schäfchen,
n. ,
demin. zu schaf,
ovicula Frisch 2, 157
a (
vgl. schäflein),
mnd. schapken, schäpken Schiller - Lübben 4, 49
b,
md. schêfichîn: dise schêfichîn dô vone (
von deren wolle) man iʒ (
das pallium des erzbischofs) machet, di gên nirgen anders alle den tac wanne in der kirchen.
deutsche mystiker 1, 69, 7
Pfeiffer; mnl. schaepken
ovicula Kilian.
in neueren nd. mundarten schäpken Dähnert 399
b, schâpke,
plur. schâpkes ten Doornkaat Koolman 3, 99
b,
plur. schaepkes Woeste 225
b, schäöpk'n Danneil 183
b.
im hd. auch plur. schäfcher: und das sie reiszend wölffe sein, die doch gehn wie scheffger herein. G. Nigrinus
beschlag S. 1
a. 11)
eigentlich: ovicula .. (
md.) scheffchin,
nd. scepken Dief.
gloss. 403
c; gleich drauf erschreckte ihn ein jäher donnerschlag, davon er alsobald erwachte, und ganz bestürtzt an seine schäfchen dachte. Liscow (1739) 430; indem befahl der abgeneigte tag die schäfchen wieder einzutreiben. 431; in jenem zarten alter, als ich mit meinem schäfchen mich noch zu messen pflegte, und älter war, doch kleiner, als mein getreues schäfchen, da folgt ich schon der Chloris, wie mir mein treues schäfchen. Hagedorn 3, 66; tochter Edens, o ruh, die du .. der schäferin unter blumen der au lächelnd entgegenkommst, und dem schellengeklingel ihrer tanzenden schäfchen horchst. Hölty 74
Halm; Thyrsis bot ihr für ein mäulchen zwey, drey schäfchen gleich am ort. Göthe 2, 21. 22)
redensarten: 2@aa) sein schäfchen scheren,
besonders nd.: he weet sien schäpken wol to scheren,
er weisz seinen vortheil wahrzunehmen. brem. wb. 4, 606. Dähnert 399
b. Frommann
mundarten 2, 223; obgleich — wenn's (
das buch) nur einigermaaszen geht — der sehr billige W. (
Weygand als verleger) auch nicht wenig sein schäfchen dabei schiert.
briefe von u. an Bürger 1, 323 (Boie
an B., 7.
jul. 1776); heut noch, er, der gerichtsrath, her aus Utrecht! zur revision, der wackre mann, der selbst sein schäfchen schert, dergleichen fratzen haszt! Kleist 3, 99
Hempel. in ähnlichem sinne sein schäfchen weiden: wer klagt, dasz du den bau (
des schlosses) nicht eher hast vollendet? er fieng, zu vieler schmerz, sich allzu langsam an, und ist, zu vieler gram, zu zeitig abgethan. es dachte mancher noch sein schäfchen hier zu weiden. B. Neukirch
ged. 193. 2@bb) sein schäfchen ins trockne bringen,
eine im nd. weitverbreitete redensart, die auch in die schriftsprache eingedrungen ist; he het sine schäpken in't dröge,
er hat das seinige in sicherheit, er ist in gesicherter lage, geborgen. brem. wb. 4, 606. ten Doornkaat Koolman 3, 99
b; Dähnert 404
a schreibt he hett siin schepken upt dröge
und zieht es zu schepken '
schiffchen',
wobei man an die sitte der alten zeit denken musz, die schiffe, wenn sie nicht gebraucht werden, auf dem strande zu bergen; allein dieser an sich einleuchtenden und vielfach angenommenen erklärung steht im wege, dasz die form überall auf schäfchen
weist, und auch einfaches schâp
vorkommt: sîn schâp in'n drgen hem Schambach 180
b; hast dein schaff in das trucken bracht, keiner ist, der dich drumb veracht!
