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Haeckel

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Haeckel

Bd. 8, Sp. 592
Haeckel, Ernst, Naturforscher, geb. 16. Febr. 1834 in Potsdam, studierte seit 1852 Medizin und Naturwissenschaften in Würzburg, Berlin und Wien, ließ sich für kurze Zeit als Arzt in Berlin nieder und widmete sich bald ausschließlich den Naturwissenschaften. Von seinem Lehrer Johannes Müller zum Studium der niedern Meerestiere angeregt, untersuchte er die Mittelmeerfauna 1859 und 1860 in Neapel und Messina, habilitierte sich auf Betreiben seines Freundes K. Gegenbaur 1861 als Privatdozent der Zoologie in Jena und erhielt 1862 die außerordentliche und 1865 die ordentliche Professur der Zoologie daselbst. Größere wissenschaftliche Reisen unternahm er nach Lissabon, Madeira, Teneriffa, Gibraltar, nach Norwegen, Syrien und Ägypten, nach Korsika, Sardinien, Ceylon, Algerien, Rußland, Java, Sumatra. H. schloß sich bereits 1863 als einer der ersten Fachgelehrten Deutschlands rückhaltlos der Darwinschen Lehre an und gab ihr schon 1866 in seiner »Generellen Morphologie« jenen konsequenten Aus- und Durchbau, der sie erst zu einem wissenschaftlichen System erhob. In der Würdigung sowohl der untersten Stufen des Lebens (Moneren) als in der Einbeziehung des Menschen und in der innern Durcharbeitung des Beweismaterials wirkte er bahnbrechend. Zu diesen Zwecken hat H. eine große Anzahl systematischer Bearbeitungen einzelner Tierklassen, wie der Moneren, Radiolarien, Kalkschwämme, gewisser Korallengruppen, der Medusen und Röhrenquallen durchgeführt; seine große Bedeutung liegt aber nicht sowohl in seiner glücklichen Beobachtungsgabe als in dem Vorwiegen eines spekulativen Zuges, der ihn vor unbewiesenen Schlüssen nicht zurückschrecken ließ, falls sie ihm nur logisch erschienen. Haeckels wichtigste Lehre ist die von der durchgreifenden Bedeutung der Entwickelungsgeschichte des Einzelwesens für die Aufhellung seiner Stammesgeschichte, indem er erstere als eine abgekürzte Wiederholung der letztern betrachtet. Es ist dies das von ihm formulierte biogenetische Grundgesetz, aus dem er die vielfach mißverstandene Störungsgeschichte (Cenogenesis) und die vielumstrittene Gasträa-Theorie (s. Entwickelungsgeschichte, S. 845) ableitete. Er hat Stammbäume der einzelnen Tier- und Pflanzenabteilungen bis in ihre Familien hinein ausgeführt, die als Forschungsprogramme zu betrachten sind und mehr als einmal glänzende Bestätigung erfahren haben. Haeckels Versuche, die ganze lebende Welt unter Einen Gesichtspunkt zu sammeln, seine freimütige Art, das als richtig Erkannte auch offen zu bekennen, haben viele Gegner und noch mehr begeisterte Anhänger gefunden, von denen einige zur Förderung der von ihm vertretenen Forschungsrichtung bedeutende Geldmittel zur Verfügung stellten (Ritterstiftung). Der letztern großen Mehrheit gilt H. nächst Darwin als der hervorragendste Forscher auf dem Gebiet des Darwinismus. In seinen Welträtseln (s. unten) gab er das Programm einer Weltanschauung, die nur kausale Zusammenhänge anerkennt, jede teleologische Betrachtungsweise schroff ablehnt, die Idee einer persönlichen Unsterblichkeit und »sittlichen Weltordnung« entschieden verwirft, gleichzeitig aber die Schönheit der Natur preist und den Menschen zu einer selbstlosen Hingabe an das »Schöne, Gute, Wahre« erziehen will. Vom neuern Materialismus unterscheidet sich Haeckels Lehre durch ihre Betonung der Empfindung als einer ursprünglichen Grundeigenschaft der Materie. Er schrieb: »Die Radiolarien, eine Monographie« (Berl. 1862 u. 1887–1888, 4 Bde.); »Beiträge zur Naturgeschichte der Hydromedusen« (Leipz. 1865); »Generelle Morphologie der Organismen« (Berl. 1866, 2 Bde.); »Natürliche Schöpfungsgeschichte« (das. 1868, 10. Aufl. 1902; franz. Übersetzung, 3. Aufl., Par. 1884; engl., 4. Aufl., Lond. 1892); »Studien über Moneren und andre Protisten« (Leipz. 1870); »Über die Entstehung und den Stammbaum des Menschengeschlechts« (Berl. 1870, 4. Aufl. 1881); »Zur Entwickelungsgeschichte der Siphonophoren« (Utrecht 1869); »Über Arbeitsteilung in Natur und Menschenleben« (Berl. 1869); »Das Leben in den größten Meerestiefen« (das. 1870); »Die Kalkschwämme, eine Monographie« (das. 1872, 3 Bde.); »Anthropogenie, Entwickelungsgeschichte des Menschen« (Leipz. 1874, 5. Aufl. 1903; franz. Übersetzung, Par. 1877); »Ziele und Wege der heutigen Entwickelungsgeschichte« (Jena 1875); »Arabische Korallen« (Berl. 1876); »Die Perigenesis der Plastidule« (das. 1876); »Studien zur Gasträa-Theorie« (Leipz. 1877); »Die heutige Entwickelungslehre im Verhältnis zur Gesamtwissenschaft« (Stuttg. 1877); »Das Protistenreich, eine populäre Übersicht über das Formengebiet der niedersten Lebewesen« (Leipz. 1878; franz., Par. 1880); »Gesammelte populäre Vorträge auf dem Gebiet der Entwickelungslehre« (Bonn 1878 bis 1879,2 Hefte; 2. Aufl. 1902, 2 Bde.); »Das System der Medusen« (Jena 1880–81); »Die Naturanschauung von Darwin, Goethe und Lamarck« (das. 1882); »Ursprung und Entwickelung der tierischen Gewebe« (das. 1884); »Planktonstudien« (das. 1890); »Der Monismus. Glaubensbekenntnis eines Naturforschers«, Vortrag (Bonn 1892, 10. Aufl. 1900); »Systematische Phylogenie« (Berl. 1894–96, 3 Tle.); »Die Welträtsel« (Bonn 1899 u. ö., Volksausgabe mit Nachwort 1903); »Die Amphorideen und Cystoideen« (Leipz. 1896); »Über unsere gegenwärtige Kenntnis vom Ursprung des Menschen« (Bonn 1898, 7. Aufl. 1899). Auch gab er das Prachtwerk »Kunstformen der Natur« (Leipz. 1899–1904) heraus. Die Bearbeitung der von der Challenger-Expedition gesammelten Radiolarien, Tiefseemedusen, Hornschwämme und Siphonophoren erschien in den »Reports of the scientific results of H. M. S. Challenger« (Lond. 1881–89). Seine »Indischen Reisebriefe« (Berl. 1883, 4. Aufl. 1903) berichten über einen viermonatigen Aufenthalt auf Ceylon 1881–1882, »Aus Insulinde« (Bonn 1901) über seine Reise nach dem Malaiischen Archipel. Vgl. W. Bölsche, Ernst H., ein Lebensbild (Leipz. 1900); Breitenbach, Ernst H. (Odenkirchen 1904).
5901 Zeichen · 94 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    häckelstf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)

