenow@HoortHoort;
-perrer Schö Schönberg@HerrnburgHerrnb;
Duckser StaStargard@GrünowGrün. b. Syn.: Lüning, Spallducks, Spatz, Spuutz(er); für den Haussperling Hussparling, Dacklünk; für den Feldsperling Bom-, Brak-, Feld-, Kranz-, Kringelsparling;
vgl. D. WA. 15, 11. c. Reit-, Ruhrsparling bezeichnet keinen Sperling, sondern die Rohrammer, emberiza schoeniclus, und verschiedene Rohrsänger, acrocephalus. 2. Deutungen des Sperlingsrufs:
Schilling, Schilling Wo.
V. 2, 964; Dieb, Dieb, Dieb 965; Pip, pip, pip, Giff mit wat ut de Kip, Kip, Kip 970; is Tit, is Tit 976; tell, tell, tell den Delf, Delf, Delf, Dieb, Schillk 967; Buer, Buer, Leihn mi din Schuer 972. 3. Sprachbelege; am frühesten als PN. bezeugt: 'Hinricus Sperlinch' (um 1260) Tech. Stadtb. 57; 'iohannes (dictus) sperling' (1285) Brockm. 97; erster Beleg für die Bezeichnung des Vogels: passer 'Lninck, Sperlinck' Chytr. 382; Sparling Mi 84
a;
Spaarling Siemss. Vög. 122; Zand. Vög. 557; Schill. Kr. 2, 15
b; Sparling Arch. Landesk. 15, 161; Wü
stn.-Clod. 162;
Schparling Blume 78. 4. in Vgll.: früher güngen de annern Kinner (die nicht Hoferbe waren) as 'n naakten Sparling von de Städ' Gü; veel Vergnögen, ... As Sparling up den Dörpern sünd (1742) Kohf. Hg. 28, 2
b; dee ett nich mihr as 'n Sparling GüGüstrow@GülzowGülz; lustig as 'n Sparrling in de Weithock Bri. Volkssp. 30; dat (sehr schwache Düngung) is, as wenn de Sparling meßt StaStargard@VipperowVipp; dat rägent, as wenn 'n Sparling pißt Ma; he smitt sick inne Bost as 'n Spalling in 'n Pierd'meß LuLudwigslust@Groß LaaschGLaasch; du busselst di dor in as de Sparling int Swœlkennest RoRostock@RibnitzRibn; dat lett sick nich ünner dei Mütz fangen as 'n Sparling SchwSchwerin@PampowPamp. 5. Rdaa.: hest du (Junge, der die Kopfbedeckung nicht abnimmt)
Sparlings unner 'n Hot? Wo.
V. 3, 1278; jem. hett 'n groten Sparling ünner dat Dack (ist verrückt) Bri. 2, 127; denn' (einem Reizbaren) is de Sparling up 'n Dack in 'n Wäg' WaWaren@Groß FlotowGFlot; nu (wenn der Gutsherr verreist) danzt de Sparling up 't Dack Wa; dee will Sparlings gripen gähnt Wa; he (schlaftrunken die Arme hebender Junge) jöggt Sparlings weg Wa; dat (kleine Speisemenge)
is wat för 'n Sparling Wa Waren@RöbelRöb; dat is allerhand Wust von eenen Sparling Abfertigung für den Aufschneider WiWismar@NeuklosterNKlost; wo hebben wi tausamen Sparlings hött? Ablehnung der Anrede 'du' RoRostock@LangsdorfLangsd; dor (an häßliche Frau) gahn de Sparlings nich ran Ro; dor (unter großem Hut) kœnen jo de Sparlings unner bugen RoRostock@DierhagenDierh; dor (durch schlecht gesponnenes Garn) hest (Spinnerin) all wedder 'n Sparling dörchlopen laten Wa; dor (auf kaum gedüngtem Acker) möt de Sparling mesten RoRostock@NeuendorfNeuend; dor (in armer Wirtschaft) hungern de Sparlings inne Schün dot NeuhP; dee lett 't Mul hängen, dor kann 'n Schock Sparlings up sitten HaHagenow@RedefinRed; dee hett ne Näs', dor kann 'n Schock Sparlings up danzen RoRostock@GresenhorstGres; wohr di man, dat di de Sparlings nich angahn HaHagenow@RedefinRed; dat is ne Küll, dat de Sparlings ut de Luft fallen Wa; is 'n Wind, dat de Sparlings in de Rœd' bugen sagt der Müller bei Windstille Wa; wi willt em man einen rœwerbrennen, dat de Sparlings von 't Dack fleigen sagt der Schmied SchöSchönberg@BörzowBörz;
vgl. Kamasch (
Bd. 4, 62); (etw. wird geschehen) wenn de Sparlings witt warden (niemals): H. Schrö
d. Buerh. 1, 82; Treueversicherung beim Brüderschafttrinken: (dies solle gelten) beth dee Sparling wegtheen (für alle Zeit) Mantz. Ruh. 14, 77. 6. Sprww.: de Sparling is äbensogot 'n Vagel as de Adebor WiWismar@PoelPoel;
vgl. angeln (
Bd. 1, 315); Duw (2, 607); galstrig (3, 29); Himmel (3, 687); Kreih (4, 651); naakt (5, 3). Beispielsprww.: 't ward di woll jœken, säd' de Sparling, as he den Adebor träd't hadd' GüGüstrow@GülzowGülz;
vgl. Puff (
Bd. 5, 629); wir dat œwer 'n Füer, säd' de Sparling to 'n Adebor, dor brennt di 'n Knuppen Holt as min Been dick un dor noch lütt Holt bi Wo.
V. 2, 103
d. 7. bildl. und übertr.: dat (Unersättlicher) is 'n nimmersatten Sparling WaWaren@SchwarzSchwarz; Sparlings Ökelname der Darßer, der Einwohner der Darßdörfer: Wo. Seem. 1, 132; mit erklärendem Zusatz dee sünd ok so frech RoRostock@WarnemündeWarn; Ribn;
vgl. pluddern
2 (
Bd. 5, 505); auch Ökelname der Einwohner von WaWaren@RöbelRöb; Noss; PaParchim@GlaveGlave; Sparling der vierte Finger im Fingerreim Wo.
V. 3, 295. 8. Sparlings
blassen Fopperei
s. blassen 2 (
Bd. 1, 929). 9. der Sparling in Volksphantasie und -glauben; auf die Frage des Kindes Wer hett lütt Swesting bröcht? wird in storchenloser Jahreszeit die Antwort gegeben Hest du de Kutsch mit de söß Sparlings nich seihn? StaStargard@SadelkowSad; den fortziehenden Störchen wird angeblich von den Sperlingen eine Strecke weit das Geleit gegeben Gü; sitzen viele zusammen, sagt man, sei hollen Schaul; ... hollen ehr Kirch af; ... sitten up 'n Rat Wo.
V. 2, S. 391; Wetterregel: wenn de Sparlings Schaul hollen, ward 't rägen Ro; Aberglaube: de Sparling bickt ant Finster, dat gifft 'n Doden RoRostock@GresenhorstGres; 'n witten Sparling up 'n Hoff bedüd't 'n Doden GüGüstrow@SchwaanSchwaan; wenn 'n witten Sparling sick wis't, gifft 't Krieg StaStargard@GrammertinGramm. Krebse als Sperlingsscheuche
s. Kräwt 1 d (
Bd. 4, 642); Sperlingsbekämpfung
s. Sparlingskopp. 10. FN.: Sparlingsbarg, -dannen, -dik, -hoff, -horst, -togg, -winkel, -wisch. — Mnd. sperlinc. — Dä. 445
a; Kü. 3, 210; Me. 4, 726.