kreppisch ,
widerborstig, reizbar u. ä. 11)
ein beleg aus dem 16.
jahrh.: etlich hetten geraten, man solts (
die eingabe der gegner) keiserlicher majestat durch unparteiische doctores zustellen. aber etlich hohe potentaten, die sich in allen sachen kreppisch und feindselig machen, haben es gehindert. Spalatin
bei Luther 5, 36
b im berichte über den Augsburger reichstag 1530.
der sinn musz nach dem zusammenhange sein: die der friedlichen beilegung feind sind, also reizbar oder kampflustig. Von den wbb. gibt es zuerst Heynatz
antibarb. 2, 202, 'kreppisch,
ungefähr so viel als auffahrisch,
aber nur von kleinen thieren und menschen gesagt, z. b. wie kreppisch das hähnchen ist!'
danach dann Campe,
der hinzufügt dasz es nur der '
gemeinen sprechart'
angehöre und da kräpsch
laute, z. b. sich kräpsch machen (
wie eben schon Spalatin).
diesz kräpsch
gilt in Thüringen, Sachsen, Posen (Bernd 142),
auch in Ostpreuszen (Hennig 135),
ist also wesentlich md. 22)
ursprung und zubehör. 2@aa)
man bezieht es jetzt meist auf krabbe,
und dazu stimmt die beschränkung des gebrauchs die Heynatz
angibt und die z. b. auch in Leipzig gilt, wo mans besonders von bösen kindern braucht. Bernd
gibt aus Posen kräppe
f. gleich krabbe 2,
b, das adj. wird auch kräbbisch
geschrieben, s. unter krabbe am ende. bei Kehrein 1, 244 krappe
m., auch krappert
zänkischer mensch aus Nassau, dazu ebenda krappig
und krappisch,
zänkisch. 2@bb)
aber es gehört auch ein volksmäsziges verbum dazu, das an krabbe
keinen anhalt findet, kreppen
ärgern, z. b. das kreppt mich,
besonders auch refl. sich kreppen
von ärger den man verschlucken musz, so z. b. in Sachsen, dem Osterlande, Voigtlande, das refl. auch in Ostpreuszen (Hennig 135),
und rheinisch, z. b. in Nassau (kräppen Kehrein).
im nd. aber heiszt das sik kribbeln Danneil, kribben Dähnert,
dazu kribbe
ärger, dem. kribbken (
brem. wb.),
und dazu das adj. kribbisch (
s. d.). 2@cc)
diesz kreppen
erscheint aber in rein hd. färbung als kröpfen,
so nordfränk. in Schmalkalden, es kröpft mich Vilmar 227,
der es auslegt '
es macht mir einen kropf, liegt mir im halse',
von Regel
Ruhlaer mundart 223
weiter ausgeführt und zur gewissheit erhoben. von etwas, das einen heimlich ärgert, bekümmert, heiszt es weithin das liegt mir im kropfe (
wie im kragen,
d. h. im halse, s. sp. 1960),
in Appenzell sagt man z. b. davon: sägs usa, söss choscht en chropf öber Tobler 120
b,
sags heraus, sonst '
überkommst'
du einen kropf. sich ausklagen heiszt dort de chropf
oder de kraga lära (
leeren).
So kann denn das md. kreppisch
eigentlich kröppisch
sein, die nebenform kripsch (
z. b. thür., sächs.)
eig. krüppisch,
wie es in der Ruhl wirklich heiszt Regel 223;
mrh. auch krippig
neben krappig Kehrein 244.
das zeitwort heiszt md. auch es krippt mich,
eig. krüppt (
vgl. hd. krüpfen),
ohne umlaut und daher mit erhaltnem md. u
hessisch es kruppt mich Vilmar 227,
zu md. krupp
für kropf.
henneb., mainfränkisch heiszt kröpfig
eigensinnig Reinwald 1, 90. 2@dd)
freilich erscheint auch anderer vocal, in der Ruhl es kräpft mich,
in Luxemburg 'krappeg, krappschesseg,
kreppisch, eigensinnig, störrig' Gangler 252,
wie rhein. krappig, krappisch
u. a zuletzt, auch in der Wetterau z. b. ein krappiger kerl,
der leicht kleine händel anfängt. aber eben in Luxemburg heiszt auch der kropf selbst krapp
m., kropfig krappeg,
die kropftaube kräppert (
s.krepper),
und diese nebenform von kropf
mit a
scheint echt und alt. die unter kracke II, 1,
a zusammengestellten krapf, kropf, krüpps
knirps u. ä. scheinen mit kropf
struma zusammenzugehören. 2@ee)
allerdings bleiben noch naheliegende wörter übrig, die auch da nicht unterzubringen sind, wie nd. in Lippe krappsch
kurz angebunden, rasch im handeln Frommann 6, 217,
oberd. in der Schweiz kräpfig
munter, lebhaft Stalder 2, 129,
vorarlb. krepfig
ausdauernd, nachhaltig Fromm. 4, 6,
die in der bed. doch eine andere richtung einschlagen.