Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
lidolîh
‚jegliches. Das Komp. ist wohl aus *lido-gilîh
Glied‘
gekürzt, da einfaches -lîh nicht
‚jeder‘be-
deuten kann (vgl. Braune-Reiffenstein 2004:
§ 300 und Anm. 1). Das VG lido- steht im
Gen.Pl. S. lid, gilîh. – lidônAWB sw.v. II, spätes-
tens seit dem 9./10. Jh. in Gl.:
‚zergliedern,(mhd. liden
zerteilen; caedere, concidere, secare, sepa-
rare‘
‚gliedern‘; mndd. lēden
‚zerteilen, gliedern‘; ae. -liđian, -leođian in
āliđian, āleođian
‚abtrennen, lösen‘; aisl. li-
ða
‚in Ordnung bringen, beugen, gliedern‘).
Denominale Bildung. S. lid. – gilidônAWB in MF:
‚trennen‘, nur in der Wendung gilidôntaz en-
ti weralti
‚das die Trennung (in Gut und Bö-(ält. nhd. glieden
se) bringende Weltende; consummatio sae-
culi‘
‚gliedern‘; vgl. mhd.
gelidet
‚mit einem Glied versehen, geglie-; frühmndl. gheledet [a. 1240], mndl.
dert‘
geledet
‚gegliedert‘; vgl. auch mhd. entgliden
‚entgliedern‘). – zilidônAWB nur in Gl. 1,634,36
1253 gilidilîn – lidulîchoS1254
(12. Jh.):
‚zergliedern, zerfleischen; exossa-(mndd. toleden
re‘
‚zergliedern‘; ae. tōliđian
‚zergliedern, zerlegen‘; vgl. mhd. zerliden,
nhd. zergliedern). – lidugilâzAWB m./n. a-St.,
in Gl. seit Anfang des 9. Jh.s:
‚Verbindung. Determinativkomp. mit
der Glieder, Gelenk, Umriss des Körpers; ar-
tus, compages, compago, iunctura, linea-
mentum, organum‘
subst. VG und HG. S. lid, gilâaz. – lidulâzAWB
m./n. a-St., nur Gl. 2,4,27 (Hs. 2. Hälfte des
9. Jh.s, Zeit des Gl.eintrags unbekannt):
‚Umriss des Körpers; linea‘. Determinativ-
komp. mit subst. VG und HG. S. lid, lâz1. –
Ahd. Wb. 5, 915 f.; Splett, Ahd. Wb. 1, 518.
533; Köbler, Wb. d. ahd. Spr. 409. 721.
1317; Schützeichel7 200; Starck-Wells 373;
Schützeichel, Glossenwortschatz 6, 73 f.