marterer,
märterer,
märtrer,
m. martyr. 11)
die angegebenen formen, die auf ahd. martirâri, marterâri
zurückgehen, im mhd. als marterære, martrer, merterære
die gebräuchlichen sind und, wie sie ganz deutsches gepräge zeigen, auch im sprachbewustsein nicht mehr als fremden ursprungs empfunden werden (
vgl. dazu marter 1),
haben anwendung zum theil bis in unsere zeit hinein erfahren, wo die schon im 16.
jahrhundert hie und da auftauchende schreibung martyrer
und märtyrer (
s. d.),
die nur einer übel angebrachten gelehrten erinnerung ihr dasein verdankt, die allein herschende geworden ist. das unumgelautete marterer
ist in der alten sprache häufiger als die umgelautete form, die sich erst später ausbreitet; ein daneben erscheinendes marteler, märteler (
vgl.martel
für marter
oben sp. 1677)
verschwindet nach dem 16.
jahrh. wieder: martyr marterer, merterer, marteler, merteler Dief. 350
b; marteler
martyr. voc. inc. theut. n 4
b; märterer,
martyr, confessor Stieler 1244; märterer
martyr Steinbach 2, 29 (
beide als einzige form); marterer
martyr Frisch 1, 646
b (
neben martyrer); bi den kronen aller marteler.
d. städtechron. 8, 119, 29; von der märtler blut, das sie vergossen haben. Fischart
bienk. 149
a; der märtler Bonifacius. 171
a; ein heilger mertler muszt er werden. E. Alberus 117
b; also hat Christo es gefallen, das die erst märtler unter allen inn seiner kirch solln kinder sein. Fischart
dicht. 3, 138, 12
Kurz; bei den köhlern heiszen märtler
die abgelöschten kohlenbrände eines ausgebrannten kohlenmeilers, die zu einem neuen meiler aufgehoben werden. Jacobsson 3, 27
b;
eine gekürzte form marter, martel
war selten: martyr ein martel Dief. 350
b; hornbruoder unde martere.
minnes. 2, 218
b Hagen; vgl. dazu unten märterlein
und unter märtererin, märtererkrone, märterertod, märtererthum. 22)
gebrauch des wortes im eigentlichen sinne: das die römische kirche von gott für allen andern geehret sei, ist kein zweivel, denn daselbs
s. Peter und Paul, 46. bepste, dazu viel hundert tausent marterer, jr blut vergossen. Luther 1, 166
b; die heiligen marterer. 3, 28
a; so haben sie auch allen marterern gethan, die umb des gecreuzigten Christi namens willen gestorben sind. 4, 63
b; dadurch sind die lieben marterer gen himel komen. 5, 214
a; kein prophet, apostel noch marterer. 6, 232
b; das auf einen tag (wie man in historien findet) durchs römisch reich sibenzig tausent marterer erwürget wurden, wie man noch zu Rom einen kirchoff findet, darauf, wie man sagt 80000. marterer, und 46 bischove begraben ligen. 447
b; gott hat etliche menschen zu märterern berufen. Butschky
Patm. 57; die gröste pein, die man den christen anthat, war eine überaus heisze quelle, in welche man die märtrer so oft hinunter liesz, bis sie starben, oder den glauben verleugneten. Haller
schweiz. ged. 71
note (märtyrer
neben märtrer 73
note); propheten und darzu die heilgen marterer, das waren mannes pild und liten grosze schwer.
lied (15.
jahrh.)
in Wolfs zeitschr. f. d. myth. 1, 469; allhie findt man vor augen vil heilthumb werth und gut der märtrer, so den glauben bezeugt mit jhrem blut. Wackernagel
kirchenl. 5,
nr. 1400, 20; wie hat manch märterer mit noth und tod gerungen! Chr. Weise
zeitvertr. 2, 66; an eifer gab er keinem märtrer nach; er war an glauben stark, wiewohl an kenntnis schwach. Wieland 22, 261 (
Oberon 6, 24); die fenster (
der kirche) glühten dunkelklar mit aller märtrer frommen bildern. Uhland
ged. 399;
übertragen auf die blutzeugen der evangelischen kirche: Jhesum Christum, der uns solchen trost gibt, durch diesen seinen lieben diener und marterer Leonhart (
Keiser). Luther 3, 423
a; ein lied von den zween merterern Christi, zu Brüssel von den sophisten von Löuen verbrandt. 8, 370
b. 33)
in freier verwendung: (
dasz) sie (
die gottlosen) aber zwifaltig des teufels marterer sind, beide hie und dort jre helle haben. Luther 5, 443
a; welche wegen des gemeinen nuzzen politische märterer worden. Butschky
kanzl. 305; ich weiʒ wol, eʒ ist ein altes mære, daʒ ein armeʒ minnerlîn ist reht ein marterære.
minnes. 2 154
a Hagen; Hainz. ich .. halt neunerlei gaistlich oren (
orden) da haim in meim elichen stant ....
kellner. thw mir den füenften orden sagen!
Hainz. das ist der lieben mertrer orden. H. Sachs
fastn. sp. 1, 155, 271; die ihr am Helicon als thorheits-märtrer leidet. Günther 491; disz werkgen, sehts doch an, vertritt des glases stelle, wenn sich die einfalt putzt und zu bespiegeln sucht; nur schade, dasz dadurch viel theure märtrer leiden, da wir vor ihr verdienst so grobe federn schneiden. 500;
von solchen, die durch krankheit qual leiden: denn wir sind solche zertlinge und so weiche marterer, wenn uns nur ein bein wehe thut, oder ein klein bletterlin aufferet, so künnen wir himel und erden vol schreien. Luther 5, 45
a.