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grätig

nhd. bis sprichw. · 4 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grätig

Bd. 8, Sp. 2055
grätig , älternhd. auch gräticht, grätlicht, grätechtig, adj., zu 1grat und 1gräte gebildet. 11) im anschlusz an den eigentlichen gebrauch von grat und gräte, s. dazu noch heiszgrätig s. v. 2grätig. 1@aa) von der bedeutung 'fischgräte' (grat und gräte A 1 a) her soviel wie 'gräten habend', besonders 'viele gräten habend', seit dem ausgehenden 16. jh.: (die fische) haben ein zehe ... grädtechtige substantz H. Frölich offenb. d. natur (1591) 245; wir brachten ein essen fisch zuwegen ausz diesem see (von Tiberias), dieselbigen waren so grätig, daz ich dergleichen nie keine gessen hab Schweigger reyszbeschr. (1619) 318; ein grätichter fisch un pesce pieno di arreste Kramer t.-it. 1 (1700) 557b; die nase (naso) von dem obern rüssel, der hinter sich gebogen, also genennet (eine fischart), hat ein weisses, weiches sehr grätiges fleisch, sonicht gar gesund Hohberg georg. cur. 3 (1715) 2, 304a; das ... gräthige fleisch wird beym kochen gelblich Oken allg. naturgesch. (1839) 6, 309. mit nebenton: falsches kind! kalter, grätiger fisch! (die nixe) R. Wagner ges. schr. u. dicht. (1897) 5, 205. für die lebende mundart: gra'erige fiske Böning Oldenburg 40 und gretig 'viele gräten habend' Fischer schwäb. 3, 804. 1@bb) vereinzelt zu grat A 2 b 'dorn, stachel': spinosus dornig vel gradtig (var. gradrig) (15./16. jh.) Diefenbach gl. 547a. älter auch in der anwendung auf die angel bzw. den angelhaken, doch ist dabei wohl nicht von einer für grat und gräte unbezeugten bedeutung 'spitzes instrument' [] (s.grat A 2 d), als vielmehr von der bedeutung 'scharf schneidendes instrument' auszugehen, die hier ebenfalls sachlich gegeben und im älteren gebrauch von grat (s. d. B 4 a) verbreitet ist, vgl. auch das versnîden im folgenden beleg: ouch ein vil gretik angel si (die sündige seele) ver snidet in den tot (hs. um 1300) Tilo v. Kulm v. d. siben ingesigelen 5440 Kochendörffer; und nym ... klein gesmeidig angel die da guet grätig afterhacken haben Tegernseer angel- u. fischbüchl. (15./ 16. jh.) in: zs. f. dt. altert. 14, 169. 22) im anschlusz an den uneigentlichen und bildlichen gebrauch von 1grat und 1gräte. 2@aa) wohl von grat A 1 d γ, δ bzw. gräte A 1 c γ,δ oder von grat A 2 b (s. ob. b) her soviel wie 'unwirsch, widerborstig'. der bedeutung wegen eher hierher als, wie vielfach angenommen (vgl. die maa.-wbb.), an 2grätig 'geizig, gierig' (s. d.) anzuschlieszen. seit dem 16. jh. belegbar (vgl. auch ähnlich gebildetes grantig): asper ruch, gretig, vnmilt, vngutig, vnwirsch etc. (Hagenau 1516) bei Diefenbach gl. 54b; grätig spinosus. er ist ein grätiger mensch homo est mordax, rixosus Steinbach dt. wb. (1734) 1, 635; grätig 'zänkisch, böse' Rüdiger zuwachs d. sprachkde (1782) 2, 79; grätig sein 'leicht aufzubringen sein, jede kleinigkeit übel nehmen' oberschles. monathschr. (1789) 2, 176; grätig sein, nicht sanft sein, empfindlich, erbittert sein, und dies durch spitze reden an den tag legen Campe 2 (1808) 445a; ich war aber damals (als der herzog v. Koburg-Gotha seine erinnerungen schrieb) sehr grätig, und er hatte auch veranlassung dazu gegeben (1889) G. Freytag br. an s. gattin (1912) 379. mundartlich im obd. und md. reich bezeugt, vereinzelt auch ins nd. hineinreichend. wohl gleichfalls hierher gehörig: grätig 'unnachgiebig, fest beharrend, ausdauernd im widerstande gegen die meinung anderer'. klein aber grätig Frischbier preusz. 2, 526; grâtig (Pustertal) unnachgiebig, arbeitsfreudig Schatz wb. d. Tirol. maa. 1, 251. auch: grêtig (Tannheim) lebhaft, munter ebda. hierher? 2@bb) an den gebrauch von gräte A 1 c ε anknüpfend in der bedeutung 'mager, dürr': das einzige kind des hauses war eine tochter, ein braunes, grätiges ding mit zwei langen schwarzen zöpfen und damals kaum dreizehn jahre alt Th. Storm s. w. 5, 136 Köster. von hier aus: noch tau gradig sin, 'noch zu jung sein, von jungen mädchen gesagt, unreif' Mi Mecklenburg 28; die kochfrau lachte schallend heraus. der (herr Belfontaine) war auch schon früher hübscher als du (ein küchenjunge) ... du grätiger pickelhering, sagte sie unbarmherzig El. Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 58. für den mundartlichen gebrauch noch verzeichnet: grätig 'mager' rhein. wb. 2, 1364; grätig 'dürr' Fischer schwäb. 3, 804. 33) im anschlusz an grat B 2, gräte B 2 in der bedeutung 'kantig, scharf'. in diesem allgemeineren sinn nur mundartlich, für das schweiz. nachgewiesen (vgl. schweiz. id. 2, 822). literarisch in speziellem anschlusz an grat B 2 e nur im kunsthistor. schrifttum des 20. jhs.: kreuzrippen mit rundem querschnitt und, was wichtig ist, mit schluszstein (finden wir) in Rosheim etwa 1170—90. die sonst nahe verwandte kirche des Niedermünsters am Odilienberg hatte noch grätige gewölbe Dehio gesch. d. dt. kunst 1 (1919) 123; aber erst die erneuerung (der Speyerer krypta) unter Heinrich IV. übertrug die dort bewiesene wölbekunst auf das mittelschiff durch kreuzförmige aber rippenlose, also gratige gewölbe Pinder kunst. d. dt. kaiserzeit (1935) 1, 148.
5081 Zeichen · 135 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Grätigadj, adv

