mannlich,
adj. und adv. virilis, viriliter. 11)
die unumgelautete mhd. bildung manlîch (
dem ahd. manlîh
virilis entsprechend),
die häufiger als die umgelautete menlîch
war, wurde gern nach der bedeutung von mann 3
oben sp. 1562
in dem sinne von thatkräftig, tapfer, mutig, heldenhaft gebraucht: manlîch herze vindet man bî schilde: zeglîch muot muoʒ sîn dem schilde wilde.
frauendienst 457, 21;
und bleibt auch nach der mhd. zeit als ein schmückendes und ehrendes beiwort, bis in das 17.
jahrhundert hinein, in gebrauch: so ist er so ain herlicher freishaimer fürst und ain so manlicher herr gewesen, als ich kainen ie gesach.
d. städtechr. 5, 166, 5; frumme und mandliche leut die sich tröstlich weren dörfen. Dürer
befest. F 4; du wirst dort sehen in einerlei geselschaft, alle heilige, frome, weise, manliche, ehrliche leute. Luther 8, 175
a; L. Sicinius Dentatus, der was von der gemein, ein sonder mannlicher und trutzlicher man.
Liv. v. Schöfferlin 45; mannlicher mann, der widerwertigkeit dapferlich leidet,
vir fortis. Maaler 283
d; der edel und manlich Reynhardt.
Aimon, vorrede; nun weisz ich an diesem hof kein mannlichen helden.
Galmy 280; ihr werdet mir geloben, als ein mannlicher ritter und ehrlicher von adel.
Amadis 36; nichts desto weniger verzoge der andere nicht, sondern als ein frischer und mannlicher ritter, gab er jhm erstlich gnugsam
zu schaffen. 141; da tetten sie ain manliche getat.
d. städtechron. 5, 251, 16; die löbliche stad hat einen feinen namen, Constantia, das heiszt bestand, oder fest manlich gemüte. Luther 6, 319
a; mannlich und dapfer angesicht,
virilis vultus, ein dapfer, mannlich, redlich und unerschrocken herz,
virilis animus. Maaler 283
d; ein mannlich herz bekommen. Kirchhof
mil. disc. 74; wolan, ihr edle gemüther, lasset uns etwas wagen, lasset uns ein versuch anstellen dieser mannlichen wolredenheit. dieser wolredenheit, sag ich, kraft welcher wir die bewegungen können ein- und ausztreiben, welcher sich so viel wiederspenstige seelen, so viel reiche, so viel fürstenthümer unterworfen. Schuppius 850; da wir den feind draus sahen, da gab uns gott ein mannlichs herz, keiner wolt da verzagen. Soltau
volksl. 381 (
von 1547); die angreifenden zuo erhitzen und mannlich zuo machen. Frank
weltb. 43
a; dieser war so mannlich und auch so kü
n. b. d. liebe 268
b; denn dieweil er so mannlich, ist unmüglich, dasz er nicht auch ein fürsichtiger und tugenthafter ritter sei.
Amadis 152; jr sön seit stark und mannlich im gesatz. Reiszner
Jerus. 2, 59
b; do ist ir (
der feinde) leger, seit manlich. Schmelzl
Saul 31
a; mannlich, dapferlich, mannlichen,
viriliter, fortiter. Maaler 283
d; mannlich und dultigklich etwas leiden,
fortiter ferre aliquid. ebenda; Johannes Hus .. der so christlich schreibt und leret, so ritterlich mit des todes anfechtungen kempft, so gedültig und demütig alles leidet, und endlich so manlich den schendlichsten tod umb der warheit willen annimpt. Luther 6, 497
a; hatte leib und leben manlich gewagt. 2
Macc. 14, 38; und griffen sie mannlich
an. b. d. liebe 269
a; das dieses eines jeden redlichen kriegsmans eigenschaft und beruf sei, seiner widerparth mannlich zu widerstehen. Zinkgref
apophth. 1, 193; er .. lobte dieses offnen sünders rede von den exactionibus nicht wenig, auch nachlängs thate er von den tributen und anderem mannlich philosophiren. Schuppius 722; ob yemant sinnlich würt betrübt, gar mannlich söl er widerstan. Schwarzenberg 151
a; hiemit so stiesz man ab von land, und legt an druoder manlich hand. Fischart
glückh. schiff 220; der mannlich seinen feind bei tafel schläget todt. Fleming 219;
auch von frauen: der frauen findet man vil, die mannlich seind, wie andere mann und tragen ein degen an und setzen parret uf halber über ein or. Keisersberg
brösaml. 2, 49
a; sunst han ich min muotter nie gsächen weinen, dan sy ein dapfer manlich wib was, aber ruch. Th. Platter 33
Boos; und selbst von thieren: auch ist hie zu wissen, das man ... in den kalten landen, die vast kalt sind, vil valken und ander vederspil vil vindet, und sind auch gröszer und manlicher dann hie zu land. Mynsinger 18.
Im späteren 17.
jahrh. verschwindet das wort, die wörterbücher kennen es nicht mehr, bis es in neuerer zeit wieder auflebt: der Rudenz war es, der das Sarner schlosz mit mannlich kühner wagethat gewann. Schiller
Tell 5, 1. 22) mannlich,
dem manne gemäsz nach gestalt, aussehen, alter, geschlecht, ist seltener, weil durch männlich
ersetzt, vgl. mnd. manlik, na der mate einer manliken hant. Schiller-Lübben 3, 27
a. manlicher sam,
sperma, semen virile. voc. inc. theut. n 3
b; mannliche sorg, die yetz eim betagten wol zuo stadt,
cura virilis. Maaler 283
d; beflisse ich mich aufs höchste, alle meine weibliche sitten auszumustern und hingegen mannliche anzunehmen.
Simpl. 3, 16
Kurz; das mannlich glied. 4, 122; doch ist auch zu manlich sein gesicht, darumb ist er Apollo nicht. Weckherlin 358.