räters,
rätersch,
f. rätsel (
über die form s. dort);
oberdeutsch bei schweizerischen, elsässischen, schwäbischen schriftstellern, auch bairisch (rætersch,
aenigma. voc. von 1618
bei Schm. 2, 167
Fromm.),
bis ins 17.
jahrh. gebräuchlich: enigma, redersch, reders, redersen, rederschen, redernysz, rettersen, retterszen, reterschen, räterschen, retersch, rethers Dief. 202
b;
enigmatizare, retterisch aufgeben 202
c;
enigma, rätersch
nov. gloss. 150
b; räters
ist die seltenere form: räters
im spielverzeichnisse Garg. 168
b; davon ein räters er (
Simson) aufgab: wir legens aus von Christi grab. Fischart
bibl. fig. (1576) J 2
a; uont (
ich will) meine räterse öffenen auf der harpfen. Melissus
ps. X 4
a;
das gewöhnlichere rätersch
ist vom sprachbewusztsein wie eine adjectivform auf isch
in substantivem gebrauch empfunden worden, worauf namentlich die spät auftauchende form räterisch
weist: dann dieselbe zeit was ein solche gewonheit under den königen, das sie einander verborgene fragen und retterschen schickten in geschrift. Steinhöwel
Esop 21; und dichtet dem konig besonder fragen und räterschen.
ebenda; wir sehen hie als durch ainen spiegel in ainer rätersch, aber dört werden wir sehen von angesicht zu angesicht. Keisersberg
schif der pen. 27
a; sunst, wenn du im, als etwen geschicht, dein sach in einer räterschin fürgibst, und tunkel, so kan er dir nit raten, betrügest dich selber.
seelenpar. 184
b; es ist ein reterschen, rat was ist das, thut man es so geschicht es, thut man es nicht, so geschicht es dennoch. es ist die hend trücknen.
narrensch. 209
a; der sich wohl auf räthersch verstehen wirdt, das ist, er wirdt all ding fein verschlagen und beschönen künden.
kriegbüchl. d. fr. 221; ein tichterin verborgener frag, die man rätersche nent. S. Frank
chronica 25
b; und secht, das jhr (
der ärzte) sach nichts ist als ein blawer dunst und ein süsz lachens geschwetz, mit räterschen vermischt. Paracelsus
opp. 1, 563 C;
aenigma, ein verdunkelte frag, oder red, ein rätersche,
aenigmatistes, der räterschen fürhaltet. Dasyp.; die räterschen, das ist ein verborgne frag, die nit bald zuo erradten ist,
aenigma, obscurae, perplexae, nodosae, implicitae quaestiones, nodi, scrupi, scrupuli, nebulae, tenebrae, caligines, spinae etc. Maaler 324
d; ein räterschen aufgeben, nit klar und heiter reden,
verba committere caecis modis. ebenda; warum wolten jr nit eben so vil von diser kurzweiligen zeitung und newen chronich halten, die euch villeicht eben so vil retersch .. kan aufgeben?
Garg. 23
a; derselbig hat ir zum oftermal im frawenzimmer müeszen retterschen ufgeben, uf ain zeit hat sie abermals ein abentheurige rettersch von ime haben wellen.
Zimm. chron. 1, 436, 31; drei dorfbeurin bezalen einen würt mit dreien rhäterschen. Montanus
gartengesellsch. cap. 55; so würdet ihr in kurzer zeit ein solchen ungeheuren, mit allerhand närrischen rätherschen verworrenen labyrinthum aus der tapfern teutschen heldensprach machen und auferbauen, dasz sich niemand mehr hinein finden und heraus wickeln .. könte.
Simpl. 4, 377
Kurz; doch waren uns alle solche kurze und sinnreiche sprüche lauter rätherisch und dunkele oracula. 2, 247; es ist das best, dasz jederman weisz, dasz jhr (
ärzte) nichts können, dann geraht wol, glück anrüfen, und rätterischen brauchen. Paracelsus 1, 586 A;
wirklich als ein adjectiv verwendet, bei Fischart
in witziger rede: ein .. rhäterisch rätzel.
Garg. 283
a;
bei dem späten Stieler
aber, der das wort lebendig nicht mehr kennt, aus etymologischer überzeugung: räterisch ... eine räterische, rätzelhafte rede,
sermo aenigmaticus. 1518.