Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
hindernisse stN.
2 übertr., eine Handlung behindernder, störender Umstand
2.1 allg.
2.2 âne (alle) ~ .
2.3 in Rechtstexten, auf die Erfüllung eines Vertrages bezogen (zu verschiedenen Sachbezügen vgl. DRW 5,995ff.)
1 konkret, etw., das den schnellen Lauf, den freien Blick, das Sehvermögen beeinträchtigt: Plinius spricht, daz daz milz ain hindernüss sei des laufens [ cursus inpedimentum Plin. nat. hist. 11,80(205) ] BdN 31,6. – owe den sachen, die mir [der Seele] sint / ein hindernisse und ein stric, / daz ich nicht offenlichen blic / mac nach willen keren / an den kunic der eren Pass I/II (HSW) 11021; wanne tu wir alle hindernusse ab, davon die augen gehindert werden moͤhten, als nebel ist und ander duͤnst KvMSph 15,26; ein arzât, der reiniget mir wol mîn ouge und tuot abe daz hindernisse, daz daz gesihte hindert Eckh 2:202,10; ‘mîn liep sach mich ane durch ein venster’ [vgl. Ct 2,9] , daz ist: âne hindernisse ebd. 2:605,5 2 übertr., eine Handlung behindernder, störender Umstand 2.1 allg.: manich irrung wart im [dem Volk Israel in der Wüste] getân / und aller leie hindernis [...] / an dem snellen geverte JvFrst 9183; lîplîche vroude [...] ist dicke ein hindernisse zu geistlîcheme lebene HvFritzlHl 29,34; ein swere hindernisse Tauler 48,23; kein mergklich hindernisse ebd. 129,9; wi der babist daz hindernisse [Hinderungsgrund einer Eheschließung] der mageschaft abe getan hette Köditz 48,21; mirke bit sinnen / manich hindernisse dat du noch must verwinnen, / salt du hi leven bit dineme vromen Lilie 11,38; swenne si [Seele] genzlîche vereinet wirt in gote [...], sô verliuset si alle ir hindernisse und krankheit und unstæticheit Eckh 3:25,4; waz sol da menschlich bisin hindernús geben [ein Hindernis (für geistigen Fortschritt) sein] Seuse 221,27; daz icht hyndirnysse werde von dem volke [damit es (bei Jesu Gefangennahme) keine Störung von seiten des Volkes gebe] EvBerl 46,7; daz si [die Apotheker] sich icht virgezzin / adir werin besezzin / mit manchin hindirnissin, / daz si icht virmissin / an den arcztien PfzdHech 318,29; want uch dit up hindernisse [zum Nachteil] is gedain HagenChr (G) 6184 2.2 âne (alle) ~ . – ‘ungestört, ungehindert’ in diner [Mariens] selen sanc he [Christus] diͤ misse, / he sanc si an alle hindernisse, / in enmuͦd engein din gedanc MarlbRh 13,6; her [Judas] suchte wy her en ane hyndirnysse en geantworte [ quomodo illum oportune traderet Mc 14,11] EvBerl 55,6; Eckh 5: 278,9. – ‘ohne Schwierigkeit, ohne weiteres’ dî ablâte [unkonsekrierte Hostie] sî zukow / und mit der zungen ummeblow / lange in dem munde / und ir doch nicht inkunde / in keine wîs vorslindin; / [...] [dagegen gotis lîcham ] intpfînc sî und zuhant / in âne hindirnisse slant NvJer 21417; nu merket daz die iudeschen hyrten [...] vuͦnden den heiligen Crist an hindernisse, suͦnder dise kuͦnige waren gehindert mit langem wege wol zehen tage PrLpz (L) 59,25; wenne di numeri [in der Kanontafel] funden sint [...], âne hindernisse [ sine mora ] vindes du ouch di stete in den si [Evangelisten] di selbin spruche [...] habin gesprochen EvBeh 3 2.3 in Rechtstexten, auf die Erfüllung eines Vertrages bezogen (zu verschiedenen Sachbezügen vgl. DRW 5,995ff.): daz wir alle anesprache oder hindernisse die gescheen mogent [...] an iren guden, gulden, vryheiden und rechten die sie hant zu Valinder [...] und wider die brieve die wir in dar uber han gegeben, sollen in abe dun gentzlichen UrkDOKobl 1,399 (a. 1339); were oweh, daz sie von zuͦvallendeme hinderniz [ ex incidentibus obstaculis ] [...] di#’e vorgeschribenen kroschin [...] nicht genemen moͤchten UrkFreiberg 1:63,28 (a. 1334); von hindernisse veils kauffes [Überschrift] . swer den andern irret an sinem kauffe [...], der sol geben zuͦ buͦzze 10 #(pfennig) WüP 33,1; wir en sulen ouch wider die selve vrouwe nimanne geinerhande helphe dun, dat jre ze scaden muge comen ove ze hindernisse UrkCorp (WMU) 196,43. – Störung im normalen Ablauf eines Vertragsverhältnisses: [der bercmeister ] sol ouch alle die hindernisse, die her da [in den Bergwerken] erverd, wandiln und hinleygen, beyde daz die erbiter nymand betrigin muͦgen noch daz sie icht gehindert werdin an irm lone edir an ir koist UrkFreiberg 2:6,7 (a. 1328). – formelhaft, âne (alle) ~ u.ä.: daz si und ir erben aller ierlich sullen geben zu winachten ane hindernisse deme convente [...] dit korngelt UrkCorp (WMU) N651,10; und an der selben burch sol er sitzen an aller unser erben hindernisse ebd. 945,27; an alles mannes hindernusch vnd wider rede StRPrag 58; an irrunge vnd hindernuzze UrkWürzb 39,498 (a. 1333); on allen furzug vnd on alle hinternisse ebd. 45,158 (a. 1346)
MWB 2 1542,13; Bearbeiter: Bohnert