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Platin

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Platin

Bd. 16, Sp. 21
Platin (Platina, v. span. plata, Silber) Pt, das wichtigste der Platinmetalle (s. d.), findet sich nur gediegen, meist in kleinen, rundlichen und eckigen, stahlgrauen, metallglänzenden Körnern in Quarzgängen, im Dioritporphyr und Serpentin. viel häufiger aber, oft mit Gold, im Sande der Flußbetten oder im Schuttland (Platinseifen); auch enthält alles Silber, das nicht direkt aus einer Scheidung herrührt, kleine Mengen P. Hauptfundorte des Platins sind mehrere Distrikte des Uralgebirges, besonders Nishnij Tagilsk (mit Klumpen bis 16 kg), und der Berg Blagodat, Kolumbien (Depart. Cauca), Brasilien (Minas Geraes), Neusüdwales, Kalifornien, Borneo; nachgewiesen wurde P. im Gold von Tilkerode, im Rheinsand (0,0004 Proz.), zu Röraas in Norwegen, in Lappland, im Oregongebirge, in Peru, auf Haïti. Das durch einen Waschprozeß in Form von Körnern gewonnene Platinerz (Polyxen, rohes P.) besteht aus P. mit Palladium (0,1–1,9 Proz.), Rhodium (0,3–2,8 Proz.), Iridium (0,4–6 Proz.), Osmium, Ruthenium, Eisen (4,3–11,7 Proz.), Kupfer (0,1–4,1 Proz.), Blei und enthält gewöhnlich noch Körner von Osmium-Iridium (0,5–37,3 Proz.), Gold (0,4–4 Proz.), Chrom- und Titaneisen, Spinell, Zirkon, Quarz (0,9–4,3 Proz.). Der Platingehalt beträgt 50–86 Proz. Zur Raffination löst man das P. in Königswasser, verdampft zur Vertreibung der Salpetersäure, löst den Rückstand in Salzsäure, fällt mit Salmiak und glüht den Niederschlag. Der erhaltene Platinschwamm wird komprimiert und im Knallgasgebläse geschmolzen, die gegossenen Barren werden geschmiedet und gewalzt. Das so gewonnene P. enthält 2 Proz. Iridium. Zur Scheidung platinhaltigen Goldes benutzt man Platten dieses Metalls als Anoden in einer salzsäurehaltigen Goldchloridlösung. Das P. geht hierbei in Lösung, scheidet sich aber nicht mit dem Golde zusammen an der Kathode ab. Reines P. ist für technische Zwecke zu weich, und man gibt daher dem möglichst rein dargestellten Metall mit 0,1 Proz. fremden Beimengungen einen angemessenen Iridiumgehalt, durch den freilich das Metall an Geschmeidigkeit verliert. P. ist weiß, mit einem Stich ins Graublaue, so weich wie Kupfer, sehr hämmerbar und dehnbar, kaum weniger fest als Eisen, schweißbar, vom spez. Gew. 21,48, Atomgewicht 196,7, an der Luft bei jeder Temperatur unveränderlich, schmilzt nur im Knallgasgebläse (bei etwa 1775, richtiger wohl 1710°), absorbiert dabei Sauerstoff, erstarrt unter Spratzen (weshalb das gegossene P. noch unter dem Hammer verdichtet werden muß) und verflüchtigt sich in höherer Temperatur. Rotglühendes P. ist für Wasserstoff leicht durchdringlich. Es ist nur löslich in Königswasser und, wenn es mit einem in Salpetersäure löslichen Metall legiert ist, mehr oder weniger in Salpetersäure. Es verbindet sich direkt mit Chlor, Brom, Jod, auch mit Schwefel, Phosphor, Arsen, aber nicht mit Sauerstoff, es verändert sich nicht an der Luft, auch nicht bei der höchsten Temperatur. Die ätzenden Alkalien und deren Cyanide, noch leichter ein Gemisch von Salpeter und Ätzkali greifen es bei Rotglut an; beim Erhitzen mit Kieselsäure und Kohle wird es kieselhaltig und spröde (deshalb dürfen Platintiegel nicht zwischen Kohlen erhitzt werden); auch durch Einwirkung der Leuchtgas- und Spiritusflamme erfährt es eine Molekularveränderung, wird rauh und grau und, wenn man es nicht nach dem Gebrauch mit rundkörnigem Seesand poliert, endlich spröde. Mit leicht schmelzbaren Metallen bildet es leichtflüssige Legierungen. Unreine Platintiegel reinigt man durch schmelzendes saures schwefelsaures Kali. In sehr seiner Verteilung erhält man P. als Platinschwamm beim Glühen des Platinsalmiaks (Ammoniumplatinchlorid, s. Platinchlorid), als graue, weiche, schwammige Masse, die unter dem Polierstahl Metallglanz annimmt und sich bei Weißglut zu einer kompakten Masse zusammenschweißen läßt. Noch seiner verteiltes P. erhält man als Platinschwarz (Platinmohr), wenn man eine Lösung von Platinchlorid mit überschüssigem Natron mischt und