guttat,
f. ,
aus der formel gut (=
gutes) tun (
vgl.gut,
n., A 3 b
und 5)
entwickelt, ahd. mhd. guottât,
mhd. auch guottæte;
plur. ahd. guottâti,
mhd. guottæte,
im älteren nhd. noch guttät
neben jüngerem guttaten,
welche form sich nhd. durchsetzt. guttat
hat von ahd. zeit an die konkurrenz von wohltat
neben sich, das im ahd. aber mehr gut IV
vertritt, während guttat
sich ahd. besonders zu gut V
und III
stellt; mhd. ist guottât
das verbreitetere wort, woltât
erscheint fast nur im ostmd.; im nhd. wird guttat
allmählich von wohltat
zurückgedrängt, sodasz es in neuerer schriftsprache nur noch wenig gebräuchlich ist. 11)
zu gut,
n., A 5
bzw. B 3 '
das sittlich religiös vollkommene handeln, rechtschaffenes tun, tugendhafte tat',
vgl. die zu dieser bedeutung gehörenden glossierungen cuattati lon
praerogativa Graff 5, 334, guottat
lux justorum ebda; guottati
profectu ebda; daz chit, fone fidelibus unde fone allero ecclesia, chumet der liument kuottado (
virtutum), der also suozze ist Notker
ps. 44, 9,
vgl. 41, 5; neheinen guottatin foreganten (
nullis precedentibus meritis) 67, 10; die in guttaten tot waren 17, 9; wande uns saget, der goloube here unde stæte, der erfüllet alle guottæte, daz wir ze jungist schuln erstân
v. rechte 374
Waag; harte bezzirte er sich, her was vil stæte allir guottete
Trierer Silvester 272
v. Kraus; nu belîbe ich dar an stæte daz ich unz an mînes tôdes zil den darumbe bitten wil, der deheiner guottât niemer ungelônet lât Hartmann v. Aue
Gregorius 1218
Paul; bosen luten und ir rote was er dicke und dicke bi unde aller gutete vri
passional 132, 14
Köpke; daz sich nieman siner guotete iht beruome, wan der sunder gewinnet alse schiere daz himelriche alse der rehte
Lucidarius 38
Heidl.; daz unrecht zuo vermyden und güttet zuo volbringen A. v. Pforr
buch d. beisp. 12
lit. ver.; nun in Christo bleyben haiszt, das man all sein guothat habe als gerechtigkait, das leben und alle tugendt Luther 12, 583
W.; die guthat soll werden blohnet und das ubel gestraffet hart J. Ayrer
dram. 74
K.; warum solte auch nicht vorhergehende gutthat das folgende unrecht ausgleichen? Lohenstein
Arminius (1689) 2, 1352
a; die gnade rechnet mehr unsere guttat an als unsere schuld Fontane
ges. w. I 4, 339; was eine mutter ist, kann lügen und stehlen und morden ... und meint noch alleweil, es wär eine guttat, für die
ein lohn ist droben im himmel Ganghofer
mann im salz in: gartenlaube jahrg. 1905, 710
b;
spezieller wie '
gutes werk': sumelichen ist ein irluterunge vasten unde wachen, oder so getone guotete
Lucidarius 61
Heidl.; nach 2
hinüber spielend: er rächte Asinias tod, indem er den alten fürsten von jeder gutthat abhielt Börne
ges. schr. (1827) 1, 5. 22)
vom handelnden subjekt aus gesehen, zu gut,
n., A 3 b
gebildet, entsprechend gut,
n., A 4
und gut IV C 3
mit dem für diese bedeutung wesentlichen beisinn, dasz die erweisene wohltat aus freundlicher, gütiger, wohlwollender, gnädiger gesinnung hervorgeht, vgl. gutdait
beneficentia Diefenbach
gl. 71
c, guottat
beneficium gemma gemmarum (1508) c 5
a. 2@aa)
allgemein '
wohltat, liebeswerk',
vgl. ein guotthat wol in gedächtnusz behalten
benefacta tenere Frisius 161
b: noh sinen samen brotes durftigen, wanda er guottate sahet, dannan habet er seti Notker
ps. 36, 25; ouch lônten si der stæten mit mangen guottæten des siun ze liebe ie getete Ulrich v. Zazikhoven
Lanz. 7668
H.; so hœre ich sprechen unde sagen, ez künne ein übeler niht vertragen guottæte, die der mensche tuo Konrad v. Würzburg
Engelhard 1563; solliche gutet, die ir beweist an den leuten, solliche genade, so die leut von euch empfahen
ackermann aus Böhmen 28
Bernt-Burd.; die welt vergilt gutthat mit ubelthat Luther 16, 7
W.; denen (
den gebern) sie (
die bettler) zu zeiten für ihre erzeigete gutthaten ubel lohnen Pape
