nasz,
adj. uvidus, humidus, madidus. compar. nässer,
sup. nässest,
aber auch nassest.
goth. nats (
zu folgern aus natjan),
alts. nd. nat,
ahd. mhd. naʒ
zu sanskr. nada
flusz von wurzel nad,
sanskr. ned
strömen, flieszen. Fick
2 108. nasz
ist gegensatz von trocken. 11)
flüssig: nasse waar,
potus Denzler 210
a, nasse waaren,
liquors Ludwig
teutsch-engl. lex. 2358; er gibt alles um nasse waar, legt alles an nasse waar,
vertrinkt alles. Aler 1453
b; kam so weit hinein, das alle schenken (
geschenke) und was er in barem gelt mitt im dahin bracht, in nasser war und guoten biszlein dahin gienge. Wickram
rollw. 95, 6
Kurz; das gold .. an fechten reiten tanzen und andere gute nasse wahre zu legen. Schoch
stud. leb. a; die musicanten ... wendeten alles an die nasse wahre. Schuppius 539;
ein nasser fall,
die höhe des flieszenden wassers auf den fachbaum eines unterschlächtigen wasserrades. Jacobsson 3, 130
b;
bergmännisch, nasser weg,
eine arbeit die mit flüssigen körpern verrichtet wird, gegensatz zu trockener weg,
feuerarbeit. Chemnitzer bergm. wb. 597
b; einem ein nasses geben,
ihn so schlagen dasz blut flieszt. Fischart
Garg. 206
a (
vgl. ein feuchtes geben
th. 3, 1578, 6). 22)
von flüssigkeit überdeckt oder durchdrungen, doch manchmal gleichbedeutend mit feucht: nasser, feuchter,
madidus, udus. voc. 1482 x 2
b, nasz machen,
udare, humidare. ebend.; nassz sein oder nasz werden,
immadere, nassz machen,
madidare Maaler 303
b; wo es allbereit nasz ist, da geust er (
der teufel) mehr wasser zu, wo die leute allbereit traurig sind, da macht er sie noch trauriger. Schuppius 584;
sprichwörtlich: gehe ins bad und werde nicht nasz. Melanchthon 19, 114; er ist noch hinder den oren nasz. Frank
sprichw. 2, 13
a; hatt die windeln am gesäsz kleben, war nasz hinder den ohren. Fischart (
kloster 8, 234); bis auf die haut nasz. Kiechel 2. Ludwig
teutsch-engl. lex. 1313; nasz wie eine gebadete maus, nasz wie ein laugensack. Spiesz
henneb. idiot. 171.
s.bach-, faden-, klatsch-, patsch-, platsch-, pfütz-, pudel-, tropfnasz
und ähnliche volkssuperlative, die das vollständige naszsein anzeigen: den spot er denn zum schaden hat und sitzt da, wie ein nasser dachs. H. Sachs 1, 267, 17; da hättest du den kerl sehen sollen .. anfangen zu zappeln wie ein nasser pudel. Schiller 2, 85 (
räuber, schausp. 2, 3); nasse wäsche,
lintea humida Steinbach 2, 113; nasses gewand (
eines ins wasser gefallenen). Wieland 34, 36.
im einzelnen: 2@aa) an den bächen und nassen orten,
mösern. Heuslin
Gesners vogelb. 236 (in mösern 237); nasz feld, land,
aquosior ager Aler 1453
a; in klebern und nassen acker säe niemand, er bekommt keine pflanzen. Becher
hausvater (1714) 51; ein nasser boden,
ein sehr feuchter boden, der das wasser nicht gut durchläszt. Weber
öcon. lex. 386
a; ein nasser haufen,
ein haufen genetzter gerste oder malzes. ebend.; nasser deich,
ein deich an den das wasser unmittelbar anspült. ebend.; grün und nasses (
gegensatz trockenes) holz. Steinbach 2, 113. 2@bb) nasses oder feuchtes wetter. Rädlein 667
b, ein nasser winter.
ebend., ein nasz jar,
annus pluviosus Maaler 303
b; von dem nassen jahre 1649. Logau 2, 1, 13
überschrift; wir haben es in nassen jahren sehr viel schlimmer gehabt. Lichtenberg 7, 55; ein nasser tag,
regentag. Stieler 1334; zuletzt erwacht der fürst und läszt zu nassen flammen (
heiszen quellen) die feinde seines reichs .. verdammen. Haller
ged. 80 (6, 123
Hirzel)
u. anm.; wenn auf dem schweren Nil der nasse südwind schwebt. Zachariä
renomm. 5, 101; der mond ... windelt uns in ein nasses badgewand von wolken ein. J. Paul
herbstbl. 3, 227; das nasseste windigste gewölk. 206. 2@cc)
schweiszbedeckt: ehre jeder nassen stirn hinter'm pflug! Freiligrath (1870) 3, 147. 2@dd)
besonders thränennasz: streich doch die locken weg von deinen nassen wangen. Opitz (1646) 1, 251; schon hast du, freund, der letzten letzte küsse auf nasse wangen uns gedrückt. Lessing 1, 92; ich bin ein kriegsmann, verstehe mich wenig auf nasse wangen. Schiller 3, 160 (
Fiesko 5, 16); nasses auge, nasser blick: nun wäre viel zu gedenken, mit was vor nassen augen der abschied genommen worden. Weise
erzn. 8
neudruck; es wird nasse augen setzen,
lacrimabunt. Frisch 2, 9
b; er führte den fremden an den tisch des fürsten, der ihm mit nassen augen entgegeneilte. Freytag
ahnen 1, 55; dann kniest du nieder an der gruft und birgst die augen trüb und nasz. Freiligrath (1870) 2, 157; deines nassen blickes flehen will ich .. nicht verstehen. Gotter 1, 13; ich sah dir nach mit nassem blicke.
