seligen,
verb. zu selig,
felix, beatus, ahd. saligôn
neben gasaligôn,
beare, benedicere Graff 6, 181,
mhd. sæligen,
verkürzt sælgen,
selig machen, beglücken, segnen. Lexer
mhd. handwb. 2, 583,
im 15.
jahrh. seligen,
beare Dief. 70
b,
daneben, dem in oberdeutschen mundarten bis heute gewahrten salig
entsprechend, saligen,
salvare. nov. gl. 325
b,
beare voc. von 1445
bei Schm.
2 2, 252,
im älteren nhd. wie das adj. auch mit ee
geschrieben: gesund machen, seeligen, heilen, helffen, curirn, artzten. Henisch 1581, 61,
von Stieler
als ungebräuchlich bezeichnet: seligen,
vitam beatam facere, sed simplex in usu non est, verum compos. beseligen,
beare, felicitare. 1993.
auch heute ist nur das letztere üblich. mnd. saligen, seligen Schiller - Lübben 4, 16
a. 183
b. 11)
im sinne von selig II, 2,
α.
β,
glücklich machen. in deutlicher beziehung auf äuszeres glück, erfolg: vortmer salighede uns got .. dat we dat slot wunnen.
quelle von 1373
bei Schiller-Lübben 4, 16
b; wert, dat uns god zeligede, dat wy dat slot bekrefftigeden.
quelle von 1393
ebenda; were ock dat uns god seligede, dat wy dem greven vangnen aff vencgen.
quelle von 1400
ebenda. tiefer: bisz gegrüst du gottin Venus ... ein hail der menschen sey gegrüst, wo anderst seligen die wollüst. H. Sachs 1 (1558), 217.
mit mit
und dativ verbunden: die fünft wirdichait (
der heil. jungfrau) ist, daʒ si gesæliget ist mit allen tugenden. Megenberg 61, 27; du hast mich gesæliget mit einem wib und schwecher.
quelle bei Lexer
mhd. handwb. 2, 583. 22)
nach II, 2,
b, des ewigen heils theithaftig machen. 2@aa)
allgemein, mit einschlusz des irdischen lebens. von gott: overste konnick, du seligest de levendighen, du bekerest de sundere.
quelle von 1485
bei Schiller-Lübben 4, 183
b; gott aber seliget nur die verdampten, nicht als etliche sagen, das sie sich achten als verdampten, und doch selig sind, sondern sie sind verdampt, und ist nicht da ein ertichtet achten. Luther 1, 30
a; seyt du (
Christus) kamest völler senftmüt, du sun David, zu seligen uns sündig leüt sprachst. H. Sachs 22, 105, 22
Keller-Götze. von dem in Christus personificierten wort gottes: darauss leichtlich abzuonemen ist, das Christus gottes wort ist, das do säliget. Franck
paradoxa 84
b.
von der taufe: denn wo die tauffe recht und nutze were, und seligete die kinder (wie wir gleuben) und ich thete sie abe, so were ich schuldig an allen kindern, so on tauffe verloren würden. Luther 4, 329
b.
von guten werken, nach protestantischer auffassung abgelehnt: es werden uns gute werck nicht seligen, denn aus gnaden sind wir selig worden. Agricola
sprichw. (1534)
nr. 234.
passivisch: also werden gesäligt die, so die augen des glaubens fest auff Christum haben. Spalatinus
übers. von Melanchthons anweisung in die heil. schrift (1523) 83; godt hevet syne sone gesandt, datte werlt dorch one solde gesalyghet werden.
quelle von 1526
bei Schiller-Lübben 4, 16
a; wer nu hat des schöphers huld, der ist geseliget ewenklich: zelôn wirt im das himelrich. Hugo von Montfort 4, 157.
mit sinnverwandten ausdrücken verbunden: swenne sich der mensche bekêret von ime selben unde von allen geschaffen dingen, als vil dû daʒ tuost, als vil wirst dû geineget unde gesêliget in dem fünkelîn der sêle, daʒ zît noch stät nie beruorte.
mystiker 2, 193, 32; da sagt er (
Augustinus) klar, das gott, welcher allein seliget, und heiliget, durch den glauben versünet wird, und das der glaub uns für gott from und gerecht macht. Just. Jonas
bei Luther 6, 395; darunter gottes son mensch worden, und fur uns gestorben ist, und jtzt zur rechten hand des vaters regirt, durch den heiligen geist seine christen heiliget und seliget. Luther 8, 185
b; dasz du (
gott) mich gesäliget und geheiliget hast.
quelle bei Birlinger 385; du (
Maria) bist gesegent und gesæligt.
bruder Philipps
Marienleben 1760.
als gegensatz zu verdammen: also stehet es bey gott, dasz er uns selige, oder verdamme. Agricola
sprichw. (1534)
nr. 722.
mit von
und dativ als causalem zusatz: dasz wir .. von deiner erlösung geseliget werden. Keisersberg
evang. (1522) 3
b.
mit in
und dativ: myst. 2, 193, 32 (
die stelle s. oben).
mit an
und dativ: sô ich disen guoten liuten solte sagen, daʒ got gelobet würde unde sie gesæliget an der sêle. Berthold von Regensburg 1, 279, 38.
seltener ist bei nicht passivischem gebrauch in solchem sinne das subject ein mensch: dâ nemet si offenlîche vor mâgen und vor mannen z' ê ... nâch kristenlîchem site: dâ sæleget ir îuch selben mite. Gottfried von Straszburg
Trist. 1632. 2@bb)
mit besonderer beziehung auf das leben nach dem tode: alle de god wil salichen in der ewicheit, den schicket he liden to in dusser tid.
quelle vom anfang des 16.
jahrh. bei Schiller-Lübben 4, 16
a; davon die schrifft sagt, das wir sollen ewige gottes erben im himel lebendig und geseligt sein. Luther 7, 191
b.
auch wo von einem seligen an leib und seele
die rede ist, steht das wort offenbar mit besonderer beziehung auf das leben nach dem tode, da der leib erst bei der auferstehung des fleisches am ewigen heile theilnimmt: (
Maria ist geboren) daʒ wir gesæliget werden an lîbe und an sêle. Berthold von Regensburg 1, 444, 4.
ähnlich: (
ich) bin hertzlich fro, dasz ich erkenne und waisz, wie freüntlich got mir dienet, der mir leib und seele seligen will, wenn ich yhm nur gentzlich vertrawe und glaube. Agricola
sprichw. (1534)
nr. 655. 33)
in allgemeinerm sinne von heiligen, bei unpersönlichem object: unde ist ein grôʒe vehede unde unglicheit zwischent ichte unde nichte: wan got hat lieb daʒ icht, unde minnet daʒ icht, unde vollebrenget daʒ icht, unde bekennet daʒ icht, unde seliget daʒ icht. Tauler
in Wackernagels
altd. lesebuch2 856, 18; iwer kunft uns sælget disen tac: diu bringet skriuces werdekeit. Wolfram
Willehalm 332, 28. 44)
selig preisen: nu sâligont mih (
Maria) alle,worolt io bî manne. Otfrid 1, 7, 8 (
Luc. 1, 48).