Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
SCHRÎBE
I. schreibe. ahd. scrîbu, lat. scribo Gr. 2,14. Graff 6,567.
1. ohne accusativ.
a. wie si schrîben lernte Trist. 11952. si kunde schrîben unde lesen das. 8145.
b. mit adverbien. dannen wir etelîch hôren scrîben Diemer 335,10. schreip gefuoge mit der hant Parz. 625,15.
c. mit dativ der person. friunten noch fîenten si ne scriben Diemer 55, 2.
d. mit folgender or. dir. schrîp: “du bist Amfortas an dem zil” Frl. 360,15. vgl. Suchenw. 38,17.
e. mit präpos. an dem ewangelio scrîbet er alsô Griesh. pred. 2,3. 22. als si ouch schreib an einem brief Pass. K. 71,49. schrîben ûf eine wîʒe taveln myst. 2,490,18. der schreip vons grâles âventiur Parz. 453,30.
2. mit accus. der sache.
a. der diz hieʒ schrîben unde lesen Trist. 217, 29. sô dunket mich ein missetât, swer iht des schrîbet oder list, dran unsers herren lop niht ist Renner 21499. vgl. ich lise. nu wil ichʒ heiʒen schrîben dictieren H. zeitschr. 2,481. ein buoh scrêb er dâ Diemer 362,6. der dise âventiur heidensch geschriben sach Parz. 416,27. diu diz mære geschriben siht das. 337,3. Jupiter, diz wunder schrîp das. 752,20. frou Minne, diz wunder schrîp U. Trist. 1796. daʒ selbe wunder hiute Amor ze schrîben funde Tit. 13,1748. man möhte wol schrîben von minnen sô spæhiu wort Flore 248 u. S. süeʒer worte ist er sô wîs, daʒ man si möhte schrîben Hartm. l. 14,27.
b. mit dativ der person. Alexander screib sân dem kuninge Porô einen brief L. Alex. 4135 W. vgl. Pass. K. 49,63. Suchenw. 38,9.
c. mit präpos. daʒ an einem anderem salmen gescriben stêt Windb. ps. s. 445. dar ane (dem briefe) stuont gescriben sus L. Alex. 4040 W. vgl. En. 299,25. einen brief si nam ûʒ sîner hant, dar an si geschriben vant schrift, die si bekante Parz. 644,28. an den brief manʒ alleʒ schreip frauend. 162,17. sô eʒ an den puochen geschriben stât Diemer 336,8. alle di scrift di gescriben sint an den vunf buochen Moisy leseb. 304, 29. sô gelêret daʒ er an den buochen las swaʒ er dar an geschriben vant a. Heinr. 3. ditze alte mære bat ein tihtære an ein buoch schrîben kl. 10. ame grâle man geschriben vant Parz. 818, 25. dâ stuont âventiur geschriben an der strangen W. Tit. 165,1. vgl. Gr. 4,773. die burech scrêb er dar in Diemer 362,8. nu si ir karactêres schreip mit der hende in einen sant troj. s. 66. a. ein blat, dar ûf man schrîbet waʒ man wil leseb. 908,40. wilt du daʒ lange trîben, ich sol dir ein schâf schrîben obene ûf dînen rücke Reinh. s. 337. — umb alleʒ sîn geslehte stuont dâ geschriben rehte Parz. 455,16. durch ditze starke mære möhte man eʒ für ein wunder schrîben Gudr. 57,4. der nu sô milte wære jâ müeste man imʒ für ein wunder schrîben das. 1697,4.
d. mit adverbialpräp. wer die botschaft abe schrîbet Clos. chron. 93. vgl. copiare abschreiben Diefenb. gl. 80. ein schrîber ouch bî mir beleip, der mîn zerunge an schreip g. Gerh. 1188. daʒ in sîner geburte alliu diu lant an geschriben wâren spec. eccles. 28. ein mære ist guot ze schrîben an Helbl. 13,1. der vor geschriben (praescriptus) spruch Megb. 224,23. waʒ nâch keiser Julio vor geschriben ist Zürch. jahrb. 1,14. die buoʒe, diu um die getât vor geschriben ist an dem brieve Zürch. richtebr. 18.
II. mit accus. der pers. zeichne den namen von jemand auf.
1. allgemein. die bêde alhier geschriben sint Parz. 56,14. ein teil ich iu der nenne, die ich von sage bekenne, wan si an geschriben sint kl. 2345 Ho.
2. trage in ein verzeichnis als zusammen gehörig oder zu etwas verpflichtet oder berechtigt ein; nehme als verpflichtet oder berechtigt auf. an dem lebentigen buoche scrîben er uns geruoche Mar. 162. er lieʒ sich schrîben an daʒ blat Erlös. 2871. scrîvin cisamine in einir guldîne tavelin driu hunterit altheirrin Anno 261. vîrdehalp hunder klûsenêre hâte her in sînen hof geschriben tegelîchis ir nôtdurft zu gebene myst. 103,30 u. anm. di vor benanten wâren sundirlich in sîn hof unde zu sîme gesinde geschrebin Ludw. 59,6. daʒ wir alle geschriben mûʒen werden zu dem êwigen himelrîche an daʒ erbe Cristi Leys. pred. 47,21. — kêrte dar an sîn gerinc wie er der höveschen liute dinc alsô geschaffen möhte, daʒ eʒ nâch êren töhte. er hieʒ die naht si schrîben an als gäste aufnehmen g. Gerh. 3547. dâ wâren zwêne schepfen bî, dô ich zuo dem lêner gienc unt den selben ganc enpfienc. dô tet er als ein frumer man und hieʒ mich zehant schrîben an meinen namen als lehnsträger oder empfänger einer grube in das berg- oder lehnbuch einschreiben Pf. Germ. 1,347.
3. mit prädikativer bestimmung. dar nâch bin ich ein mensch ze schrîben werde genannt, bin ein mensch Teichn. 154. sô wær jenr ir friunt ze schrîben das. 171. — des er sich schreib sich nannte einen mêrer des rîchs Zürch. jahrb. 85. sie schriben sich ihrer waren an der zahl vehtendes volkes driu hundert tûsunt kaiserchron. 50. d. 51. a.
III. schreibe voll, beschreibe. ein geschriben permint Parz. 747,26. ein ungeschribneʒ blat, daʒ man noch muot ze schrîben hât leseb. 908,39.
IV. übergebe durch eine schriftliche urkunde als eigenthum, verschreibe, verbriefe. die sloʒ die ir von irem herren geschrebin unde gegebin wâren Dür. chron. 657.
V. ordne an. sîn quâle is im endelôs. daʒ screib alleʒ Mînôs En. 105,3. nach Grimm zu Andreas 162 und ausw. 292 gehört auch wunder schrîben in den unter I. 2 angeführten stellen hierher; es ist aber dort von bereits geschehenen wundern die rede. vgl. Wackernagel in H. zeitschr. 6,150.