    häckel stf. verschmitztes weib, hexe. waʒ grôʒer bôsheit truog diu hächel in ir Ls. 2,638. häggele ist in der Schweiz de…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    häckelm.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    häckel , m. dasselbe was häcker, hauer, holzhauer: darnach öffent man euch, dasz die häckel ain laufer haben sullen von …

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Haeckel

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +1 Parallelbeleg

    Haeckel , Ernst , Naturforscher, geb. 16. Febr. 1834 in Potsdam, studierte seit 1852 Medizin und Naturwissenschaften in …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit haeckel

21 Bildungen · 21 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von haeckel 2 Komponenten

hac+kel

haeckel setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

haeckel‑ als Erstglied (21 von 21)

häckelich

ElsWB

haeck·elich

häckelich [hakəliχ Dehli. ] gebogen, krumm. Das Büw e l springt mit sine n häckeliche n Bēn wie en E i chhäs e l.

häckeln2

PfWB

häckeln 2 schw. : ' beim Gehen die Fußknöchel aneinander reiben ', häggle [ LU-Opp ]; vgl. hakeln 3 a. Er häggelt [ LU-Opp ].

Häckelpflug

PfWB

haeckel·pflug

Häckel-pflug m. : 'Pflug, mit dem der Acker leicht umgepflügt wird', Häckelpluck [ KB-Bennhs Bischh FR-Ebertsh ]; vgl. häckeln 1 b, Häckler …

Häckelsbühne

RhWB

haeckels·buehne

Häckels-bühne -by·n., –ø- MülhRh , Wippf f.: Raum über dem Stall (Scheune), in dem der Häckels aufbewahrt wird.

Häckelsdrautchen

RhWB

Häckels-drautchen -drøkχə Neuw-Asb Buchholz Bennau Calenborn Elsaff Elschd Hüllenbg Hargarten Jungeroth Limb Lorschd Neustdt Oberschd Stockh…

Häckelsmäuschen

RhWB

haeckels·maeuschen

Häckels-mäus-chen -ȳ:- Ahrw-OWinter , Sieg-Rhönd ; -ø·y.- Neuw-Burglahr Peterslahr Etschd ; hękəmȳ:sχə Sieg-Bergh Kriegsd n.: Hausgrille.

Häckelstraudchen

RhWBN

Häckels-traudchen -drøk- Sieg-Uckerath n.: 1. Heimchen. — 2. kleine verwachsene Person.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „haeckel". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/haeckel/meyers
MLA
Cotta, Marcel. „haeckel". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/haeckel/meyers. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „haeckel". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/haeckel/meyers.
BibTeX
@misc{lautwandel_haeckel_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„haeckel"},
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