Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Norne f.
Norne f.
Norne f. eine der drei Schicksalsgöttinnen der germanischen Mythologie. Anord. norn f. ‘Schicksalsgöttin’ wird durch Klopstock und Herder in der Form Norne ins Dt. aufgenommen. Herkunft und Deutung des Wortes sind umstritten. Vergleicht man schwed. (mundartlich) norna, nyrna ‘heimlich warnen’, mnd. nurren ‘knurren’, frühnhd. narren, nerren ‘knurren’, die unter schnarren und schnurren (s. d.) angeführten Wortformen sowie lit. niauróti ‘brummen’, niurnė́ti ‘murmeln, undeutliche Laute aussprechen, knurren, schnurren’, so kann Norne als ‘Raunende’ an die unter nörgeln (s. d.) dargestellte lautnachahmende Wurzel ie. *(s)ner-, *(s)nur- ‘murren, knurren’ angeschlossen werden. Zieht man dagegen das unter 1Schnur (s. d.) behandelte Substantiv sowie ahd. gisnerahan ‘verknüpfen, verbinden’, bisnerahan ‘umschlingen’, insnerahan ‘umschlingen, verknüpfen’ (8. Jh.) heran, ist Norne als ‘Spinnerin (des Schicksalsfadens)’ an ie. *(s)ner- ‘drehen, winden, zusammendrehen, -schnüren’ anschließbar, das als Erweiterung der unter nähen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *(s)nē- ‘Fäden zusammendrehen, mit dem Faden hantieren, weben, spinnen, nähen’ gelten kann.