rösslein,
n. 11)
demin. zu ross,
mhd. rösselîn, kleins röszlin,
mannulus. jungs röszlin,
hinnulus Dasypod. M 2
a,
mannus, equus pumilus, ein cleins rosslin.
equulus ein fulin oder rosslin, oder iunghes pferd. Junius
nomencl. 54
b; ir und iuwer rössel sit zwar mit einander geborn. Heinr. v. Freiberg
Tristan 2182; daʒ selbe sprich ich zuo dem rosse unde zuo dem andern vihe. rösselîn, dir tuot dîn meister unrehte, kündest du eʒ gemerken unde gemelden, swenne er dich des ruowetages arbeitet, wan dû soltest ruowen. Berth. v. Regensburg 1, 268, 23; ains ist mir wissend, das abt Wernher sich verdingt in den tisch zuo ainem lütspriester zuo sant Petter und täglich uff ainem wiszen rösslin da abhin rait, den imbis und nachtmal zuo nieszen. G. Öheim
chron. v. Reichenau 156, 32; do legt er jn uff sein hilffthyer, uff sein muleʒel, oder uff sein röszlin, oder ander thyer, was es denn was. Keisersberg
post. 3, 77; es ist ein guts röszlin, als kleyn es ist, so hart und arbeytsam ist es. Fischart
Garg. 134
a; als die frau des rothen Dieters sagte: 'jetzt ists einmal zeit ins bett', kamen die strickreiter von wegen des gestohlenen röszleins. Hebel 2, 112; fürs erste, so dürft ihr nicht fahren oder auf dem röszlein reiten, sondern auf des schuhmachers rappen. 2, 140; frisch auf, ir reiterknaben, manch wunderküner mon, laszt eure röszlein traben mit keiserlicher kron. H. Sachs
meisterlieder 1, 77, 123
Gödeke; da es aber so vil reitens hat wöllen haben, das man im das röslin dazu hat müssen beschlagen.
lustig gesprech der teufel vom herzog von Braunschweig (1542) B 1
a; du hast so grausam lieb die röszle, das seind mir thollogantisch böszle. Fischart 1, 43, 1593
Kurz; der reuter über die heiden reit, er warf sein rösslein herumbe. Gödeke-Tittmann
liederb. 72, 20; alde! ich sol mich scheiden von der allerliebsten mein, mein rösslein will nimmer bleiben, alde! ich reit von dir. Uhland
volksl. 166; gott grüsz dich, schönes jungfräulein! wo bind ich mein rösslein hin? nimm du dein rösslein am zügel am zaum, binds an den feigenbaum. 168; so bin ich deins vatters gedingter knecht und schwing dem rösslein das futter. 231; da fieng des jägers rösslein an zu schnarchen und zu schnauben. 244; hie ist auch stallung und futter gnug, drei rösslein sten darinnen. 361; nun geht frisch drauf, es geht nach haus, ihr röszlein, regt die bein. P. Gerhardt 248
Gödeke; ist dir mein röszlein nicht zu wild und nicht zu schwer mein degen und schild, nimms hin dir zum gewinnste. Uhland
ged. 322; desz (
des schwäbischen ritters) röszlein war so krank und schwach, er zog es nur am zaume nach. 327; er liesz das röszlein langsam gehn. 343; auf einem wiesengrund ging einmal ein muntres röszlein weiden. Droste - Hülshoff
werke 1, 249; ich liesz mein röszlein grasen im wald an baches rand. Geibel 4, 198.
im bilde: dann der wein ist ... der spor, der das adamisch röszlin lauffen macht. Franck
laster d. trunkenh. G 2
b.