d. j. Göthe 1, 270; und als ich jetzt mit nassem blick den theuern mann zur gruft begleitet. Schulze
Cäc. 3, 52; nasser glanz (
der augen). J. Paul
Qu. Fixlein 46; ein nasses mitleid, seufzen
u. dgl., wenn dabei thränen flieszen: ein nasses mitleid erwecken.
polit. stockf. 33; ihr werdet .. denselben gott mit nassem säuffzen klagen. Opitz (1646) 1, 70; ja, ein derber und trockener spasz, nichts geht uns darüber, aber der jammer auch, wenn er nur nasz ist, gefällt. Schiller 11, 150, 400. 2@ee) ein nasser tod, ein nasses grab (
im wasser): da uns ein nasser tod bei jedem athemzug in jeder welle droht. Wieland 18, 151; ach götter .. .. laszt well und wind sich legen. nur dieszmal laszt mich noch der nassen gruft entfliehn. Lessing 1, 209. 2@ff) nasz von (
wofür mhd. auch der genetiv steht, von bluote naʒ
oder bluotes naʒ Lexer 2, 43): vom regen, von thränen
u. s. w. nasz; die wangen sind nasz vom weinen. Aler 1453
b; von freudenthränen nasz. Brockes 1, 60. 2@gg) nasser, begosner oder trunkener,
suffusus, ebrius. voc. 1482 x 2
b; die vor sassen als die nassen auf der pank. O. v. Wolkenstein 126; der ander kleffer war noch nesser. H. Sachs 3, 353, 3; nach mittags ... so war ich leider allzu nas. Ringwald
tr. Eckh. II 8
a; nasz von wein,
madidatus vino. Aler 1453
b; da hebt er (
der säufer) an zu denken, ob er den nassen hals will würgen oder henken. Rachel 6, 146; ein nasser bruder,
bibaculus, potator Stieler 1334. Rädlein 667
b; ein nasser
oder ein nasser bruder,
ein mensch der gerne trinkt. Schm. 1, 1758
Fromm. Schöpf
tirol. idiot. 462,
s. theil 2, 419
f. und dazu noch: den andern nassen brüdern ist sehr warm eingeheizt, wie dem reichen mann im Luca, da sie sich bis an den jüngsten tage .. abzudrücknen haben. Mathesius
Sar. 10
b; das sihet man an den nassen brdern wol, welche sich teglich .. zu sonderer ehr vollsaufen. Ringwald
tr. Eckh. A 5
a; die .. wären nicht so nasse brüder. Schuppius 539; ihr nassen brüder, follen schlukker. Rompler 37; hat denn die zunft der nassen brüder ein mittel recht vergnügt zu sein? Chr. Gryphius
poet. wäld. 1, 608; so bebt auch ietzt die schaar von Raufbolds nassen brüdern. Zachariä
renomm. 5, 132; wo jeder säuft .. und nasse brüderschaft so leichtlich bricht als machet. Rachel 6, 138; nasse schwester,
multibiba Stieler 1334, der nasse bube, bursche, knabe, kunde
u. dgl., der schlemmer, trunkenbold, zechgeselle, auch der abenteurer, der geriebene, verschlagene gesell: und weren sie schon die allerärgsten nassen buben, die auff erden gehen können. Fischart
bienenk. 205
a; man find zwar nasse buben, die disz (
händebinden) durch geschwindigkeit artlich nachspilen können.
Bodin (1591) 97; gleich wie der nasz bub frater Nasz.
nachtrab 977; idoch mocht mir (
dem podagra) ainer fürwerfen, ich fall nicht allein die nasse burst und gute mänlin an, sondern auch zu zeiten die allermäsigsten leut.
podagr. trostb. (1577) J 3
b; so oft man sich vor volle gläser setzt, wählt sich der nasse pursch ein mädchen. Zachariä
renomm. 4, 258; vier menner, gar nasse knaben, hand auch gewaltig wollen sein. Liliencron
volksl. 282, 66 (
v. j. 1513); darum ist er ein nasser knab und suocht sin spis mit ödem fund. Murner
narrenbeschw. 60, 48; man findt ietzund wol nasse knaben, die weder münz noch güldin haben. 82, 7; o du untrewer, nasser knab! H. Sachs 11, 232, 32; kam des abends ein nasser knab und ebentheurer. Kirchhof
wendunm. 194
b; ein nasser knab, geschmitzter gsel. Frank
sprichw. 2, 99
a; wann man nem solche nasse knaben, die solche feine künst thuont leren, und lies ihn das den henker weren. Wickram
bilg. H 3,
bl. 27; er heb sich diser galgenschwengel, der nasz, verschlagen, diebisch knecht. H. Sachs 4, 144, 17; ein alter erfahrener vom adel, ein rechter nasser kund. Fischart
Garg. 224
a; ir mögt wol sin der nassen kunden, das ir in widerwertigkeit mit gott zuo scherzen sind bereit. Murner
narrenbeschw. 81, 40; also musst der pfaff die mess umbsonst gesungen haben, dann er besorgt an dem nassen vogel kain eer zu erjagen. Pauli
schimpf u. ernst 54; was da auch ein nasser vogel unter den trabanten. Wickram
rollw. 30, 4
Kurz; ein unnützer nasser vogel. 53, 5. 33)
adverbial: es geht nasz nieder,
es regnet ganz fein. Albrecht
Leipziger mundart 176
a; nasz (
mit thränen in den augen) hinblicken. J. Paul
friedenpr. 4.
s. unten die participialen zusammensetzungen mit nasz.