ränzel,
n. und m. kleiner reisesack. wir fühlen das wort als verkleinerungsform zu ranzen,
wie ränzlein (
s. d.)
und wie oberdeutsch ranzl (Schm. 2, 127
Fromm. Schöpf 533)
es ist, und geben ihm in folge dessen neutrales geschlecht: dasz man dem bären ein stück von seinem felle herabzog, fusz lang, fusz breit, dasz auf die reise daraus ihm ein ränzel fertig würde. Göthe 40, 93; aber der heuchler hatte die schuh und das ränzel gewonnen. 94; das ränzel, das ich aus Braunens felle bekam. 104; alles packt er genau und fest in das lederne ränzel. Körner
werke 2, 183;
aber im niederdeutschen, wo das wort früh und öfter bezeugt erscheint, ist renzel
und rensel
reisesack (Schiller-Lübben 3, 462
b)
eine andere bildung desselben stammes (
die oberd. ranzen
entsprechende bildung kommt nicht vor)
und männlichen geschlechts: mantica, sweideler
l. renzel Dief. 347
c (
aus Chytraeus);
wofür Kilian
als sächsisch und niederrheinisch rentser
i. knapsack,
mantica gibt; Reinke gink hastigen wedder in, unde nam den renzel unde stak darin Lampen hovet.
Reineke fuchs 3052; B. Waldis
wird das wort aus Niederdeutschland haben: denn er (
der bettler) sich da (
in einem dorf) het wol gekropft, und seinen renzel voll gestopft.
Esop 4, 80, 44 (
vorher ledersack
v. 22);
neuniederd. rentsel, renzel,
reisesack, reisebündel, den der wanderer auf dem rücken trägt, masc. brem. wb. 3, 480; renzel,
reisesack auf dem rücken zu tragen. Dähnert 178
b;
ostfries. randsel, rantsel, ransel ten Doornkaat-Koolman 3, 12
a;
es scheint fast, als ob das wort aus Niederdeutschland nach Oberdeutschland gewandert sei, 1410
erscheint zu Frankfurt a. M. ein Clas Kaldebach rentzler (Lexer
mhd. wb. 2, 407)
und ein Ulrich renczeler (
ebenda),
d. h. der ränzel macht, was sonst, da für dieses wort oberdeutsch wâtsac
und wetzker, wetschger
gilt, in Nürnberg wetschkamacher
genannt wurde (
es waren derer im 16.
jahrh. dort zwanzig vorhanden, vergl. anzeiger für kunde d. vorz. 1869
sp. 98).
mit dieser wanderung aber kam die umdeutung des wortes als verkleinerungsbildung und der geschlechtswechsel; schriftsteller norddeutscher heimat behielten auch später das männliche geschlecht bei: seinen ränzel auf den buckel nehmen. Adelung; das bild des tadels, welcher sich in unsrer eigenliebe meldet, hat die fabel in zween ränzeln vorgestellet, die Jupiter den menschenkindern aufgehänget hat; der ränzel voll fehler hänget
u. s. w. Winkelmann 2, 560.
zu Diez im Unterlahnkreise ist ränsel
ein korb. Kehrein 322.
das hess. masc. ränzel,
oberer rand, kranz am strickstrumpfe (Vilmar 315)
für rändsel
gehört nicht hierher. vergl. das subst. ranzen 4.