jedweder ,
quisque, mhd. ie-deweder,
verstärktes deweder,
der eine oder der andere von zweien, später ietweder. 11)
das wort verläuft der form nach ganz wie jeder;
auch hier die flexionszerrüttung, indem für ursprüngliches ietwederer, jedwederer, jedwedere, jedwederes
nur jedweder, jedwede, jedwedes
um sich greift, wiewol die ältern formen bis ins 17.
jh. dagegen ankämpfen: es müste jedwederer so etwas daher schneiden (
aufschneiden).
Simpl. 4, 250
Kurz; die übrige alle (
alle übrigen mägde) wuste eine jedwedre, was sie thun solte. 2, 90; können und müssen ein jedwederen, auch denjenigen, welcher bei dem göttlichen feuer ganz erkaltet, anzünden. Schuppius 724; es ist eine anzeigung eines unverschämten sicheren gemüthes, einen jedwedern, wie unvernünftige thiere thun, ohne unterscheid anlaufen. Opitz
poet. 24; mit einem jedwedern disputirn.
Simpl. 3, 32
Kurz; einem jedwedern soldaten. 90; weil er von jedwederm pfenge rechnung thun solte.
polit. hofmädgen 170; was von der besten und raresten kielwerk und gewächsen in jedwederm bettlein angebauet ist. Hohberg 1, 583
a; folgends warden die sämptliche fahnen fürgestellet, und hat der käyser und beide herzogen .. an jedwedere stange gegriffen. Micrälius
alt. Pommern 3, 526; er verschafft zu jedwederer handelschaft genugsame kaufleute.
Simpl. 3, 93
Kurz; in jedwederer gewohnheit oder exempel. Schuppius 728; die zeit und ort einer jedwedern geschicht. Micrälius
alt. Pomm. 1, 111; die eigenschaft eines jedwedern dinges. Opitz
poet. 37.
Für jedweder
gilt bis zum 18.
jahrh. die aussprache iedweder,
auch wol trotz anderer schreibung, vgl. unter je
sp. 2274
und jeder
sp. 2286;
seltener durch die schreibung gesichert: musz ich idwedern versichern. A. Gryphius
vor dem druckfehlerverzeichnis der ausgabe von 1663; iedwedes gebrechen,
quodlibet vitium. Steinbach 2, 953. 22)
die bedeutung ist ursprünglich nur eine duale: nein, ir tjost wart sô getân, durh die schilde und durh bêde man. ietwederm von des andern hant wart harnasch und verch zetrant. Wolfram
Willeh. 24, 21; beidiu sper enzwei geriten, ietweders kraft alsô versniten daʒ es der tôt sîn bürge wart. 24;
auch noch in späteren beispielen: under den selben sant Thomansz lüt soll der meyer dasz bahnwarththuen zwein lihen zue winachten, undt soll der jedwedere dem meyer geben fünf schillinge basiler.
weisth. 4, 154 (
Elsasz); jedweder site der straasze dri fuesz. 155; dasz er mich und den alten beim kopf nehmen und jedweders (
neutr. in bezug auf eine frau und einen mann) besonders gefangen setzen liesze.
Simpl. 3, 127
Kurz; Adrast gelobt es mir und diesem Tydeus, der jetzt mein bruder ist, jedweden eidam (
von zweien) zurückzuführen in sein heimisch reich. Schiller
Euripides' Phöniz. v. 426. 33)
schon mhd. aber ist auch plurale bedeutung bezeugt: jetweder vater, sun und geist sunder erschein.
minnes. 2, 363
a Hagen; und diese wird später die allgemeine, so dasz jedweder
ganz wie jeder
den einzelnen in der kette einer vielheit oder gesamtheit bezeichnet. die breitere form von jedweder
gibt ihm gegen jenes einen gewissen nachdrücklichen sinn. es steht (
vgl. jeder II, 3. 4. 5) 3@aa)
substantiv: dasz jedweden das, was seine, und von ihme den ursprung hat, das schöneste und beste zu sein dünket. Schuppius 403; jedwedem bleibet schon sein mangel aufgelegt, nur dasz man übel sieht was unser rücken trägt. A. v. Abschatz
verm. ged. 168; geh froh und lasz dein herz das glück mit dank empfinden, jedwedem werth zu sein, der nur entfernt dich kennt. Gellert 6, 229; und eine lust ists, wie er alles weckt und stärkt und neu belebt um sich herum ... jedwedem zieht er seine kraft hervor, die eigenthümliche, und zieht sie grosz. Schiller
Piccol. 1, 4; o dann hab ich gewonnen, o dann trotz ich jedwedem, was die bosheit sagen mag. Tieck 1, 44. 3@bb)
adjectiv: jedwedes thier,
quodlibet animal Frisch 2, 427
c; auf jedweder seite. Rabener
werke 2, 223; gehorsam ist jedwedes glied dem orden schuldig zu erweisen. Abschatz
verm. ged. 139; jedweder bester tag geht uns zuerst dahin. 170; jedweder officier von ehre kann das, musz das. 4, 1; jedweder stand verwahret seine gränzen; die alte Zürich selbst schlosz ihre thore.
W. Tell 5, 1; denn wenn du pfeifst, so springt der hund jedwedes mal aus seinem ofenloch, und denkt es gelte ihm. H. v. Kleist 1, 67; ich will der schlachtordnung gestalt entwerfen, jedwedem führer seinen stand begränzen, und recht vertheilen unsre kleine macht.
Shakesp. Richard III 5, 3. 3@cc)
in verbindung mit dem unbestimmten artikel: eines jedwedern natur. Hohberg 3, 2, 12
a; dasz ein jedweder so viel glück hat, als er verdienet. J. E. Schlegel 3, 334; ein jedweder wird den brief nach seinen umständen einzurichten wissen. Rabener
werke 3, 71. 44) jedweder
bezeichnet nicht nur den gleichen theil einer vielheit, sondern deutet auch auf den dem grade oder der stärke nach verschiedenen, wie jeder II, 11
sp. 2291: denkt ihr, er habe .. jedwedem stillen erdenglück entsagt. Schiller
Piccol. 3, 8; du konntest spielend deine pflichten üben, jedwedem schönen trieb genüge thun.
Wallensteins tod 2, 2; so müssen sie, uneingedenk jedweder vorigen beleidigung, sich einzig dessen nur, weszwegen sie beisammen sind, erinnern.
Eurip. Phöniz. v. 470. 55) jedweder
bei zeitbestimmungen, irgend ein, mit dem seitenbegriffe des ungewis baldigen, vgl. jeder II, 12
sp. 2291: o lassen sie uns fliehen, liebe mutter! schnell! schnell! hier ist kein aufenthalt für uns. jedwede nächste stunde brütet irgend ein neues, ungeheures schreckbild aus! Schiller
Wallenst. tod 3, 3.