graphisch,
adj. ,
zu graphik (
s. d.),
seit etwa 1800
belegbar, doch vgl. frz. graphique (
adj.),
das seit 1762
belegt ist, s. Wartburg
frz. et. wb. 4, 242
a. 11)
auf das schreiben und etwas geschriebenes im engsten sinne bezogen: graphische figuren
schriftzeichen Campe
wb. z. erkl. (1801) 389
b; jene geheimnisvollste sekunde des übergangs, da ein vers, eine melodie aus dem unsichtbaren, aus der vision und intuition eines genies durch graphische fixierung ins irdische tritt Stefan Zweig
welt v. gestern (1947) 192. 22)
in weiterem sinne auf die zeichnerische, lineare oder figurenhafte darstellung irgendwelcher an sich andersartiger sachverhalte bezogen, besonders solcher, die abstrakter und begrifflicher art sind: versendung der morphologie. herr geh. cammerrath Helbig wegen eines von Lindenauischen briefes, nicht weniger die sämmtlichen graphischen darstellungen zurückbringend (1824) Göthe III 9, 306
W.; eine graphische darstellung physikalischer vorgänge — in moderner art — finden wir erst 1684, wo R. Plot ... den verlauf des täglichen luftdruckes durch eine treppenförmig punktierte linie abzubilden versucht Tropfke
gesch. d. elementarmathem. 26 (1924) 96; da das wesen des grammophons im graphischen niederschlag von tönen seinen ursprung hat Rilke
br. 2 (1950) 501; da hing die graphische darstellung eines schauspiels, an dem er arbeitete Kluge
Kortüm (1938) 30; eine internationale zeichensprache auszubauen, welche ... es erlaube, das komplizierteste ... in einer weise graphisch auszudrücken, welche allen gelehrten ... verständlich wäre H. Hesse
glasperlenspiel (1943) 1, 49.
in der fachsprache der mathematik: den fachausdruck 'graphische lösung' benutzt A. L. Crelle 1833 (
für die zeichner. lösung von gleichungen 3.
grades) Tropfke
gesch. d. elementarmathem. 33 (1937) 134; 'graphisches rechnen:
lösung von aufgaben der algebra durch konstruktionen, die mit lineal, zirkel, maszstab und anderen zeichenwerkzeugen ausgeführt werden' Lueger
lex. d. ges. techn. 4 (1897) 760.
auch für symbolisierende und stilisierende zeichnerische darstellung eines an sich visuell greifbaren sachverhalts: eine allgemeine weltansicht musz also mit den den weltraum füllenden, himmlischen körpern beginnen: gleichsam mit dem entwurf einer graphischen darstellung des universums, einer eigentlichen weltkarte, wie zuerst mit kühner hand sie Herschel der vater gezeichnet hat A. v. Humboldt
kosmos (1845) 1, 60; ohne anderen behelf als graphisches material (
kartenmaterial), fernglas, stock und eisen (
steigeisen) Barth
Kalkalpen (1874) 636; noch anschaulicher ist die graphische zusammenfassung in der unter dem namen des baurisses von St. Gallen bekannten groszen planzeichnung Dehio
gesch. d. dt. kunst 1 (1919) 41. 33) graphische künste (
s. auch 4)
als fachausdruck der kunstwissenschaft in nicht ganz einheitlicher verwendung. in engerem sinne (
s. graphik 2)
jener zweig der bildenden kunst, dessen werke, wie der kupferstich, die radierung, der holzschnitt u. ä., auf ein reproduzierendes verfahren angewiesen sind: die werke der graphischen künste treten uns auf der fläche des papiers (oder pergaments) entgegen. was hier dargestellt wird, ist nicht das werk eines zeichners oder malers, das dieser unmittelbar auf das papier bringt, sondern das ergebnisz eines besonderen verfahrens, indem die auf einer platte hergestellte zeichnung mit farbe vermittelst druckes auf das papier übertragen wird Wessely
gesch. d. graph. künste (1891) 1.
insofern in ausdrücklicher unterscheidung etwa von der malerei: neuere mahlerei und graphische künste (
kapitelüberschrift) Göthe I 49, 289
W. daneben scheint die verbindung graphische künste
gelegentlich auch die kunst der zeichnung und sogar der malerei, also etwa im gegensatz zur plastik, mit einzuschlieszen, wie schon gr. γράφειν auch '
zeichnen'
und '
malen'
heiszt: der kaiser Hui Tsung, selbst maler von ruf, gründete eine akademie der graphischen künste Kühnel
kunst d. Orients (o. j.) 106. graphisch
kann auch sonst, und auszerhalb dieser verbindung, das lineare gegenüber dem plastisch-gestalthaften bezeichnen: bei Reglindis (
einer der Naumburger stifterfiguren) ist schon im grunde alles graphisch verflacht, aufgeschrieben auf den block Pinder
d. Naumburger dom (1925) 34; der titel (
von Leverkühns komposition) 'apocalipsis cum figuris' ist eine huldigung an Dürer und will wohl das visuell-verwirklichende, dazu das graphisch-minutiöse, die dichte gefülltheit des raumes mit phantastischexakter einzelheit betonen Th. Mann
Faustus (1948) 567. 44) graphisches gewerbe (
s. graphik 3),
zusammenfassend für jede vervielfältigung von bild, schrift und druck und die eine solche ausübenden gewerbe, vgl. d. gr. Brockhaus 5 (1954) 16
a.
in gleicher bedeutung auch graphische künste '
heute ... auch die verfahren, welche zur vervielfältigung des gemalten, gezeichneten oder geschriebenen dienen, und von denen einige den bildenden, die grosze mehrzahl aber den reproduzirenden künsten angehören' Lueger
lex. d. ges. techn. 4 (1897) 759.