mit Zucker, Alkohol oder Formaldehyd reduziert. Schwach glühender Platindraht gerät in lebhaftes Glühen in mit Luft gemischtem Leuchtgas, Wasserstoff, Kohlenoxyd, Äther- und Alkoholdampf, indem er auf seiner Oberfläche die Oxydation der Gase oder Dämpfe bewirkt (s. Glühlämpchen). Viel energischer wirken Platinschwamm und Platinschwarz. Ersterer entzündet einen Strom Wasserstoffgas (Döbereiners Feuerzeug), und Platinmohr verwandelt Alkohol sehr schnell in Essigsäure (katalytische oder Kontaktwirkung). Platinschwamm absorbiert begierig Gase, besonders Sauerstoff, und veranlaßt dadurch lebhafte Verbrennungserscheinungen, Platinmohr absorbiert über 250 Vol. Sauerstoff und wirkt dann auch bei Ausschluß der Luft und noch bei -190° oxydierend, er verwandelt Ameisensäure und Oxalsäure in Kohlensäure und Wasser. P. tritt in manchen Verbindungen vierwertig, in andern zweiwertig auf; man kennt ein Oxydul PtO und ein Oxyd PtO2. An einer ägyptischen Metallbüchse aus dem 7. Jahrh. v. Chr. sind Verzierungen aus P. nachgewiesen worden. Die Deutung mancher Nachrichten aus dem Altertum auf P. ist unsicher. Scaliger (gest. 1558) scheint P. aus den Gruben von Darien (Neugranada) in Händen gehabt zu haben. Zur Zeit Ulloas (1735) war P. in Südamerika ein wohlbekannter Begleiter des Goldes, der sich bei dessen Verarbeitung lästig machte. In Spanien nannte man es Platina del Pinto (kleines Silber vom Fluß Pinto in Südamerika). 1750 wurde es von Watson als eigentümliches Metall beschrieben, und Achard stellte 1784 wohl den ersten Platintiegel dar. Wollaston fand 1803 und 1804 im Platinerz noch Palladium und Rhodium, entdeckte die Schweißbarkeit des schwammförmigen Platins und legte damit den Grund zu der Platinindustrie, die der wissenschaftlichen Chemie und der Technik höchst feuerbeständige und gegen die meisten Reagenzien widerstandsfähige Gefäße lieferte. In Rußland prägte man seit 1828 Platinmünzen (s. Platindukaten), und in Paris werden Denkmünzen und Medaillen aus P. geprägt. Einen wesentlichen Fortschritt machte die Platinindustrie durch Sainte-Claire Deville und Debray, die auch das Schmelzen größerer Mengen im Knallgasgebläse lehrten, nachdem bereits Macquer und Baumé das P. mit Hilfe eines Brennspiegels und Hare 1847 über 970 g P. mit Knallgas geschmolzen hatten. Gegenwärtig schmelzt man Platinmassen bis zu 300 kg. Man benutzt P. zu Blechen, Drähten, Tiegeln, Löffeln, Lötrohr- und Blitzableiterspitzen, Retorten, Zangen, Kesseln für Assinierwerke und Schwefelsäurefabriken, Röhren zur technischen Darstellung von Sauerstoff, ferner zur Konstruktion galvanischer Elemente, in der Elektrotechnik, zu Senflöffeln, Galanteriewaren, Glühlampen, Feuerzeugen, Normalmaßen, bei der Beleuchtung (Platingas), zu Medaillen und in der Zahntechnik. Für manche Zwecke ersetzen das reine P. auch mit P. plattierte Gold- und Kupfergegenstände; auch verplatiniert man andre Metalle, Glas (Platinspiegel) und Porzellan und imprägniert Asbest mit schwammförmigem P., um dies als Kontaktsubstanz zu benutzen. In der Porzellanmalerei wird P. als Scharffeuerfarbe und zur Herstellung des Glanzplatins und der sogen. Lüsterfarben zu Verzierungen auf Porzellan, Fayence und seinem Steinzeug angewendet. Von der gesamten Produktion verbraucht die Zahnindustrie 50 Proz., die chemische Industrie und Elektrochemie 30 Proz., Elektrotechnik, Bijouterie etc. 20 Proz. Die jährliche Ausbeute an P. schwankt sehr stark. Rußland erzeugte 1902: 7306 kg (tatsächlich mehr, da ein Viertel der Ausbeute gestohlen wird), Kolumbien 1900: 356 kg, Borneo soll jährlich 50 kg liefern, Neusüdwales gewann 1900: 15,6 kg. Die Vereinigten Staaten gewinnen P. nur bei der Goldscheidung. Von der russischen Produktion wird ein Drittel nach Deutschland eingeführt, auch gelangen die Rückstände von der Raffination des Platins aus Rußland nach Deutschland. Platinerze wurden 1904: 70,69 dz eingeführt. Vgl. Sainte-Claire Deville, Métallurgie du platine (mit Debray, Par. 1863, 2 Bde.); Nöggerath, Geschichte des Platins (1875).
7972 Zeichen · 106 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Platinn.

    Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

    Platin n., älter Platine, Platina f. (Mitte 18. Jh.; das neutrale Genus seit dem 19. Jh. nach nlat. platinum) Die Bezeic…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Platin

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Platin , Platina (vom span. plata , Silber), edles Metall, härter als Kupfer, von 21,45 spec. Gew., nach Gold u. Silber …

  3. Spezial
    platin

    Ladinisch-Deutsch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    platin [pla·tīn] m. ‹chim› Platin n.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit platin

41 Bildungen · 40 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von platin

plat + -in

platin leitet sich vom Lemma plat ab mit Suffix -in.

Zerlegung von platin 2 Komponenten

pla+tin

platin setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

platin‑ als Erstglied (30 von 40)

Platinaauflösung

GWB

platina·aufloesung

Platinaauflösung nur Getrennt- bzw einmal Bindestrichschr; -lößung N5 2 ,118,18 Auflösung, chem Zersetzung des Edelmetalls Platin bzw das da…

Platinagerät

GWB

platina·geraet

Platinagerät hier für ‘Platinatiegel’ (sd) [ betr Döbereiners Labor in Jena ] Zu großer Förderung chemischer Arbeiten..sind die Platinagerät…

Platinagerätschaft

GWB

platinageraet·schaft

Platinagerätschaft Platina Geräthschaften.|Unschmelzbarkeit der Metalle Gebrauch der Tiegel [ = ] Vortheile. Nachtheile wegen der mühsamen R…

Platinalöffelchen

GWB

platina·loeffelchen

Platinalöffelchen [ Aufzählung von Utensilien für chem Experimente ] Doppelte Glasröhr(e)|Platina loffelch(en)|Zinkstange LA II 1A,248,23 M5…

