grappeln,
vb.,
iterativbildung zu 1grappen (
s. d.),
auch grap(p)len, grapeln,
vereinzelt gräpeln.
literarisch im hd. des 16. und 17. jhs., vereinzelt noch im 18.
jh.; in glossen des 15.
jhs. mehrfach: tescheln oder grappeln
palpitare (1437)
bei Lexer 2, 1429;
colatriare grapeln (
obd. 1432)
bei Frommann
zs. f. dt. maa. 4, 295
b; zappeln, grappeln (
Nürnberg 1482) Diefenbach
gl. 408
a s. v. palpitare. die grundbedeutung ist ein tastendes, fingerndes umhergreifen, suchen oder bohren: in dem so bisz in ein floch im hindern, nach dem grappelt er endlichen
Eulenspiegel 53
ndr. (
in teil 5,
sp. 1913
fälschlich zu krabbeln
gestellt); das kind ... grappelt und suchet die brüsten (
der toten mutter), bisz das es sie findet H. Braun
kinderspiegel (1610) 193; in deme sie beim hellen liecht der schrifft nichts sehen, und also an den wänden herumb graplen L. Forer
lutherischer katzenkrieg (1629) 318; ein anderer (
mann) grappelt in den zähnen mit gummendem maul, als stehe schon das thor offen zum mist ausführen Stranitzky
ollapatrida 138
Wiener ndr.; wann du die zähne stührest, so nimm messer und gabel darzu, und graple gleichwol mit gähnendem rachen, ohne was vorzuhalten Tölpel
baurenmoral (1752) 36; ein kind auffwickeln und eine zeitlang (
mit freien händen) grappeln lassen
M. Kramer
t.-ital. 1 (1700) 556
b (
vgl. auch grappelhemmetlein
ebda).
auf geistiges übertragen: also suchen die verleumbder keine gantze gute werck ... sondern sie gripeln vnd grapeln nur in alten vnd bösen händeln Albertinus
Lucifers königreich 284
nat.-lit.; etliche graplen vnd grieblen so lang nach, bisz sie an ihren nebenmenschen ein mangel finden Abr. a
s. Clara
Judas (1686) 1, 682.
speziell in erotischem sinne: n. n. gräplet die meitli; das git ärgerniss (1530)
in: schweiz. id. 2, 786: (
dasz du) dich grappeln laszt die jungen gsellen, als ob sie kelber kaufen wöllen Hans Sachs
in: teil 5,
sp. 1913 (
dort mit unrecht zu krabbeln
gestellt); Eyering
proverb. copia (1601) 1, 98; dass sie bey liechtem hellen tag ... kein schew haben, mit den händen an vnschambarm ort vmm zu stüren vnd zu graplen Guarinonius
grewel (1610) 1279.
die hier nur vereinzelte bedeutungsnuance '
greifen'
im sinne von '
wegnehmen, stehlen'
weist eher nach grappen
oder grapsen, grapschen: und sprach: ich geh mit keinem dieb. grappeln und mausen ist dir lieb Hans Sachs 5. 68
lit. ver. das wort lebt in der mundart fort, in teilbezirken des md. (
vgl. z. b. Hertel
Thür. 101),
vornehmlich aber im obd., vgl. Fischer schwäb. 3, 793,
schweiz. id. 2, 786, Lexer
kärnt. 121, (
tirolisch)
bei Frommann
zs. f. dt. maa. 5, 440,
wobei aber auch die für krabbeln
bezeichnenden bedeutungen auftreten, so dasz hier vielfach wortmischung mit diesem wort (
s. auch 2grappeln)
eingetreten zu sein scheint, wie das nach laut und bedeutung naheliegende krabbeln
auch in andern fällen gern in den wortbestand der wurzel grap-
eingreift. übrigens steht schwäb. und schweizer. neben grappeln
ein grâpeln
mit vokallänge (
s. auch grabeln, grablen
unter 1grabbeln 2),
so dasz mindestens für einige der oben als grapeln
bezeugten literarischen belege mit länge des vokals zu rechnen sein wird, vgl. krâbeln
unter krabbeln I b, zâbeln
unter zabeln 1
und grâbeln
unter 2grabbeln.
zu grappeln
gehören endlich wohl auch nasalierte mundartbildungen wie schles. grammeln, grampeln '
tastend greifen' Jungandreas
schles. zeitwortbildung 36 (
in teil 5,
sp. 2004
zu krammen
gestellt); grampeln '
aufraffen, hastig auflesen' Sartorius
Würzburg 48; Ruckert
unterfränk. 64;
dazu noch, bei offensichtlicher vermischung mit krabbeln,
kärnt. gràmm. ln '
herumgreifen, betasten, wimmeln, krabbeln' Lexer 120; grammeln '
befühlen' Frischbier
pr. 1, 249
a. —
fraglich, ob zu dem obigen schles. grampeln
gehörig, in einem frühen nachweis: alsz sie sich angefangen wegen des tanzes zu grampeln, were er gleich erst
dazu kommen (
schles. 1598)
in: neuphilolog. mitteilungen 28, 8;
vgl. dazu besser krämpeln 2 '
zanken',
teil 5,
sp. 2009,
dies seinerseits mit kampeln 4,
teil 5,
sp. 138.