übertragen in obscönem sinne: in den sattel auff jr hembdt knye ich mitt gracktem gsper. ich darff kain zawmfürer, der mir mein röszlin dürff weysen. sie hebt mir her wider zuo preyse, so tuo jch meinem röszlin ain rust und hauw dar mit vollem lust. Keller
altd. ged. 7, 11. 13.
freier: german. mit züchten zu reden, ein jungfraw, die ... uff der reyse nach dem Venusberg jhren muhtwilligen röszlein ein eiszen abgerennt.
facetiae facetiarum 273 (1657).
in sprichwörtern und redensarten: das rösslein laufen machen,
eine sache, ein geschäft durch geschenke oder sonstige mittel in schwung bringen: ist ein erb gewesen, da hat erst das rösslin loufen müssen. Wickram
unger. son A 4
b; das rösslin machen loufen. Murner
narrenbeschw. 42; disz rösslin louft gar lichnam wit, wann man gab und schenken git; kumstu her mit lerer hand, so bringstus nit von disem stand. 42, 1; ân schenken louft min rösslin nit und gieng on gab nit einen tritt. 42, 93. ein rösslein um eine pfeife geben,
wertvolles für wertloses eintauschen (
vgl.ross 5): bischoff Heinrich von Constentz wycht ine zu abt im münster ze Stein, und damit er das tetti, muszt er im geben das dorf Würmlingen mit dem kilchensatz, lüt und gut, dargegen gab im der bischoff 12 pfund gelts zu Bernhartszell ... der abt gab allda ein röszli umb ein pfeiffen. Tschudi
chron. helvet. 1, 227
a. das rösslein beim schwanze aufzäumen,
unvernünftiges, verkehrtes thun: wir sprechen, das röszlein beim hindern aufzäumen, wann ein ding verkert zuogeht, dasz der wagen die rosz soll ziehen. Agr.
sprichw. 294
b; daneben kumpt die weltweiszheyt, die sich in hoffart hat verkleydt ... thuot als mit gdancken und mit trewmen, kan underm schwantz das röszlin zeumen. B. Waldis
streitged. 30, 110
neudruck. die rösslein stehen lassen,
sich nicht mit dingen befassen, die einem nicht geziemen: so merckte ich, dasz es mit mir hiesz, o ho bauer! lasz die röszlein stahn, sie gehören für einen edelmann. Weise
erzn. 46
neudruck; ach bauer, lasz mir die röszlein stahn, sie seynd nicht dein, sie gehören für einen edelmann.
ped. schulfuchs 127; a guad's röss'l ziagt zwamal,
sagt man beim kartenspielen, wenn der kartengeber sich vergibt und einer der spieler gute garten gehabt hat, als trost. Hügel
Wiener dial. 129
b. das rösslein verkaufen
war eine trinkweise des 17.
jahrh.: sunt alii qui propria nomina propter gesticulationes et ceremonias adhibitas, bibitionibus indiderunt. cuiusmodi sunt curll, murll, puff ... item das röszlem (
l. röszlein) verkauffen, dem unbekandten bringen.
facetiae facetiarum (1657) 71.
das ross
wird häufig als wirtshauszeichen verwandt (
vergl.ross 8),
daher auch rösslein
oft wirtshausname: zuem rössli Tobler
appenz. sprachsch. 370
b; als er aber im rothen röszlein den letzten rausch gekauft hatte. Hebel 2, 151; als der hausfreund dazu kam, im röszlein zu Mühlberg, stand der adjunkt auf einem stuhl, und hielt eine rede über das neue masz und gewicht. 2, 216. 22) unseres herrn rösslein
ist das bekannte käferchen coccinella septempunctata. Hintner
Deferegger dial. 200. 33) rössel
und röszlein,
der schlagflusz: engelwurtzel .. bewahret die alten und kalten leuth vor dem schlag oder röszlein. Tabernaemont.
kräuterb. (1538) 289
d; es sollen die jenigen so sich vor dem schlag oder röszlein förchten, alle acht tag zweymal, jedesmal ein par löffelein voll (
engelwurzwasser) brauchen. 291
c; wider die lämbde so von dem rössel oder parlysz kompt. 497
d.
herkunft und etymologie sind dunkel.