gutwilligkeit,
f. ,
seit mhd. zeit bezeugt, ableitung von gutwillig,
vgl. auch mhd. wolwillicheit. 11)
zu gutwillig 1
selten gebildet im sinne '
rechtschaffenes wollen, wille zum guten': das auch gutwilligkeit erwachs bey meyd und knechten! räth Hans Sachs H. Sachs 9, 353
K.; gleichwie die gerechtigkeit ist eine allgemeine gutwilligkeit der weiszheit gemäsz Leibniz
dtsche schr. 2, 39;
blasser nach gutwillig 1 b '
aufrichtiger wille': das sie auch iren eltern folgen und solche lieb und treu auf sich erben lassen und sie dieselbe mit gutwilligkeyt ohne heucheley bewaren Mathesius
ausgew. w. 2, 8
Lösche. 22)
besonders häufig aus gutwillig 2
hergeleitet, vgl. gutwillikeit
benivolentia Diefenbach
gl. 71
c. 2@aa)
entsprechend gutwillig 2 a
α; als '
mildtätigkeit, freigebigkeit': di sibinde (
frucht) ist guitwillikeit, daz ist mildekeit des gudis
parad. anim. int. 71
Strauch; es begegent wider die sünd geitikait die tugent miltikait, dieselb gebirt guotwillikait der menschen Albr. v. Eyb
spiegel d. sitt. (1511) c 1
b; (
dann) werdet ihr vielleicht wirth, mahler und andere künstler zu zeugen eurer gutwilligkeit haben, aber wenig hungerige, durstige, nackende, krancke Schupp
schr. (1663) 750; dasz der schwache magen ... bey der gutwilligkeit seiner gönnerinnen nicht zureiche Schwabe
belust. (1741) 2, 253; '
freundlichkeit, freundschaft; gnade, güte': o du unaussprechliche sueszigkeit gotlicher gutwilligkeit gein dem mentschlichen geslecht
hertzmaner 17
b; also gehandelt werden von eynem freunde, dem mein glaub nu lange bekant, der meinen glimpf und guotwilligkeit oft erfaren Hutten
opera 2, 182
Böck.; ha ihr kavallier, wird mir meine gutwilligkeit dergestalt belohnet? J. Rist
d. friedewünsch. Teutschl. (1648) 103; ihm (
wäre) seine freundliche gutwilligkeit um geld nicht feil E. Francisci
lustig. schaub. (1697) 3, 471;
gern präpositional verbunden mit aus: wir aber solchen (
schlüssel) ... aus guotwilligkait und nachbarlichem willen geliehen
städtechron. 32, 327; aus innerster gutwilligkeit gegen einem freund Schupp
schr. (1663) 763; '
gewogenheit, gunst': so setzt der redner den anvang usz dem zimlichen teil der sach des richters neygung oder guotwillikeit zuo erlangen Fr. Riederer
rhetoric (1493) a 7
a; wie das fürstlich geblüt, so auch der fürstliche muth zuvor in gnädiger sänfte und gutwilligkeit gleich und eins sey Luther
br. 1, 435
de Wette; suchet derwegen ire gunst und guotwilligkeit J. Gretter
a. d. Römer (1566) 29; '
freundliches wohlwollen': man findet selbst beym rohesten pöbel gutwilligkeit Archenholz
Engl. u. Ital. 1, 2, 423; ich näherte mich ihm voll gutwilligkeit und vielleicht nach meiner art etwas zu schnell Göthe
gespr. 1, 43
Biederm. 2@a@aα)
nach gutwillig 2 a
β '
gutmütigkeit, nachgiebigkeit': er miszbraucht unser gutwilligkeit Luther
tischr. 301
a (1576)
Aurif.; dasz meim Vrane ob dieser einfaltigen gutwilligkeit und wolgemeynter einfalt der Canarrier die augen anfiengen uberzugehn Fischart
Garg. 430
ndr.; noch ein erschrecklicher miszbrauch ist aus der gutwilligkeit Caroli erwachsen Arnold
kirch.- u. ketzerhist. (1699) 311
b; die gutwilligkeit dieser Augustiner und das ansehen des landesherrn hat solche aber in ein nichts verwandelt Winckelmann
s. w. 2, 89;
vgl. gaudwilligkeit
gutmütigkeit Schambach
Gött. 60
b. 2@a@bβ)
für den aus geneigtem willen hervorgehenden '
guten willen, die gute absicht': sein glawb (
wäre) dannoch gerecht von wegen der lieb und guotwillikait, so er zuo guoten werchen hat Berth. v. Chiemsee
t. theol. 35
R.; ich hoff ..., meniglich werd mein gutwilligkeit und geneygten willen loben A. Dürer
v. menschl. proportion a 2
a; (
er) auch unser unvermogen und unser gutwilikeit darin bedachte
städtechron. 10, 419; meine dumme unwissenheit hat also über meine gutwilligkeit, dir gleich zu antworten, den meister gespielt Wackenroder
w. 2, 18
v. d. Leyen; mit leicht abschätziger färbung: bei allem ... musz man seiner gutwilligkeit gerechtigkeit widerfahren lassen Görres
ges. br. 3, 18. 2@bb)
zu gutwillig 2 b
im sinne '
bereitwilligkeit, willfährigkeit',
vgl. begirlich kraft
vel gutwilligkait
voluntas Diefenbach
gl. 628
c: (
er) findet bei allen iren reichen uberausz grosze guttwilligkait, volg und hilff wider den Turcken Scheurl
briefb. 214
v. Soden; (
sie) würden durch anreiczung unserer guttwilligkeit ... gleichmeszigen willen uns erweisen
acta publ. 2, 53
Palm; ich ziehe meine vorige gutwilligkeit zurück Lohenstein
Arminius 2, 604
b; '
innere bereitschaft': der selb herr selig starb an allerheiligen abent mit groszer andacht und guotwillikeyt Breydenbach
heyl. reyszen (1486) 142
a; '
botmäszigkeit': (
Cicero hat) dieselben innwoner nicht weniger durch völlige gerechtigkeit ... dann mit den waffen zuo guottwilligkeit ... bracht J. v. Schwarzenberg
d. teutsch Cicero (1535) 11
b;
vereinzelt nach 2 c
hin '
freiwilliges handeln': (
wer) ihm nicht selbs mit eigener gutwilligkeit undanck ... einkramen wil v. Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 29. 2@cc)
verdinglicht für die aus freundlichkeit, freigebigkeit hervorgegangene handlung selbst '
wohltat, freundschaftsbeweis, liebeswerk': (
dasz er den) glaubigen ... für ihre gutwilligkeit und wolthaten die seligkeit mittheile Barth
weibersp. (1565) d 3
a; diesem nach wäre die ... opferung ... eine noth und pflicht, nicht aber eine blosze gutwilligkeit Lohenstein
Arminius (1689) 2, 928
a; es seynd (
dem wirt) ... wegen erzeigter gutwilligkeit gegen denen frembden ... alle sünd verziehen Abraham a
s. Clara
etw. f. alle (1699) 1, 618; einem mann, dessen ... rathgebungen und gutwilligkeiten ich das meiste ... schuldig zu sein ... eingestehe J. H. Voss
antisymb. 2, 77; '
dienstleistung': (
sie auch) gegen denselben ... sich aller freuntschaft, guotwilligkait ... hiemit erbieten
städtechron. 32, 279; welcher sich aller gutwilligkeit und möglicher beförderung erbotten Harsdörfer
teutsche secret. (1656) 1, 323. —