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schelmenbein

mhd. bis sprichw. · 5 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schelmenbein n.

Bd. 14, Sp. 2511
schelmenbein, n. bein, gebein, knochen von einem toten körper (vgl.schelm 1): so ein rosz ein gewächs hat, dasz es daran hinckt, so nimb schelmenbain, und mercke das ort wo es ligt, und wie es ligt, reibs dem rosz wol uber den bainwachs, es darff nit offen seyn, und leg dann dasz schelmenbain wider an sein statt, aller massen wie es zuvor gelegen, so last der gaul vom hincken, dises ist wol etwas frembdes, aber offt probiert worden. Seutter rossarzn. (1599) 285; das was eyn grosz dorheyt der welt das man leidt eyn so mächtig gelt an gräber, do man würffet hyen den äsch sack, und die schelmen beyn. Brant narrensch. 85, 122 Zarncke. von einem, der keine lust zur arbeit hat, in sprichwörtlicher rede: er hat ein schelmenbein im rücken, einen toten knochen, der ohne leben ist, nicht geregt werden kann: wider die faulen. etwa hat man glaubt, dasz gwild fleisch gessen faulheit mit sich bring. wir sagen: er hat ein schelmenbeim (lies bein) im rucken. Frank sprichw. (1541) 1, 6a; alle zaghaffte gesellen, die nicht viel arbeyten wöllen, denen ein schelmenbein steckt im rucken, dasz sie sich nicht gern bucken. Fischart groszm. in Scheibles kloster 8, 592; der pfaffen schelmenbeyn im rucken (glosse zu: die pfaffen müszten .. jr kost mit faulem ruckenbucken gewinnen). bienenk. 75a; hat ein faul schelmenbein im rücken. Schottel 1114b; mancher duot bättlen by den joren so er wol wercken möht und kundt und er, jung, starck ist und gesundt, wann das er sich nit wol mag bucken, im stäckt eyn schelmen beyn jm rucken. Brant narrensch. 63, 26 Zarncke; den schelmen ist der pfluog zuo schwere, und wellend sich nit dornoch bucken: eyn schelmen beyn handt sy im rucken. Murner schelmenz. 12 (nr. 4), 24 neudruck; du hast ein schelmenbein im rucken, und weisz nit, wie ichs mit dir thuo, so du hast ful fleisch auch darzuo. narrenbeschw. 86 (nr. 25), 2; das ful fleisch und das schelmenbein ist leider worden also gmein, das ieder tragen will im rucken, niemands zuo arbeit sich will bucken. 11; die köchin und kindsmäidlin auch waren nicht gegen uns (flöhe) vil rauch, dieweil sie zu faul waren baid, aufzuheben jr hemd und klaid. ain schelmenbain stak jn im rucken, das sie sich gar kaum mochten bucken. Fischart flöhhatz 2, 24, 793 Kurz. ähnlich: wenn man den namen Christi in der kirchen nennet, haben sie ein solch lang schelmenbein in den knien stecken und seien so faul, das sie sich nicht neigen mögen; ich wil geschweigen, wenn sie sich erst bucken solten. Keisersberg bei Wander 4, 135a. wol mit anspielung auf die bedeutung 3 oder 4 von schelm in einem närrischen sendschreiben: also das im meyster Zempel, der bader, auff deütsch arschkrauer, grosze schelmmbeyn hat herausz (aus der wunde) gethon, doch vil mehr darinnen gelassen, darumb er heüt bey tag noch mit dem maul schwindelt, sich in die zunge schneydt unnd in die backen hawet und nur vor ungedult die zähn an das hembde wünscht. Lindener schwankb. 158. deutlich tritt die bedeutung 3 hervor in der wendung sich an einem schelmenbein reiben, auch ein schelm sein: er meint ich hett das selber triben und mich ans schelmen bein geriben. Murner narrenb. 227 (nr. 80), 6 Gödeke. einen mit einem schelmenbein werfen, wol 'ihn einen schelmen heiszen': wurf ich dich mit eim schelmen bein und du woltest schnurren drab, so weisz ich das ich troffen hab. derselbe bei Wander 4, 135. Stieler 124 bietet diebsbein, schelmenbein, pes nequam, eine glossierung, die wol kaum richtig ist, vielleicht aber dienten diese ausdrücke als bezeichnungen eines diebes, eines schelmen (vergl. diebsbein oben theil 2, 1094). auch anderweitig belegt ist der ebenda angeführte gebrauch des wortes als bezeichnung der beinernen, knöchernen würfel, talus, tessera, der jedenfalls auch meist eine beziehung auf die oben erwähnte bedeutung von schelm enthält: wer wolt sich nit erlustigen, auff ein gemalt bret, schelmenbein mit zal und ziffer zeichnet mit dargereichten armen zu werffen, und wohin der würffel weiset mit zitternden fingeren, die runden bretstein in den streit zu schicken? Petrarcha (1559) 23b; ob nun wol dise ehrliche campaney ein mummerey anrichtet, und lässet sich beim herren d. (Luther) angeben, als der von eim bergmann geboren, unnd auff dem bergwerck erzogen war, weisen sie sich doch selber wie bergleut, unnd kommen nicht mit gemalten königen, bäpsten, carniffeln, teufeln, und sewen, oder mit abgeeckten schelmenbeinen, für den groszen mann, sondern staffieren sich mit eim künstlichen schachtspiel, darinn doctor, wie vil groszer und theurer leut, gern pfleget zu ziehen. Mathesius Luther 207a; jede gesellschaft hatte drey viereckichte schelmenbeiner, denen sie ihr glück vertrauten, weil sie ihr geld theilen und solches dem einen geben, dem andern aber nemen musten. Simpl. 1, 185, 22 Kurz.
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    schëlmenbeinstn.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    schëlmen-bein stn. totenbein Narr. 63,26. 85,12.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    schelmenbeinn.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +2 Parallelbelege

    schelmenbein , n. bein, gebein, knochen von einem toten körper ( vgl. schelm 1): so ein rosz ein gewächs hat, dasz es da…

  3. modern
    Dialekt
    Schelmenbein

    Elsässisches Wb.

    Schelme n bein n. Knochen eines Schelms Dunzenh. ‘Gesellen ... die ein schelmenbein haben im rucken’ Fisch. Prakt. 9. ‘E…

  4. Sprichwörter
    Schelmenbein

    Wander (Sprichwörter)

    Schelmenbein 1. Einen mit einem Schelmenbein werfen. – Murner, Nb. »Wurf ich dich mit eim schelmen bein vnd du woltest s…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schelmenbein

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Zerlegung von schelmenbein 3 Komponenten

(schel+men)+bein

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APA
Cotta, M. (2026). „schelmenbein". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schelmenbein/dwb?formid=S06652
MLA
Cotta, Marcel. „schelmenbein". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schelmenbein/dwb?formid=S06652. Abgerufen 19. May 2026.
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Cotta, Marcel. „schelmenbein". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schelmenbein/dwb?formid=S06652.
BibTeX
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