PÂCEM PÂCE PÆCE PETZ BETZ stn. der friedenskuss bei der messe. vgl. Augusti archäologie 8,335.
Hekelius de osculis p. 67.
du Fresne unter pacem dare
und unter osculatorium. —
ausführlich wird hierüber gehandelt in der Ersch-Gruberschen encyclopädie sect. III. th. 14.
s. 343.
an eine missa solemnis
schliesst sich die ceremonie an, welche man pacem dare
nennt. der celebrierende priester küsst den altar; während dessen ist einer der assistenten zu seiner rechten niedergekniet und hat ihm die tabella pacis, instrumentum pacis, osculatorium
zum küssen übergeben, ein täfelchen, worauf Christus zelbst oder ein kreuz u. dgl. abgebildet ist. hernach wird diese tafel von dem assistenten den anwesenden prälaten u. s. w. zum kusse dargereicht und jedesmal mit einem velum,
das die zeitfarbe trägt, abgewischt. der gegenseitige gruss ist pax tecum.
in sehr vielen gegenden ist übrigens der gebrauch dieser täfelchen gar nicht üblich. früher war er allgemein bei den agapen und der eucharistie eingeführt. männer und männer, frauen und frauen umarmten sich. —
der bischof Turpin hat vor dem anfange der schlacht das heil. abendmahl ausgetheilt, allen kriegern war antlâʒ
gegeben, und dann ze samene sie giengen, einander sie umbe viengen, sie beswiefen (sich) zo then brusten, ein ander sie sih kusten, thaʒ pâce sie ander gâven, sie wunsgeten in genâthen
pf. Kuonr. 205,24. in des Stricker's Karl 74. a: daʒ
petz. der satte ûf, daʒ daʒ betz man solt geben in der messe nâch dem Agnus Dei
Clos. chron. 7. belehrend sind die stellen im frauendienst, wo Ulrich als Venus verkleidet der messe beiwohnt. ein pfaffe ein schœne messe sanc, umb mich von vrowen was gedranc. dô ich zem opfer wolde gân, die liute bat man uf her stâ
n. mîn opfer ich sô blîde an vie. dô ich her von dem opfer gie, daʒ man daʒ pæce sâ dar truoc, gelachet wart des dâ genuoc. daʒ pæce ab einem buoch ich nam (
das pace lag also auf dem buche, ein bild des gekreuzigten, oder auch ein kreuz, s. o.), verbunden gar (
die rise vor dem munde),
daʒ doch niht zam. der grævinne bôt ichʒ dâ. diu hôch geborne diu sprach sâ 'ir sult di risen fürder nemen sô mac daʒ pæce mir gezemen'. zehant dô si daʒ wort gesprach, die risen ich von dem munde brach. diu schœne lachen des began. si sprach 'wie nu, ir sît ein man: daʒ hân ich kürzlich wol gesehen, waʒ danne? der kus sol doch geschehen: ich wil durch elliu guoten wîp iuch küssen (
dass zwei personen verschiedenen geschlechtes sich nach der messe küssten, war verboten); sît daʒ iwer lîp hât vrowen cleit an sich geleit, des sol mîn kus iu sîn bereit.' dô si daʒ pæz (pece
die hs.) von mir enpfie, und daʒ der süeʒe kus ergie, dâ von wart ich vil hôch gemuot. wan vrowen küssen sanfte tuot (
sie küssen also sich gegenseitig auf den mund). daʒ ist für wâr den allen kunt die ê gekusten vrowen munt, daʒ nie niht alsô süeʒes wart sô vrowen kus von hôher art.... nu was diu messe gesungen gar
frauend. 178,17 fg. ein schœne mess huob man dô an, die man dâ got ze êren sanc. bî mir von vrowen was gedranc.
von diesen macht eine einen tiefen eindruck auf ihn. als het ouch ich verdâht dâ mich daʒ ich niht weste wâ ich was, biʒ man daʒ êvangelje las. dô daʒ ein ander pfaff huob an dâ von alrêrst ich mich versan. man sach dâ schœne vrowen stê
n. dô ich ze dem opfer wolde gên, die hûsfroun hieʒ ich für mich gâ
n. si sprach 'des sult ir mich erlâ
n. war kœmen dan die zühte mîn, gienge ich vor einer künegîn? daʒ wære an êren mir niht guot. ir sult sîn haben deheinen muot.' ich gie ze dem opfer schône sâ. nâch mir gie vil manc vrowe dâ. daʒ ich den ganc sô blîde an vie, des wart gelachet dort und hie. mîn nîgen und mîn umbe swanc die wurden dâ envollen lanc. ich gie nâch blîder vrowen sit, kûm hende breit was dâ mîn trit. swie seine ich gie swie sanfte ich trat, ich kom doch wider an die stat dâ ê gestanden was mîn lîp. bî mir stuont dâ manic schœne wip die wâren minneclîch gevar. dô truoc man mir daʒ pæce dar an einem buoche. daʒ was guot, daʒ nam ich als manc vrowe tuot. dô ich daʒ pæce al dâ enpfie, ich bôt eʒ dort ich bôt eʒ hie, ich bôt eʒ manic vrowen an der eʒ deheiniu wolt enpfân, ich bôtʒ der schœnen willeclîch, dô sprach diu reine tugende rîch 'ir sult des pæces mich erlân, sît man iuch hât für einen man.' diu messe dô schiere endet sich dô sach man urloubs gern mich, der wirt und ouch diu hûsfrou sâ die bâten mich enbîʒen dâ
etc. —
auch nach der trauung, vgl. Augusti archäologie a. a. o. die brût hieʒ man daʒ pâz enphân; daʒ buoch bôt ir der messner (
die trauung erfolgt erst an dem tage nach dem beilager)
Ls. 3,407.