Platinamedaille

GWB

platina·medaille

Platinamedaille Serenissimus und der Prinz von Hessen- [ Philippsthal- ] Barchfeld..blieben einige Stunden. Vorweisung der Platina-Medaille …

Platinamünze

GWB

platina·muenze

Platinamünze Schuchardt zeigte eine russische Platina-Münze 1) vor T11,294,10 v 23.10.28 1) vgl JKlauß, Die Medaillensammlung Goethes, 2(200…

Platinasendung

GWB

platina·sendung

Platinasendung Ersuche ich dich, von der angelangten russischen P. vorerst in Jena nichts zu erwähnen B45,26,15 August 21.10.28 K Elke Dreis…

Platinastufe

GWB

platina·stufe

Platinastufe für (übersandtes) mineralog Platin-Fundstück Über Dresden kam eine Gold- und Platina-Stufe von Petersburg T12,286,22 v 9.8.30 E…

Platinatiegel

GWB

platina·tiegel

Platinatiegel hocherhitzbares Laborgefäß; wohl im Hinblick auf die von dem frz Juwelier Jeannetty entwickelte Methode [ betr Anschaffung neu…

Platinaversuch

GWB

platina·versuch

Platinaversuch wohl metonym für Aufzeichnungen über entspr Experimente Herr Hofrath Döbereiner überbrachte einige chromatische Platina-Versu…

Platinbasen

Meyers

platin·basen

Platinbasen (Platinamine) , basische Verbindungen, die bei Einwirkung von Ammoniak auf verschiedene Platinsalze entstehen. Die Salze der P. …

Platinchlorīd

Meyers

Platinchlorīd (Chlorplatin) PtCl 4 entsteht beim Lösen von Platin in Königswasser; die tief, aber rein gelbe Lösung gibt beim Verdampfen ein…

Platinchlorür

Meyers

Platinchlorür PtCl 2 entsteht beim Erhitzen von Platinschwamm in Chlor, es ist grünlichgrau, unlöslich in Wasser, bildet mit Kohlenoxyd drei…

Platincyanid

Meyers

Platincyanid entsteht als Kaliumplatincyanid K 4 Pt 2 (CN) 10 + 6H 2 O beim Behandeln von Kaliumplatincyanürlösung mit Chlor und bildet kupf…

Platincyanür

Meyers

Platincyanür Pt(CN) 2 wird aus Kaliumplatincyanür durch Schweflige Säure als gelber Niederschlag gefällt, ist nach dem Trocknen amorph, brau…

Platindukaten

Meyers

platin·dukaten

Platindukaten , in Rußland zeitweise geprägte Dukaten (s. d.). Die weiße, mit der des Silbers leicht zu verwechselnde Farbe der Münzen und e…

Platinen

Meyers

plat·inen

Platinen , die Hebehaken der Jacquardmaschine; hakenförmige Stahlplättchen am Strumpfwirkerstuhl; auch soviel wie Plattinen, s. Eisenblech .

Platinīd

Meyers

Platinīd , s. Platinlegierungen .

platinist

LDWB1

platin·ist

platinist [pla·ti·nịst] m. (-sć) Fliesenleger m. , Plattenleger m .

platinista

LDWB1

platinista [pla·ti·nị·sta] f. (-tes) Fliesenlegerin f. , Plattenlegerin f .

Platinlegierungen

Meyers

platin·legierungen

Platinlegierungen , Mischungen und Verbindungen des Platins mit andern Metallen. Platin schmilzt mit Blei, Zinn, Zink, Antimon, Wismut, Arse…

Ableitungen von platin (1 von 1)

Platīne

Adelung

Die Platīne , plur. die -n, aus dem Franz. Platine; eine kleine Platte, ein Plättchen, in verschiedenen Fällen des gemeinen Lebens. So sind …

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Cotta, M. (2026). „platin". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/platin/meyers?formid=P06000
MLA
Cotta, Marcel. „platin". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/platin/meyers?formid=P06000. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „platin". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/platin/meyers?formid=P06000.
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