lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

Politīk

nhd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
14 in 13 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
Verweise rein
20
Verweise raus
3

Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Politīk

Bd. 16, Sp. 98
Politīk (griech.), bei den Griechen Bezeichnung für die »Lehre vom Staate«, die Staatswissenschaft. Die engere Begrenzung des Begriffes hängt mit der Unterscheidung zwischen P. und Staatsrecht zusammen. Beide beschäftigen sich nämlich mit dem Staat; während ihn aber das Staatsrecht nach seinen rechtsgeschichtlichen Grundlagen und in seinen feststehenden Formen darstellt, betrachtet ihn die P. in der Betätigung. Die P. als Wissenschaft ist die Lehre vom Staatsleben. Die Anwendung ihrer Grundsätze auf gegebene staatliche Verhältnisse führt zur praktischen P. (Staatspraxis); jene, die theoretische P., ist Staatswissenschaft, diese Staatskunst. Wer sich nach einer von beiden oder nach beiden Richtungen hin mit dem Staatsleben beschäftigt, wird Politiker, und wer sich auf diesem Gebiet, namentlich aber auf dem der praktischen P., zu besonderer Bedeutung emporschwingt, Staatsmann genannt. Die theoretische und die praktische P. stehen im innigsten Zusammenhang; denn der theoretische Politiker darf sich ebensowenig über die tatsächlichen Verhältnisse des Lebens der Staaten und der Einzelnen hinwegsetzen, wie der praktische Politiker der wissenschaftlichen Grundsätze der P. entraten kann. Mit dieser Unterscheidung fällt der Gegensatz zwischen Real- und Idealpolitik nicht zusammen, der vielmehr in der praktischen wie in der theoretischen P. hervortritt. Man bezeichnet mit Realpolitik diejenige P., die sich streng an das Bedürfnis hält, und stellt ihr die Idealpolitik gegenüber, die sich lediglich durch die Macht der Idee beherrschen läßt. Beide sind in ihrer Einseitigkeit verwerflich. Denn die Realpolitik wird sich, wenn sie des idealen Zuges völlig entbehrt, in kleinlicher Weise lediglich auf die Förderung materieller Interessen (Interessenpolitik) beschränken, während die Idealpolitik, die den Boden der Wirklichkeit unter den Füßen verliert (Phantasiepolitik, Gefühlspolitik), unfruchtbar, wenn nicht verderblich sein wird. Man kann die P. ferner in innere und äußere P. einteilen. Jene beschäftigt sich mit den Verhältnissen, in denen der Staat zu seinen eignen Angehörigen steht, während die letztere die Beziehungen des Staates zu andern Staaten und die Stellung desselben im Staatensystem überhaupt behandelt. Den Gegenstand der innern P. bilden hiernach vor allem die Verfassung und die organische Einrichtung des Staatswesens selbst (Verfassungspolitik), dann die Vorbereitung der Gesetze, welche die öffentlichen und privaten Lebensverhältnisse der Staatsangehörigen regeln sollen (Gesetzgebungs-, Rechtspolitik); ferner die Staatsverwaltung, namentlich das Finanzwesen (Finanzpolitik, Steuerpolitik) und die staatliche Fürsorge für die Kulturverhältnisse des Volkes (Wirtschaftspolitik, politische Ökonomie, Agrarpolitik, Sozialpolitik, Kirchenpolitik). Die äußere P. (P. im engern Sinn, hohe P.) beschäftigt sich mit den Verhältnissen der Staaten untereinander im Zustande des Friedens sowohl als in dem des Unfriedens, also namentlich mit dem Handelsverkehr (Handels- und Zollpolitik), mit den diplomatischen Beziehungen, mit der Wehrkraft des Volkes. Die Art und Weise, wie bei Eroberung von Ländern unzivilisierter Völker vorzugehen ist, wie die eroberten Länder (Kolonien) bewirtschaftet und verwaltet werden sollen, kurz die Grundsätze, die gegenüber den Kolonien nach dieser oder jener Richtung hin und gegenüber andern zivilisierten Ländern in bezug auf die eignen und noch zu erobernden Kolonien anzuwenden sind, versteht man unter Kolonialpolitik. Die P. als Wissenschaft hat sich aber außerdem mit der Feststellung des Begriffs der P., mit der Einwirkung der äußern Natur auf das politische Leben, insbes. mit der Größe, Gestaltung und Produktionskraft des Staatsgebietes, der Dichtigkeit der Kultur, dem Reichtum und dem Charakter seiner Bevölkerung, zu beschäftigen, wobei ihr die Statistik als wichtigste Hilfswissenschaft zur Seite steht. Ferner ist der Einfluß der Menschennatur auf die P. und im Zusammenhang damit das Wesen der politischen Parteien zu erörtern, und endlich bildet die Lehre vom Staatszweck überhaupt und von den Mitteln zur Erreichung desselben den Gegenstand der theoretischen P. Was die wissenschaftliche Behandlung der P. anlangt, so sind aus dem Altertum die philosophischen Werke des Aristoteles, namentlich die »P.« desselben, von größter Bedeutung, während sich die »P.« des Platon zu sehr in idealen Sphären bewegt. Von den Werken römischer Schriftsteller bieten die Schriften Ciceros und die des Tacitus manches Interessante. Eine neue Entwickelung der theoretischen P. beginnt erst gegen Ende des Mittelalters mit Machiavelli und dem Franzosen Bodin, denen sich der Holländer Hugo Grotius, der Begründer der modernen Völkerrechtstheorie, anschließt. Aus neuerer Zeit heben wir hervor: Benj. Constant, Cours de politique constitutionnelle (Par. 1817–20, 4 Bde.; hrsg. von Laboulaye, 2. Aufl. 1872, 2 Bde.); Dahlmann, Die P. auf den Grund und das Maß der gegebenen Zustände zurückgeführt (nur Bd. 1 erschienen: Staatsverfassung, Volksbildung, Götting. 1835; 3. Aufl., Berl. 1847); R. v. Mohl, Staatsrecht, Völkerrecht und P. (2. Abteil., Tübing. 1862–69, 2 Bde.); Waitz, Grundzüge der P. (Kiel 1862); Fr. v. Holtzendorff, Prinzipien der P. (2. Aufl., Berl. 1879); Bluntschli, P. als Wissenschaft (Stuttg. 1876); Parien, Principes de la science politique (2. Aufl., Par. 1875); Ch. Benoist, La politique (das. 1894); Roscher, Politik (2. Aufl., Stuttg. 1892); Ratzenhofer, Wesen und Zweck der P. (Leipz. 1893, 3 Bde.); H. v. Treitschke, P. (2. Aufl., das. 1899–1900, 2 Bde.); Wernicke, System der nationalen Schutzpolitik nach außen (Jena 1896); Schollenberger., P. in systematischer Darstellung (Berl. 1903).
5707 Zeichen · 97 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Politīk

