Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Kartei
Kartei
Karte f. ‘steifes Blatt Papier’, z. B. Ansichts-, Eintritts-, Fahr-, Land-, Post-, Speisekarte, spätmhd. frühnhd. karte ‘Stück Papier oder Pergament, ausgestellte Urkunde, gemaltes Blatt’, auch ‘Spielkarte’ (‘einzelnes Kartenblatt’ und ‘alle Karten eines Spiels’) ist im 14. Jh. aus dem Frz. übernommen. Das zugrundeliegende mfrz. carte ‘Spielkarte, Papier, steifes Papierblatt’ (vgl. frz. carte) beruht in seinen verschiedenen Bedeutungen auf mehrfacher Entlehnung, vor allem wohl von ital. carta ‘Papier, Karte, Land-, Spielkarte’, teilweise vielleicht auch von mlat. charta ‘Papyrus, Papier, Pergament, Urkunde, Brief, Buch’ oder aprov. carta ‘Papier, Brief, Buchblatt, Spielkarte’. Diese Formen setzen lat. charta, griech. chártēs (χάρτης) fort (s. Charta; vgl. daneben das wohl aus dem Deminutivum lat. chartula entwickelte afrz. chartre ‘Urkunde’, s. chartern; s. ferner Kartätsche, Kartell, Karton, Kartusche, Skat). Aus dem Kartenspiel stammen zahlreiche metaphorisch gebrauchte Wendungen: die Karten aufdecken ‘seine wahren Absichten zu erkennen geben’; mit verdeckten, mit offenen Karten spielen ‘seine Absichten verheimlichen, zeigen’; sich nicht in die Karten sehen, gucken lassen ‘nichts von seinen Absichten verraten’; alles auf eine Karte setzen ‘alles auf einmal wagen’; auf die falsche Karte setzen ‘die Lage nicht richtig einschätzen, eine Sache unterstützen, die sich als falsch oder erfolglos erweist’. Dazu die Ableitung karten Vb. (obd. karteln) ‘Karten spielen’, übertragen ‘klug einrichten, schlau einfädeln’ (um 1500), wofür heute abkarten Vb. ‘heimlich (zum Nachteil eines Dritten) vereinbaren’ (Anfang 18. Jh.), eigentlich ‘die Karten nach geheimer Abrede mischen oder geben’, besonders in der Fügung abgekartete Sache, abgekartetes Spiel (18. Jh.). – Kartei f. ‘auf Karten oder Zetteln angelegte, in Kästen aufbewahrte Materialsammlung, Zettelkasten’ (Ende 19. Jh.), nach Vorbildern wie Auskunftei, Bücherei für älteres Kartothek (s. karto-).