schnupftuch,
n.,
dim. schnupftüchlein,
n. tuch zum schnauben der nase, taschentuch, vgl. schnaubtuch sp. 1204, facenetlein
th. 3,
sp. 1218;
beide ausdrücke sind älter als schnupftuch,
das zwar im 16.
jh. belegt ist (
s. unter den beispielen),
aber erst im 17.
jh. sich mehr verbreitet; die form schnuptuch (
vgl.schnuppen neben schnupfen)
verschwindet allmählich aus der schriftsprache: caesitium, ein schnuptuch. Corvinus
fons lat. (1660) 101
b; die schnuptüchlein, die schweisztücher. Comenius
sprachenth. übersetzt von Docemius (1657) 519, schnuptüchlein,
muccinium Stieler 2347, schnuptuch,
n. muccinium Frisch 2, 217
a,
österreich. schnopfdiachl Castelli 249 (
vgl.schnopfen neben schnupfen),
nd. snufdauk Woeste 247
b (
zu snûven). A. Amnicola, ein schnoptuchlin auf Luthers geifer und unlust. Dresden 1532;
als masc.: indem entfelt der jungfrawen ihr schnuptuch .. (
er) hebt denselben eilend auff. H. J. v. Braunschweig 712
Holland; wisch- und schnupptücher.
Phil. Lugd. 5, 307; das schnupptuch ist noch gut, die nase dran zu schneutzen.
Schoch studentenleben 34
neudruck; zur kappe baumelten wohl sechs trodelchen vom schnuptuche herausz. Weise
erzn. 32
neudruck; handschuch und schnuptücher.
pol. maulaffe 16 (1679); an feinern ober - hembden, halstüchern, servietten, handtüchern, schnupfftüchern und andern dergleichen kleinigkeiten.
Felsenb. 4, 325; dem einen hatten sie im gedrenge das schnupftuch, dem andern die tabacksdose ... wegstipitzt. Lessing 1, 308; (
einen brief) mit dem schnupftuch herausschleudern. Schiller
kab. u. liebe 3, 2; mit einem schnupftuch in der hand sei sie ausgestiegen. J. Paul
Hesp. 1, 187; der commandant soll geäuszert haben, er wolle sich halten, bis ihm das schnupftuch in der tasche brennt. Kleist
briefe an seine braut 69; wo wir uns aufstellten und unsere rosenkränze auf unsere seidenen schnupftücher am boden auslegten. Grillparzer 15, 99; ich deckte daher schnell ein offenes schnupftuch über das rasirgeräthe. 135; (
er holte sich zum sonntage) das geglättete vorhemdchen, den vatermörder oder das bessere schnupftuch. Keller 4, 218; ihr fürnem fahn war ein schnuptuch, das ehemals ein schön mägdlein trug. Rollenhagen
froschm. Xx 1
b; ausgezackt, gefaszt mit silber, war der gurt; ein feines schnupftuch wohlgefaltet hing an ihm. Herder
Cid 1, 15.
zum abwischen des schweiszes: habt ihr auch schnupftücher genug bei euch? denn hier (
in der hölle) werdet ihr dafür schwitzen müssen.
Shakespeare Macbeth 2, 2;
um den kopf gewickelt: band sein schnupftuch statt der nachtmütze um den kopf.
Siegfried v. Lindenb. 1, 106 (1784). die augen mit dem schnupftuche verbinden
u. ä. man weint hinter dem schnupftuche: der liebesgötterchen einer zeigte sich weinend hinter einem kleinen schnupftuche. Kl. Schmidt
kom. erzähl. (1802) 351; schäme dich, du hältst das schnupftuch vor die augen. Cronegk (1765) 1, 99;
lacht hinter dem schnupftuche, ins schnupftuch,
wenn man seine heiterkeit verbergen will: listige erben, die heulend hinter der bahre gehen, und desto lauter ins schnupftuch lachen. Schiller
Fiesko 1, 7;
aus der ferne weht man mit dem schnupftuche
zum abschiede oder zum willkommen: so lang ich dich gestern sehn konnte, wehte ich mit dem schnuptuche. Göthe
briefe 6, 58
Weim. ausgabe; sich über das schnupftuch schieszen,
schärfste, mehr romanhafte form des duells. das schnupftuch
galt besonders in früherer zeit als zierstück, mit feineren schnupftüchern wurde groszer luxus getrieben, vgl. Jacobsson 7, 265
b;
man trug und trägt kostbarere schnupftücher
gern sichtbar, s. oben die stelle aus Herder
und Schultz
alltagsleben einer deutschen frau 46; sie werden anstat der zierlichen rosen, blumen und bäumlein mit allerlei bunten seiden nichts als lauter neckende Cupidgen in ihre hembden und schnüptüchlein nehn.
engl. komödien II, G 1
b; schnupftücher
werden als liebespfänder gegeben oder geraubt (
vgl. Shakespeares Othello): Heinrich Homberg fordert ein bottenbrodt, sie gibt ihm ein schön schnuptuch. Moritz von Hessen
comoedia Otto d. schütz 8
Schröder; Sylvia. ich wil euch das schnuptuch verehren, das ich selber mit meinen händen auszgenehet.
Cimon. was solte ich mit diesem bischen rotzlappen machen? S. von Birken
Sylvia 41; erstlich geb ich euch an die hand, den ring, unsr beyder liebe pfand. zu dem die zwey armbänder klein, welch auch solln unser denckmal sein; und disz schnuptuch, welchs ich selbst hab, genehet ausz, schencks euch zur gab. Wichgrevius
Cornel. releg. übers. von Sommer C 2
a (
vgl. Schoch
studentenleb. 25
neudr.); dem hat es nicht gebührt, dasz es aus ihrer hand schnuptücher hat entführt. Rachel 121;
vgl. Zachariä's
gedicht das schnupftuch.
im orient wirft der mann dem begünstigten weibe das schnupftuch zu: dann, dann würd' ich mit keinem sultan tauschen, wann auch hundert der schönsten landesjungfraun um die ehre des seidnen schnupftuchs buhlten. Hölty 83
Halm; verblaszt und ohne beziehung auf liebesgunst: Apollo machte fleiszig kunden (
mit seinem kram); die arme Pallas hatte ruh. nur ihm warf man das schnupftuch zu. Hagedorn 2, 74.
scherzhaft und verhüllend für anitergium Frischbier 2, 308
b. Kluge
studentenspr. 123
a.