bettel- und garteteufel (1586) l 1
b; allerley gutthaten, so die Polen ... dem orden bewiesen Schütz
hist. rer. pruss. (1592) l 3
b; die besten lobserhebungen geschehen unter dem fürwand einer schuldigen danckbarkeit, da man die erwiesene guthaten sehr hoch rühmet Chr. Weise
pol. redn. (1677) 189; ein edelmann, von welchem wir ehemalen merckliche gunst und sonderbare gutthaten empfangen haben Opitz
Sidneys Arcadia (1638) 22; (
einen) mann, (
der von) seinen gutthaten nicht viel wesens machet Thomasius
kl. dtsch. schr. 86; bei der erzählung, dasz gutherzige russische husaren dem verwundeten Kleist gutthaten erzeigten
briefe d. neueste litt. betr. 16, 28; gott lohn euch eure gutthat Schiller 14, 376
G.; geht nur mit mir in meine wohnung, dasz ich euch eure gutthat vergelte Stifter
s. w. 4, 1, 42
S.; indem er nun seine guttat zu ende bringen wollte Paul Ernst 10
geschichten 17
Potthoff; weil diese Engländer, selbst wenn sie betteln, immer noch fertig bringen, ihren bettel von fremden als guttat an diesen ... darzustellen Hans Grimm
volk ohne raum 1, 614;
als '
wohltat'
mundartlich vielfach bewahrt, z. b. Seiler
Basler ma. 153, Schröer
ungr. bergl. 245, Hofmann
niederhess. 111
b, Müller
rhein. 2, 1524;
vergleichbar als neutr. '
geschenk': 'guatthät
ist das, was die um lohn gedungenen hirten bei guter dienstverrichtung über den lohn noch an nahrung bekommen' Bühler
Davos 1, 43;
als '
almosen': so tuo din almuosin geben wilt, daz enmache niht mere den luotin ..., tuo dine guottete heimelich
bei Roth
dtsche pred. 69; dine almuosen und guottät der erbarmherzekeit sind ufgangen für min angesicht
Stretlinger chron. 4
Bächt.; es that ihr wehe, von den gutthaten anderer menschen leben zu müssen Hauff
s. w. (1890) 4, 319; '
freundliche behandlung': derselbigen (
pferde) ich hab verschont, weil sie der gutthat seind gewont J. Spreng
Ilias (1610) 56
a; freundlich warst du gegen mich, gutthat genosz ich an deinem hofe G. Freytag
ges. w. 8, 149. 2@bb)
besonders von den gnadengaben gottes: gote sol man jehen, daz ist kuot ..., jich imo ouh dinero guottato, so daz du iro imo danchoest Notker
ps. 91, 2; ... der vil schiere vergaz der manegen guotætedie got erboten hete
genes. u. exod. 120, 5
Diemer; virnemet hie ein wunder von gotlicher guttat, die er an siner diet begat
väterbuch 3267
Reisz.; auch erkenstu vill groszer guottät und gab, die du von gott enpfangen hast Geiler v. Keisersberg
granatapfel (1510) g 6
a; gott selber können wir vor seine güte und gutthaten nichts höhers zahlen Sigm. v. Birken
ostländ. lorbeerhayn (1657) 2
b. 2@cc)
spezialisiert im sinne '
fromme stiftung, schenkung': ein guottât diu vor gote swebt sô rîche, daz nu niemen lebt, der umb daz êweclîche leben durch got habe als vil gegeben Rudolf v. Ems
d. gute Gerhard 269
H.; die todten heyligen hören dein gebet nitt, so bedorffen sie deiner ehr und guttadt nit Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 25
ndr.; dieweil durch schrifftlich handvestinen die guttaten verrechnet werdend, so zu der gottshüsern
dienst ... gegabet werdend Äg. Tschudi
chron. helv. 1, 61; disze kürchen ist im jahr 1628 ... erbaut worden ... und geschehen taglich guettaten daselbst (
v. j. 1638)
österr. weist. 10, 237. 2@dd)
die auf wohltätiges tun hin bedachte gesinnung selbst, '
wohltätigkeit, güte, milde': durch heil unser sele und suonderliche guottede und fruontschaft (
v. j. 1352)
hess. urk.-buch 2, 585
Wysz; so mustu auch gegen dem nehesten in der liebe gedult und guthat bleiben Luther (1568) 6, 51
b Jen. ausg.; Reynhardt die guotthat und miltigkeyt des königs erkant
hertzog Aymont (1535) i 1
b; besuecht mit guotthat sie die armen Rompler v. Löwenhalt
erst. gebüsch (1647) 41; so ordentlich und so die gutthat selber ist gar keiner mehr, wie mein tichterle O. Ludwig
ges. schr. 2, 165; dūr meīne gûdt
