Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
irresal stM.
2 Ort, an dem man sich verirrt hat bzw. an dem man umherirrt, ‘Irre’
2.1 eigentl. (hier von der Fremde)
2.2 übertr. ‘Verirrung, Irrglaube’
1 ‘Störung, Beeinträchtigung’ nieman sol trenken sîn pfert, dâ man uber ein wazzer rîtet, ez ensî danne, [...] daz wazzer sô breit sî, daz man ûzewendec der rotte âne der anderen irresal muge getrenken StatDtOrd 112,18; diu sunne ist ir schînes milte, swâ si niht irresals hât von andern dingen unde dâ man ir den wec niht versetzet DvASchr 323,28; die aber des ertriches nihtesniht minnent, di varent vber sich ze himelrich an alle irresal als si von hinnan schæident PrBerthKl 4,101; StRAugsb 223,22; StRRegensb 104; KvMSph 56,25. – ‘Hinderungsgrund’ ist, daz er [der Bewerber] sprichet, daz der irresal [wie Heirat, Leibeigenschaft, Krankheit u.ä.] kain an im sie, so sol [erg.: man ] in vragen, ob er sich mit leib vnd mit willen welle geben dem spital SpitEich 5,19. – ‘Verwirrung, Chaos’ swaz rehts in andern steten was, / daz wart etswâ verkêret, / und irresal gemêret / dem rîch in sînen steten Ottok 426; sô wirt der irresal sô grôz, / daz diu stat wirt blôz / êren unde guotes ebd. 45937. 38868. – rechtssprachl. in der Wendung âne allen ~ ‘ohne Einschränkung, Beeinträchtigung’ (vgl. irresalunge ): die selben wisen haben wir verchavft vnd geben mit allem dem nvtz vnd recht [...] [den Eheleuten] vnd allen irn erben ledichlichen vnd vreilichen ze haben vnd allen irn frvmen da mit ze schaffen, verchavffen, versetzzen vnd geben, swem si wellen an allen irresal UrkEnns 5,298 (a. 1321); vgl. aber allgemeiner: fürbaz man in sach / varen her zetal / ân allen irresal, / wand man was sîner kunfte frô Ottok 13918. 72972 2 Ort, an dem man sich verirrt hat bzw. an dem man umherirrt, ‘Irre’ 2.1 eigentl. (hier von der Fremde): den worten daz [unter der Bedingung, dass] ich ymmer pflegen / mit jamers suften welle din / in irresal, liebiu vrawe min, / gewer mich des ich dich bit WhvÖst 2900 2.2 übertr. ‘Verirrung, Irrglaube’ nû sagt mir, / ob ez umb in alsô stê, / daz er kristenlicher ê / sî geloubic unde ganz, / daz dehein irsales schranz [Fehler, Mangel] / sînem herzen wone bî? Ottok 20081; das er [Gott] mit seiner gothait macht / allen ïrschal zestort Märt 5177; zum ersten so erschinent [am Jüngsten Tag] diu zaichen der ierreseli alder dez ierretuͦmez. daz die luͥte da mit werden betrogen PrSchw (St) 4,61. SchlierbAT (LS) 1,184; Dalimil 90,4. – aus heidnischer Perspektive vom Christentum: der [Paulus] hât ouch Kriechenlant / brâht in grôzen irresal Ottok 47829
MWB 2 1982,63; Bearbeiter: Hansen