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Politīk , plur. inus. aus dem Griech. und Lat. Politica, die Fertigkeit, alles was in der bürgerlichen Gesellschaft …

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Politik

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Politik , aus dem Griech., die Lehre von dem Staate, wird in die innere und äußere eingetheilt. Die innere begreift die …

  3. modern
    Dialekt
    Politik

    Bayerisches Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    Politik Band 2, Spalte 2,1622

  4. Sprichwörter
    Politik

    Wander (Sprichwörter)

    Politik 1. Denn Politik, segt de Bûr, is anners seggen as dôn. ( Hamburg. ) – Hoefer, 138. 2. In der Politik muss man es…

  5. Spezial
    Politik

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Po|li|tik f. (-,-en) politica (-ches) f.

Verweisungsnetz

27 Knoten, 17 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 2 Kompositum 13 Sackgasse 12

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit politik

13 Bildungen · 7 Erstglied · 4 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von politik 2 Komponenten

poli+tik

politik setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

politik‑ als Erstglied (7 von 7)

politiker

DWB

politiker , m. , aus mlat. politicus ( Schuppius 37 . Weidner apophth. 218 ), einer der sich mit politik beschäftigt: zu dieser zunft ( der …

Politikus

Wander

Politikus 1. Ein Politicus ist ein Mann, der eine Lugen in Folio kan in 24 einbinden, an dem Schnitt vergolden und mit seidenen Bändern zier…

politik als Zweitglied (4 von 4)

Ellenbogenpolitik

RDWB1

Ellenbogenpolitik f ~ betreiben - действовать напролом, переть напролом груб. , расталкивать всех локтями идиом.

Machtpolitik

RDWB1

Machtpolitik f политика с позиции силы

Schaufensterpolitik

RDWB1

Schaufensterpolitik f (Lakune) популизм; популистская политика; работать на публику идиом. ; заниматься пиаром, "пиариться" жарг.

Fledermauspolitik

Wander

fledermaus·politik

Fledermauspolitik Das ist eine Fledermauspolitik. – Eiselein, 174. Die Alten sagten von jemand, auf dessen Wort man sich nicht verlassen kön…

Ableitungen von politik (2 von 2)

unpolitik

DWB

unpolitik Cramer Neseggab 4, 128 ,

urpolitik

DWB

-politik Spengler untergang des abendlandes 2, 550 ,