markschiffs nachen (1596) C 1
b;
auch schäflein, schäfel: hätt idoch norr my schäfel emol im trukne. Arnold
pfingstmontag 78.
man müszte denn annehmen, dasz das misverständnis im nd. selbst bei der verbreitung ins binnenland stattgefunden habe. worauf die redensart beruht, ist nicht bestimmt zu sagen, vgl. Andresen
volksetym. 16
und besonders anm. 7. Schiller - Lübben 4, 99
a. Kluge 293
b. ich weisz mittel mein schäfchen ins trockne zu bringen. Kotzebue
dram. sp. 2, 328; wer ist nun zu beneiden? ... ich, der sanfte, der bescheidene kammerdiener, der sein still erworbnes schäfchen demüthig in's trockne bringen kann. Raimund 3, 242; ihr mann war früher pachter bei dem fürsten, brachte dabei sein schäfchen ins trockene .. bekam den titel wirthschaftsrath durch den fürsten und wurde grade sein schlimmster blutsauger. Gutzkow
ritter vom geiste2 1, 257; schon so sicher, dasz dein schäfchen im trocknen ist? Göthe 11, 125. 33)
bildlich von menschen. 3@aa)
in geistlicher beziehung (
vergl.schaf 4,
a—
d): den heft Christus geboden sine schâpken to weiden.
des dodes danz 395
Bäthcke; de schâpken, de du van godes wegen scholdest voden unde bewaren, sint vorbîstert unde ein dêl ovel gevaren. 401; nun wurde der neuangekommene gleichsam im triumph allen besonders geliebten schäfchen des oberhirten vorgestellt. Göthe 19, 328. 3@bb)
in andrer beziehung: freylich, sie (
die mutter) wird augen machen, wenn sie den wolf (
den prinzen) bey dem schäfchen (
Emilia Galotti) sieht. Lessing 2, 155; und die wonne des armen? Fernando! sein verirrtes, verlornes, einziges schäfchen wieder an sein herz zu drücken? Göthe 10, 156;
im ausgeführten bilde: ein schäfgen, welches ohne hirten, in einem weiten walde lieff. Picander 3, 320
ff. (
bey der L. und S. hochzeit). 3@cc)
zum ausdruck der zärtlichkeit; von einem geliebten mädchen: he geet sinem schäpken na. Dähnert 399
b;
als liebkosungswort in der anrede: schlaf wohl, mein schäfchen! Göthe 7, 61;
von eltern gegen kleine kinder gebraucht. Kehrein 1, 339. 44)
übertragen auf andere gegenstände. 4@aa)
für kleine, fleckige wolken, cirrus, lämmerwolken, nd. schäöpk'n Danneil 183
b; des morgens schæpkes, des wends dröpkes. Woeste 225
b; die wolken verlieszen nach und nach die berge und theilten sich in schäfchen, die uns schon mehr ein gutes zeichen (
für schönes wetter) gewesen. Göthe 16, 239; der himmel hatte sich während unsrer mittagrast mit weiszen schäfchen überzogen. 243; wenn diese leichten wölkchen, die bei uns schäfchen heiszen, für sich am himmel stehen oder hinziehen, werden sie cirrus genannt. 51, 206; die dünnen, fäserigen wolken, welche wir im allgemeinen mit dem namen cirrus bezeichnen; in besonderen fällen windstreifen, federwolken, schäfchen oder lämmerwolken nennen.
hannov. magazin 1844. 346
b; dieser zusammenhang des polarlichtes mit den feinsten cirruswölkchen verdient eine besondere aufmerksamkeit .. Thienemann, welcher die sogenannten schäfchen für das substrat des nordlichts hält. Humboldt
kosmos 1, 201. 4@bb)
benennung der Marienkäfer und kellerasseln. Campe,
vgl.schaf 5,
a. 4@cc)
der blütenkolben, '
kätzchen'
mancher bäume. Adelung (
vgl. schaf 5,
b).
im nassauischen der tannenzapfen. Kehrein 1, 339.