Psychologie in der Zeit um 1800 wird die Psychologie meist noch traditionell innerhalb der Philosophie behandelt, doch beginnt bereits im späten 18. Jh der Prozeß der Herauslösung der Psychologie aus der Metaphysik rationalistischer Prägung u der Etablierung einer empirischen Psychologie (bzw Erfahrungsseelenlehre) als eigener Disziplin (mit wachsender Nähe zu Medizin, Pädagogik, Forensik); bei Goethe verliert sich die rationalistische, bewußtseinsphilosophische Orientierung zusehends, dennoch ist vielfach keine eindeutige semantische Differenzierung u Bedeutungszuordnung möglich 1
im Nachklang der „rationalen Psychologie” in der Tradition Christian Wolffs Bei der P. des Menschen haben wir es immer nur mit einer und derselben Seele zu tun, bei der Tierpsychologie verlangen die Seelen der Vierfüßer, der Vögel, der Fische, der Insekten, bis zu den Infusorien herab, eine jede eine besondere Wissenschaft GWBGespr(Bi4,117) FFörster Mai 29 [
betr die von Förster erzählte Geschichte über das Verhalten eines Taubenpärchens] Lassen Sie uns..diese Geschichte mit einigem Ernst bedenken; sie liefert einen sehr bedeutenden Beitrag zur P. der Tiere. Hierbei haben wir nicht nur Bewußtsein mit Absicht und Überlegung vor uns, wir finden die Tiere auf einem sittlichen Boden stehen GWBGespr(Bi4,119) FFörster Mai 29 Was ist eine höhere Synthese als ein lebendiges Wesen; und was haben wir uns mit Anatomie, Physiologie und P. zu quälen, als um uns von dem Complex nur einigermaßen einen Begriff zu machen, welcher sich immerfort herstellt, wir mögen ihn in noch so viele Theile zerfleischt haben GWBN11,71,18 AnalyseSynth
uö(selten) 2
(beobachtende) Erkundung der (individuellen) menschlichen Psyche, auch: Menschenkenntnis; wiederholt ‘empirische P.’1), einmal (in Bedeutungsverschiebung) ‘individuelle P.’ für die charakterliche Eigentümlichkeit einer Person Zu einem solchen Abarbeiten in der Selbstbeobachtung berechtigte jedoch die aufwachende empirische P., die nicht gerade alles was uns innerlich beunruhigt für bös und verwerflich erklären wollte, aber doch auch nicht alles billigen konnte GWB28,246,13 DuW 14 von dem Standpuncte der empirischen P., wo wir Poeten doch eigentlich zu Hause sind GWBB15,188,9 Schiller 7.3.01 Ganz naturgemäß habe ich bey dem Allgemeinen das Sie vortragen auf die individuelle P. meiner abgeschlossenen Persönlichkeit zu reflectiren gehabt und glaubte immer doch nur die Ramificationen jenes geistig organischen Systems auf die verschiedenste Weise durchgeführt in Wirksamkeit zu erblicken GWBB49,380,4 Carus [26.11.31] K Gespr(He1,514) Falk 24.6.92
uö(selten) metonym: ‘Stiedenroths P.’ mBez auf Goethes Lektüre von Ernst Stiedenroths ‘Psychologie zur Erklärung der Seelenerscheinungen’ (1824) Nun aber sagen Sie mir ein Wort von Ernst Stiedenroth! Die Unterhaltung mit seiner P. macht mich schon seit vier Wochen glücklich. Es ist gar zu angenehm sein inneres Leben, Streben und Treiben so außer sich gesetzt zu sehen GWBB38,174,26 Schultz 27.6.24 41
2,159,14 MuR(273)
uö → GWB
Experimental- GWB
*Tier- 1) vgl dazu GEckardt ua (Hg), Anthropologie u empirische Psychologie um 1800 (2001), ferner MJohn, Goethes Beziehungen zu Anthropologie u empirischer Psychologie seiner Zeit. In: KManger (Hg), Goethe u die Weltkultur (2003),1-16 Sofia FrysS.
F.