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Psychologie

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Herder
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Eintrag · Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

Psychologie

Bd. 4, Sp. 629
Psychologie, griech., Seelenkunde, Seelenlehre, eine bereits von Platon und Aristoteles (de anima) begründete, von den Kirchenvätern u. Scholastikern wegen ihrer hohen Bedeutung für die Metaphysik keineswegs vernachläßigte Wissenschaft, die aber erst in neuerer Zeit in Folge des gewaltigen Anstoßes, den Theophrastus Paracelsus und die Fortschritte der Naturwissenschaften, der religiöse Unglaube und der damit zusammenhängende Aufschwung der Philosophie gaben, eifrig behandelt wurde. Vor und nach Kant unterschied man die empirische P. oder Erfahrungsseelenlehre als die Lehre vom Erkenntniß-, Gefühls- und Willensvermögen von der rationalen P. od. Vernunftseelenlehre, welche vom Wesen der Seele oder vielmehr vom Bewußtsein, von der Freiheit und Unsterblichkeit derselben handelte. Jene sollte zusammenfassen, was über die Seele durch Erfahrung u. Beobachtung zu erkennen ist und wurde der philosophischen Propädeutik zugewiesen; die rationale P. stützte sich auf dasjenige, was durch bloße Vernunft (a priori) in Ansehung der Seele zu erkennen ist u. bildete dem 1. Theil der Metaphysik im engeren Sinne. Mag Kant die Seele auch dermaßen anatomisch zertheilt haben, daß das Individuelle ganz zurücktritt und nicht mehr als Princip erscheint, gleichviel, er hat den Grund zur Anthropologie gelegt, in welcher seit ihm vielfach die P. und mitunter die ganze Philosophie selbst aufgegangen ist. Mit der Anthropologie haben sich Philosophen aus allen Schulen, speciell aber mit der P. beschäftigt Christian Weiß, Fischer (Naturlehre der Seele 1834), vor allen Herbart, Beneke und Fries, die Schellingianer Eschenmaier, Troxler u. Schubert, die Hegelianer Erdmann und Rosenkranz, Vorländer und Carus, endlich besonders der geistvolle Burdach (Blicke ins Leben, 2 B., 1842); in neuester Zeit lieferte Fortlage ein „System der P.” (Leipz. 1854—55, 2 B.). Wie leicht aber die vom geoffenbarten Glauben abgelöste Vernunft auch auf dem ihr zunächst liegenden Gebiete der P. trotz allen Fortschritten der Naturwissenschaften, Phrenologie u.s.w. in Unvernunft umschlägt, zeigt sich z.B. schon darin, daß Hegel in der P. keineswegs über Aristoteles hinauskam, sondern ganz wie dieser die Seele als bloß thierische und sterbliche u. den Geist als Vernunft im pantheistischen Sinne auffaßte, dann durch den Federkrieg, den der rohe Materialismus des K. Vogt (s. d.) 1855 hervorrief. Uebrigens wird die P. gegenwärtig mit Recht vorherrschend als psychische Anthropologie behandelt z.B. Sengler betrachtet als den Zweck der Anthropologie überhaupt, zu zeigen, was der einzelne individuelle Mensch seinem Wesen, seiner Organisation u. seinem in beide begründeten Lebenszwecke nach sei; er theilt dieselbe näher ein in: I. physische Anthropologie, Lehre von den Naturbestimmtheiten des Menschen (Zeugung, Fötalleben, Geburt, Anlagen, Temperamente, solarisches, lunarisches und tellurisches Leben, Menschenracen, Schlafen und Wachen, Träumen und Hellsehen); dann II. psychische Anthropologie, Lehre von den Vermögen u. Thätigkeiten der Seele; sie behandelt a) das sinnlichbewußte Seelenleben: Gemeingefühl, Empfindung, Selbstgefühl, Sinnesempfindungen, Anschauung und Wahrnehmung, Trieb und Instinct; b) geistigbewußtes Seelenleben: Geistiges Selbstgefühl, Einbildung, Gedächtniß u. Erinnerung, Vorstellung, Gier, Begierde u. Lusttrieb; endlich c) selbstbewußtes Seelenleben: Gemüth, Denken, Neigungen, Affecte u. Leidenschaften. Endlich soll III. die pneumatische Anthropologie den Menschen als geistigen Mikrokosmus darstellen; sie handelt vom selbstbewußten Gemüth, vom Wesen und den Erscheinungsformen des Denkens (sinnlichempirisches, sinnlichrationales, subjectives und objectives und beide in ihrer Einheit), vom selbstbewußten Begehren (individuelles, allgemeines oder sittliches, Einheit beider), endlich vom Fühlen, Erkennen u. Wollen in seiner Einheit. Als 2. Abtheilung behandelt die Philosophie des Geistes das Wesen des Geistes an sich, den theoretischen (intellectuelle Anschauung, rein- und realdenkende Erkenntniß od. Erkenntniß der Idee) u. praktischen od. wollenden Geist, schließlich aber die absolute Einheit des theoretischen und praktischen Geistes (Glaube, Gebet, Andacht, Cult, Ascese, praktische Mystik). — Psycholog, Seelenkundiger, Menschenkenner; psychologisch, zur P. gehörig, dem Wesen eines Menschen entsprechend; Psychonomie, Lehre von den Gesetzen, Psychonosologie, von den Krankheiten des Seelenlebens.
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Psychologie

    Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer) · +1 Parallelbeleg

    Psyche f. Gesamtheit der Prozesse der höheren Nerventätigkeit des Menschen, ‘Seele, Seelenleben, Gemüt, Wesen, Eigenart’…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Psychologie

    Goethe-Wörterbuch

    Psychologie in der Zeit um 1800 wird die Psychologie meist noch traditionell innerhalb der Philosophie behandelt, doch b…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Psychologie

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Psychologie , griech., Seelenkunde , Seelenlehre , eine bereits von Platon und Aristoteles (de anima) begründete, von de…

  4. Spezial
    Psychologie, des Lesensf

    Dt.-Russ. phil. Termini · +2 Parallelbelege

    Psychologie , f des Lesens психология , ж чтения

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