durch meine gutmütigkeit Bauer-Collitz 42
b;
ebenso von gottes güte und gnade: also dasz ein jeder christ diesem gütigen vatter für seine ... fürsorge und gutthat zu dancken desto mehr verbunden lebet v. Hohberg
georg. cur. (1682) 1,
vorr. a 2
b; wir aber stimmen schlecht mit gottes gutthat ein, weil unsre danckbarkeit pflegt klein und kurz zu sein Chr. Warnecke
poet. vers. (1704) 199;
in fester präpositionaler formel mit aus,
vgl.aus guottat und gnaden gottes
dei benignitate Frisius 163
a: das er ausz seiner und des römischen volcks gnad und guotthat ein freund und könig were genent Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 10
a; der kaiser aber hatte ihn (
den kelch) ... dem heiligen Laurenz zu Merseburg aus gutthat geweihet Grimm
dtsche sagen3 2, 99. 33)
zu gut,
n., A 3 b
und gut III A 4
bzw. 7
zu stellen, ausschlieszlicher vom empfänger her betrachtet für die '
erfreuliche, angenehme, vorteilhafte sache, gabe, geschenk, belohnung'
usw.; hierzu stellt sich bereits ahd. guottati
divitie ahd. gl. 1, 532, 51
St.-S., vgl. dienst umb guttat
simulacrum Diefenbach
gl. 535
b, vergangner guotthaaten nit vergässen
bona praeterita non effluere Frisius 462
a: die boten wurden wol berâten mit maneger guottæte
Dietrichs flucht 1037
Martin; Christi Jesu, dem herren mein, ich alle zeit wil danckbar sein ... für all gutthat auf diser erd G. Forster
fr. t. liedl. 198
ndr.; in dem im der herr diese euszerliche leibliche gutthat hat abgeschlagen, hat er ihm viel gröszere ... ewige gutthaten zubereitet
theatr. diab. (1569) 203
a; das alter bedarff geld und gutthat Petri
d. Teutsch. weiszh. (1604) 2, l 7
b; manches land hat grosze gutthaten von der natur Schupp
schr. (1663) 120; damit ich die gutthat, so ich allhier in Cypern genossen, in Venedig wiederum ersetzen möge
schausp. engl. comöd. 79
Creizenach; nicht wenn das ... herz gutthaten empfangen hat, wird es zum tempel eilen Herder 32, 117
S.; bleibt nur bieder und fromm, und empfangt gutherzig die gutthat J. H. Voss
s. ged. 2, 70;
ähnlich mundartlich '
etwas angenehmes': dés wár ə guətət Schmeller-Fr. 1, 965, in winter is s ə rechtə guəttat um ə~ warms stübəl
ebda 1, 630;
auch '
wohlbehagen': und aft, wann a recht in da güetat is glögn Fr. Stelzhamer
ausgew. dicht. 1, 19
Ros.; als '
angenehme, erfreuliche wirkung': die salvattele aderen geschlagen bringen vil guotthAet J. v. Gersdorf
wundtartzney (1526) 18
a; (
dasz) sie die guotthat der selbigen empfinden wurden Ryff
spiegel u. reg. d. gesundh. (1544) 31
b;
nach gut III A 7
hin '
vorteil': der bücher gutthat ists, dasz viel noch wird gefunden, was längst hat fortgemuszt ... Opitz
opera (1690) 3, 307; angenommen, sie bekäme ihn doch noch ..., was hätte sie für eine gutthat als sein weib?
M. Meyr
erzähl. a. d. Ries 2, 325,
vgl.guttat das gut, der vortheil Schmeller
cimbr. 127
b. 44)
zu gut I B 5
und 6
im sinne '
wackere tat, tüchtige leistung'
in älterer sprache gebildet, vgl. ez guot tuon
sp. 1255: hie ist so manic biderbe man, daz vil guottât hie geschiht Ulrich v. Lichtenstein
frauend. 116, 5
L.; es bringt mir grosze freude zu hören und sagen von der gutthat, die ir in diesem streit vollbracht habet
buch d. liebe (1587) 323
a; hat also kaiser Karl das kaisertumb in Teutschland durch sein guettat und geschickligkait bracht Turmair
s. w. 5, 127
Lexer; es sind zwar ... viel, die etwan durch römische keyser oder könige ausz eygener bewegnusz ungethaner einiger manlicher vorbündigen guthaten ... geadelt worden sind Moscherosch
gesichte (1650) 2, 418;
vergleichbar '
nützliche tat': in betrachtung vilfaltiger gutthat dises thierlins ist ... verbotten irer nicht eyn eynziges zutöden Sebiz
feldbau (1579) 305; vorurtheilslose abwägung seiner gut- und übelthaten ergibt, dasz er (
der kornweihe) schädliche (
tiere) befehdet Brehm
tierleben3 6, 396.