    Campe (1807–1813) · +4 Parallelbelege

    Grätig , — er, — ste , adj . u. adv . viele Gräten habend. Ein grätiger Fisch. Uneigentlich. Х Grätig sein, nicht sanft …

  2. modern
    Dialekt
    grätig

    Rheinisches Wb.

    grätig -E:t- Neuw-Datzeroth Adj.: mager.

  3. Sprichwörter
    Grätig

    Wander (Sprichwörter)

    Grätig Er ist so grätig wie die Alse im Mai. Dieser Fisch hat da die meisten kleinen Gräten, die wegen ihrer Feinheit be…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit graetig

8 Bildungen · 1 Erstglied · 6 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von graetig

graet + -ig

graetig leitet sich vom Lemma graet ab mit Suffix -ig.

Zerlegung von graetig 2 Komponenten

gra+tig

graetig setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

graetig‑ als Erstglied (1 von 1)

grätig II

RhWB

grätig II jr:diχ Dür 1880 Adj.: karätig.

graetig als Zweitglied (6 von 6)

fischgrätig

DWB

fisch·graetig

fischgrätig , spinosus: ich hab euch erkannt beim ersten blick an euren fischgrätigen zähnen. Heine.

Heißgrätig

Adelung

heiss·graetig

Heißgrätig , -er, -ste, adj. et adv. welches nur im gemeinen Leben einiger Gegenden üblich ist. Heißgrätige Erze, im Berg- und Hüttenbaue, w…

heiszgrätig

DWB

heiszgrätig , adj. im heiszen zustande spitzen oder stacheln gebend ( nach gradtig spinosus Dief. 547 a ). es wird zunächst gebraucht von er…

klugrätig

DWB

klug·raetig

klugrätig , von klugem rat: ein treuer und aufrichtiger, klugräthiger freund ist ein edles kleinod. Simplic. 1, 189 in den späteren zusätzen…

weichgrätig

DWB

weich·graetig

weichgrätig , adj. von den flossen weichstrahliger ( s. d. ) fische Illiger term. d. thierreichs (1800) 205 . —

Ableitungen von graetig (1 von 1)

ungrätig

DWB

ungrätig , adj. , nicht grätig. Campe. —