Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
nahtraban
(1,93,27. 217,18), Gl. 1,354,6 (9. Jh., alem.)
und zahlreichen weiteren Gl., in NBo, Nps,
Npg und Npw: ‚nachtaktiver Vogel (Nachtra-
be, Nachteule, Nachtreiher, Rohrdommel); bu-
bo, corax, corvus, corvus marinus nocturnus,
nocticorax [= nycticorax], nocturnus, nyctico-
rax, pellicanus‘ <〈Var.: nacht-, nat-, nact-; -u-,
-f-; -en; -hram>〉. Das ahd. Wort ist eine Lehn-
übersetzung von lat. nycticorax m. ‚Nachtrabe‘
(vgl. Carr 1939: 76), das wiederum aus gr. νυκ-
τικόραξ m. ‚dss.‘ übernommen ist (vgl. Georges
1913: 2, 1234). Dabei ist die mlat. Var. nocti-
corax eine Anpassung des gr. Lehnwortes an
oblique Kasus von nox (noct-), da das KVG für
die Römer deutlich ‚Nacht‘ war (vgl. Stotz
1996–2004: 2, 5 § 87, 3). Eine Angleichung an
noctua f. ‚Nachteule‘ ist weniger wahrschein-
lich, denn ‚Nachteulen-Rabe‘ wäre keine durch-
sichtige Bildung. Weder den Interpreten des
Bibeltextes noch den ahd. Glossatoren war
dabei klar, welcher Vogel mit dem Determi-
nativkomp. nahtraban gemeint war (vgl. Suo-
lahti [1909] 2000: 380 f.). Einige Gl. zeigen
metathiertes nath-. Zu dem verkürzt scheinen-
den KVG -ram s. u. – Mhd. nahtraben st.m.
‚Nachteule‘, nhd. mdartl. schweiz. †nachtram
m. Vogelbezeichnung ‚caprimulgus‘, luxem.
nuetsramm f. ‚große Rohrdommel‘ (Botauris
stellaris), rhein. nachtsramb m. ‚Nachtschwal-
be, Ziegenmelker, Nachtschwärmer‘, pfälz.
nachtramme f. ‚Nachtschwalbe, Ziegenmelker‘,
schles. nachtram ‚Reiherart‘.